Filter - Anthems For The Damned - Cover
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Filter Anthems For The Damned


  • Label: Pulse Recordings/SOULFOOD
  • Laufzeit: 49 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Muss der Filter etwa schon wieder gewartet werden?

Über fünf Jahre ist es nun her, dass Filter ihr letztes Album „The Amalgamut“ veröffentlicht haben. Grund für die längere Schaffenspause der in Cleveland beheimateten Band war augenscheinlich der Austritt der um Mastermind Richard Patrick versammelten Bandmitglieder – plötzlich stand Patrick ganz allein da. Doch schließlich fanden sich mit Mitchell Marlow (Gitarre), John Spiker (Bass) und Mika Fineo (Schlagzeug) neue Musiker bei dem ehemaligen Nine Inch Nails-Mitglied Patrick ein. Und unter der Regie von Produzent Josh Abraham (Slayer, Velvet Revolver, Staind, Courtney Love, 30 Seconds to Mars) konnten die Aufnahmen zum vierten Filter-Longplayer „Anthems for the Damned“ beginnen.

Opener der Platte und erste Single-Auskopplung ist „Soldiers Of Misfortune“. Der Song verschafft einen guten Überblick über den Sound der Band im Jahr 2008 und vereint alle Merkmale, die Filter ausmachen – eine rockige Pop-Hymne mit eingängigem Refrain. „What’s Next“ peitscht hingegen mächtig nach vorne und Patrick lässt seiner Wut freien Lauf. In „The Wake“ wird das Tempo wieder etwas gedrosselt, dafür aber die Radiotauglichkeit erhöht. Auch hier geht der Refrain wieder direkt ins Ohr. Bereits jetzt ist klar, das Filter insgesamt etwas an Schärfe und Härte verloren haben. Die Einflüsse der ehemaligen Bandmitglieder, wie Drummer Steve Gillis oder Filter-Mitgründer und Programmierer Brian Liesegang fehlen auf „Anthems For The Damned“ spürbar. Die Songs wirken nicht mehr so frisch und unverbraucht wie auf den – teilweise verdammt guten – früheren Alben. “Cold “ klingt zum Beispiel wie ein Abklatsch von “Take A Picture”, das 1999 auf dem Album „Title Of Record“ erschienen ist. Schnell gelangweilt, weil es einem so unendlich gewöhnlich erscheint, ist man von „Hatred Is Contagious“: Simple Songstruktur, durchschnittlicher Refrain und ermüdende Strophe – das klingt schon eher nach einem Lückenfüller. Doch mit „Kill The Day“ und „I Keep Flowers Around“ befindet man sich ja in guter Gesellschaft.

„Lie After Lie“ dümpelt im Fahrwasser von Songs wie „The Only Way“ herum, nur mit unattraktiverer Melodielinie. Dafür holt „The Take“ den Industrial-Hammer raus und macht mal mächtig „Nägel mit Köpfen“. Gelungene Abwechslung! Die bietet auch „In Dreams“: Eine ungewöhnliche Basslinie verschönert den hervorstechenden, etwas verspielt wirkenden Klang-Cocktail und zeigt Filter von einer neuen, erfrischenden Seite. Für „Only You“ hat Patrick dann extra die Akustik-Gitarre herausgeholt und bietet eine melancholische, einfühlsame Ballade, bei der aber auch das ein oder andere Effektgerät nicht fehlen durfte. Die abschließenden Soundschnipsel aus „Can Stop This“ sind leider nicht der Rede wert. Unnötig!

Ein Großteil der verhalteneren Stücke auf „Anthems For The Damned“ erreichen leider nicht die Klasse früherer, vergleichbarer Stücke und wirken in ihren besten Momenten eher wie Plagiate ihrer merklichen Vorbilder. Die spärlich gesäten Industrial-Rocker lassen ebenfalls eine gewisse Genialität früherer Tage vermissen und können dem durchwachsenen Eindruck nichts entgegensetzen. Muss der Filter etwa schon wieder gewartet werden?

Anspieltipps:

  • Soldiers Of Misfortune
  • The Wake
  • In Dreams

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