Clueso - So Sehr Dabei - Cover
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Clueso So Sehr Dabei


  • Label: Four Music/SonyBMG
  • Laufzeit: 80 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Es tut fast weh, sagen zu müssen, dass „So Sehr Dabei“ nicht die erhofft hohe Qualität hat.

Erst vor ein paar Monaten hatte man so viel Hoffnung. Clueso ist einer den man mögen muss. Absolut sympathisch, angenehme Stimme, höflicher und bodenständiger Kerl und dennoch keineswegs schleimig oder aufgesetzt wirkend. Der Inbegriff davon, was Deutschland sich als großes Musikertalent wünschen würde. Erst vor etwas mehr als drei Monaten, scheiterte der gebürtige Erfurter als Vertreter Thüringens, nur um einen mageren Punkt, mit seiner vorab Single „Kein Zentimeter“ bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest, am ersten Platz. Aber er hatte trotzdem Grund zu Freude. „Kein Zentimeter“ war der richtige Song zur richtigen Zeit, die beste Werbung in eigener Sache die möglich war. Er weckte in vielen die Hoffnung, sein neues Album „So Sehr Dabei“ könnte ein richtig gutes werden. Manche wagten sich sogar so weit aus dem Fenster, einen neuen „modernen Grönemeyer“ gefunden wollen zu haben. So ähnlich ehrlich, gefühlvoll und doch ganz eigen, wie Herbert selbst. So schnell wie Jubelchöre angepriesen werden, können sie jedoch auch verstummen. In den letzten dreieinhalb Monaten war es ruhig, so dass die Masse Cluesos Album schon wieder vergaß. Vielleicht nicht das schlechteste was Clueso hätte passieren können.

„So Sehr Dabei“ beginnt ganz anders als erwartet. Eine einzige sehr sanfte Akustikgitarre macht den Einstieg zu einem Song namens „Barfuss“, der auch genauso nackt und natürlich wirkt wie er heißt. „Hier und da komm ich auf die Idee, ein’ andern Weg zu gehen. Mal verspielt und mal gefasst. Manchmal macht mir der Nase nach, einfach das unbeholfne Spaß“, nach bereits den ersten Sätzen ist man hellhörig. Einen anderen Weg gehen? Zumindest wirkt „Barfuss“ schon mal ungewohnt. Oft heißt andere Wege gehen aber nicht unbedingt etwas Gutes, auch wenn Clueso mir da direkt widerspricht: „Doch ich fühl mich Federleicht, weil es sich fast immer lohnt“.

„So Sehr Dabei“ ist in der Folge geprägt von vielen Songs, die den Eindruck vermitteln, dass Clueso viel rumgetüftelt hat. Bereits in „Augen Zu“ hört man ungewohnt laute E-Gitarrenklänge. Aber auch bereits gehörtes hat auf dem Album Platz gefunden. So klingen zum Beispiel „Niemand An Dich Denkt“ und „Geisterstadt“ stark nach „Weit Weg“, Cluesos letztem Album. Dabei kommt schnell das Gefühl auf, dass irgendwie vieles nicht zusammen passt. So wirkt „Schreibe Dir“ stellenweise zu schmalzig, „Utopie“ überdreht und „Verlierer“ verliert sich, trotz guten Melodien, im Belanglosen. Zu selten nutzt Clueso seine Wärme und Natürlichkeit wie in „Barfuss“ und „Kein Zentimeter“, zu selten haben die 16 Songs feste Strukturen, an denen man sich heranführen kann. Wirklich Laune macht in Cluesos Schema liegend nur „Mitnehm“, welches diese Frische besitzt, auf die man sich so gefreut hat.

Es tut fast weh, sagen zu müssen, dass „So Sehr Dabei“ nicht die erhofft hohe Qualität hat. Aber vielleicht werden gar nicht so viele davon enttäuscht sein. Vielleicht wurden die „Grönemeyer-Nachfolger“-Rufe auch von niemandem gehört. Man möchte es Clueso zu Liebe wünschen, immerhin hat er sich selbst nie hochgejubelt. Letztendlich sind wir auch nach „So Sehr Dabei“ nicht schlauer als nach „Weit Weg“. Fakt ist, heute wie damals, Clueso ist ein talentierter, junger und außerordentlich sympathischer Musiker, der noch viel Zeit hat ein grandioses Album zu schreiben. Der Text von „Barfuss“ geht übrigens so weiter: „Immer wenn ich was Neues ausprobier, lauf ich wie Barfuss über Glas“. Besser hätte ich es auch nicht sagen können.

Anspieltipps:

  • Barfuss
  • Kein Zentimeter
  • Mitnehm

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