In Extremo - Sängerkrieg - Cover
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In Extremo Sängerkrieg


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 56 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Aufgepasst, es hat sich was getan im Hause In Extremo: Mit dem mittlerweile neunten Album „Sängerkrieg“ präsentiert das Berliner Septett eine Weiterentwicklung seines markanten Sounds, mit der sich, wenn es gut läuft, ganz neue Hörerschichten erobern lassen. Sollten sich darüber hinaus die Fans der ersten Stunde von dieser Klang-Evolution nicht allzu sehr abschrecken lassen, dürften sich die nicht gerade bescheidenen Erfolge der Vergangenheit nicht nur bestätigen, sondern merklich steigern lassen.

„Sängerkrieg“ setzt fort, was sich auf den letzten Studioalben bereits dezent angedeutet hatte und jetzt zur vollen Blüte gereift ist. Mit wesentlich gradlinigeren Songstrukturen und einem Dudelsack, der längst nicht mehr das bestimmende Element der Mittelalter-Rocker darstellt, verlassen In Extremo ausgetrampelte Pfade und schlagen ihre Zelte in neuen Gefilden auf. Auch wenn der Dudelsack (natürlich!) weiterhin vorhanden ist, in der finalen Abmischung haben die Gitarren eindeutig das Sieger-Los gezogen. Und das ist auch gut so, denn „Sängerkrieg“ wuchert nur so mit frisch klingenden Rocksongs wie „Sieben Köche“, „Neues Glück“ oder dem Titeltrack, die mit treibenden Grooves und befreit von jeglichem Ballast bald feste Bestandteile des Live-Programms sein dürften.

Wenn man ehrlich ist, war der latent vorhandene Nervfaktor der Sackpfeifen auf Dauer eines ganzen In-Extremo-Albums kaum wegzudiskutieren. Doch damit ist nun Schluss! Eingebettet in wuchtige Arrangements und einen ausgewogenen Sound-Mix, gefällt das schottische Nationalinstrument in seiner neuen Rolle als begleitendes Mittel um ein Vielfaches. Doch das ist noch nicht das Ende der Überraschungen. Mit „An end has a start“ liefern In Extremo eine (im Prinzip verzichtbare) Coverversion der UK-BritPop-Band Editors (!) ab, die erste Singleauskopplung, das sehr eingängige Stück „Frei zu sein“, erinnert, bezogen auf die Melodie, an die abgetretenen Böhsen Onkelz (!!) und „In diesem Licht“ gemahnt mit knatternden Stakkatoriffs an die Jungs von Rammstein (!!!).

Mit einem Album wie „Sängerkrieg“ sind In Extremo auch stilistisch endgültig im Mainstream angekommen. Aus kommerzieller Sicht zählen sie ja eh schon länger dazu. 14 (im positiven Sinne) rundgeschliffene Songs, eine nicht zu verachtende Hitdichte sowie eine amtliche Produktion laute die Koordinaten anno 2008. Wer damit nicht zurechtkommt, muss zwangsläufig zu klassischen Werken wie „Hameln“ oder „Verehrt und Angespien“ greifen.

Anspieltipps:

  • Frei zu sein
  • Sängerkrieg
  • Mein Sehnen
  • Sieben Köche
  • In diesem Licht

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