Guillemots - Red - Cover
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Guillemots Red


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 50 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Sie singen von Depression, Gier, Tod und Aggression – und der Hörer schunkelt dazu im Sog von fetten, tanzbaren Beats und sonnigen Melodien. Schubladisiert ist das Popmusik in bester britischer Manier (auch wenn Mastermind Fyve Dangerfield Schotte ist), die auf R&B, Disco, Glamrock, New Wave und grenzwertigen Falsettgesang trifft. Das mutet hin und wieder ziemlich chaotisch an, könnte so ähnlich auch von den Scissor Sisters oder Mika stammen, ist aber das angestammte Jagdgebiet der Guillemots.

Ein Guillemot ist übrigens ein schottischer Küstenvogel – und frei wie Vögel bewegen sich Fyve Dangerfield (Gesang, Piano, Musik und Texte), Aristazabal Hawkes (Bass), MC Lord Magrao (Gitarre) und Greig Stewart (Drums) auch auf „Red“, ihrem zweiten Album, durch die üppigen Auslagen der Popfachgeschäfte. Denn die Arrangements sind meistens auf Größenwahn gebürstet. Da spielen ganze Orchester um die Wette („Kriss kross“), während die Disco-Kugel blitzt und John Travolta den Tanzflächen-Aufreißer gibt („Get over it“).

Bei so einem unübersichtlichen Angebot kommt der Hörer ganz schön ins Schwitzen. Denn leicht machen es die Guillemots ihm mit ihren wahnwitzigen Ideen nicht, so als wollten sie einfach zuviel in ihren Songs unterbringen, wenn z.B. asiatische Klänge auf puren Disco-Pop treffen („Clarion“) oder die Electrosounds kurz vor dem Absprung in die Industrial-Ecke sind („Last kiss“). Warum bieten sie nicht öfter Songs wie „Words“ auf, die trotz aller Gradlinigkeit genügend Ideen und Instrumente verbasteln?

Der musikalische Wust des vorliegenden Albums wird von dem roten Wolleknäuel auf dem Cover sehr gut widergespiegelt. Denn mit „Red“ im Player hat der Hörer ganze Arbeit zu leisten, will er den sprichwörtlichen roten Faden nicht verlieren, den die Guillemots – um sich an den Bildern im Booklet zu orientieren – achtlos in die Botanik geworfen haben. Mal schauen, wer nach dem gefeierten Guillemots-Debüt „Through The Windowpane“ (2006) dem schlingernden Weg des Quartetts folgen mag.

Anspieltipps:

  • Words
  • Big dog
  • Cockateels
  • Don't look down
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