Jennifer Paige - Best Kept Secret - Cover
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Jennifer Paige Best Kept Secret


  • Label: Glor/SPV Records
  • Laufzeit: 50 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Kennen Sie Jennifer Paige? Nein? Schon mal von einem Song namens „Crush“ gehört, der im Sommer 1998 weltweit die Hitparaden stürmte? Das war Miss Paige. Prototyp eines One Hit Wonders, die zur richtigen Zeit im locker-leichten Pop-Kleid in die Charts schoss ohne diesen Erfolg ein zweites Mal wiederholen zu können, denn sowohl das dazugehörige, selbstbetitelte Debütalbum, wie der Nachfolger „Positively somewhere“ (09/2001) gingen mehr oder weniger komplett unter, was beim sukzessiven Werk mit der getrübten Stimmung aufgrund der Terroranschläge von 9/11 erklärt wird („Es war einfach nicht die Zeit für fröhliche, unbeschwerte Songs. Niemand war unbeschwert“). Wer soll sich aber jetzt nach siebenjähriger Abstinenz vom Musikgeschäft für „Best kept secret“ interessieren, wenn ohnehin kaum jemand mehr weiß, wer Jennifer Paige eigentlich war?

Die Frage ist eigentlich relativ leicht zu beantworten. Das dritte Oeuvre der mittlerweile 34jährigen ist im Gegensatz zu den immergleichen Veröffentlichungen der üblichen Verdächtigen im Radio-Pop eine willkommene, handgemachte Abwechslung, die auch nach mehreren Durchläufen ihre frühlingshafte Stimmung beibehält. Zwar ist der erste Bote der Platte mit „Wasted“ etwas verunglückt, stellt der Track nämlich genau die austauschbare 0815-Ware dar, die tagtäglich in einschlägigen Radiostationen feil geboten wird, doch glücklicherweise erweist sich dieser Fehlgriff als Eintagsfliege, denn das restliche Material kann als durchaus gelungen bezeichnet werden, zudem „Best kept secret“ eine größere Bandbreite besitzt als herkömmliche Pop-Alben.

Zuerst geht es noch recht konventionell mit warmherziger Lyrik und sowohl treibenden („Feel the love“) als auch rockigen Beats („Best kept secret“) los, bis mit der feuerzeugschwingenden Power-Ballade „The calling“ Jennifer erst so richtig loslegt. Zwar lässt „Here in the sun“ den Output kurz schwächeln, jedoch stößt Miss Crush nach dem bezeichnenden „Sugarcoated“ mit „Broken things“ gleich zum besten Song der Platte vor, der sich vor allem durch einen ruhigen und schmeichelnden Gestus, der vom melancholischen Text und der sehnsuchtsvoll instrumentierten Musik lebt, nachhaltig festsetzt. Danach zerrt sie den Hörer sogleich auf die Tanzfläche („Underestimated“), wodurch die Wirkung des vorangegangenen Songs etwas verblasst. Da wären als Zwischenstop die ebenfalls gedrosselten Stücke „Bloom“, „I do“ oder die nächste energisch dargebotene Ballade „Downpour“ besser platziert gewesen.

Mit „Be free“ tischt uns die Sängerin kurz vor Ende noch einen vom Reißbrett für tanzbaren Pop entworfenen Song auf, bevor „Mercy“ von einer swingenden Big Band flankiert wird und mit hauchzarten Vocals einen krönenden und souveränen Abschluss setzt. Damit sollte sich Jennifer Paige wieder halbwegs ins Gespräch bringen, auch wenn viele Passagen an Kolleginnen wie Delta Goodrem oder Natalie Imbruglia erinnern. Schlecht ist „Best kept secret“ dadurch nämlich nicht.

Anspieltipps:

  • Mercy
  • The Calling
  • Broken Things
  • Best Kept Secret

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