The Raconteurs - Consolers Of The Lonely - Cover
Große Ansicht

The Raconteurs Consolers Of The Lonely


  • Label: XL Recordings/Beggars
  • Laufzeit: 55 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Album Nummer Zwei, im Gegensatz zum Standort bestimmenden Erstling, ist ein Werk, auf dem sich ausgetobt wird.

„How you gonna top yourself”? Fragen die Raconteurs berechtigterweise, nach so einem Debüt, auf ihrem Zweitwerk. Sie sind ja echt clever, der Benson und der White, mit dem Rush-Release den üblichen Rezensionsmühlen zu entgehen und dem Hörer sich die Meinung gänzlich selbst bilden zu lassen und ganz nebenbei das heiße Pferd der selbstbestimmten Veröffentlichungen von Radiohead, Nine Inch Nails, Saul Williams und Gnarls Barkley mitzureiten. Aber, aber: die bösen Online-Mags. Und so folgt hier doch, was Benson und White eigentlich verhindert wissen wollten: die Einordnungshilfe für den Verbraucher.

„Consolers Of The Lonely“ ist konventioneller als der äußerst formidable Vorgänger „Broken Boy Soldiers“. Druckvoller die Rocksongs, breiter indes die Gesamtpalette. Ein munteres Auf und Ab auf dem Alternativ-Rollercoaster. Darunter leidet bisweilen die konzeptionelle Homogenität, aber Benson und White – und das ist das Besondere an diesem Werk - muss niemand mehr sagen, was sie tun sollen. Hier geht es um die Spielfreude der Protagonisten, die zusammenfinden, wenn das Tagesgeschäft ruhen soll. So ist Album Nummer Zwei, im Gegensatz zum Standort bestimmenden Erstling, ein Werk, auf dem sich ausgetobt wird. Ja, im Grunde ist es Muskelspielerei, aber sympathische. Die Band reicht sich ihr Feuer wie bei einem ungestörten Fackellauf gekonnt hin und her - nichts und niemand kann sie dabei stören. Was aber als Nebeneffekt entsteht ist, dass zu viele Songs zu viele Überraschungen parat haben. So hält man sich fest an wahrlich tollen Hardrock-Krachern der alten Zeppelin-Schule wie „Solute Your Solution“ und „Hold Up“, während man Klemmbares wie „Many Shades Of Black“ und „Pull This Blanket Off“ mit zunehmenden Durchläufen besten Gewissens wegdrückt.

Damit kein Missverständnis entsteht: The Raconteurs machen tolle Musik, nur ist das zu dahin geworfen, zu locker genommen und verspielt, um große Kunst zu sein. Aber offensichtlich war das auch nicht Bensons und Whites Intention. So ist das mit beinahe Alleskönnern. Nach einem Kaleidoskop aus 13 kunterbunten Songs kommt dann aber noch der Atemrauber: feinstes Storytelling à la Jack White zum Abschluss - mit einem Mordversuch an einem Priester und einem bösartigen Milchmann. Versprochen: ein ganzes Konzeptalbum im Stil vom Closer „Carolina Drama“ und wir würden alle ehrfürchtig zu Salzsäulen erstarren. Aber so ist das mit – naja ihr wisst ja. Unterm Strich? Sieben von Zehn, für (fast) alle anderen ein Grund zum auf die Schulter klopfen, für Benson und White ist es ein Tick zu wenig. Aber ach, ich hör einfach noch mal den Closer.

Anspieltipps:

  • Carolina Drama
  • Solute Your Solution
  • Hold Up
  • Five On The Five

Neue Kritiken im Genre „Rock“
6.5/10

Mental Jewelry (25th Anniversary Edition)
  • 2017    
Diskutiere über „The Raconteurs“
comments powered by Disqus