Gregor Meyle - So Soll Es Sein - Cover
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Gregor Meyle So Soll Es Sein


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 52 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

„So Soll Es Sein“ bombardiert den Hörer mit lyrischer Kitschigkeit und unnatürlicher Schleimigkeit.

Neben Stefanie Heinzmann hat ein zweiter Teilnehmer beim TV-Total-Casting „SSDSDSSWEMUGABRTLAD“ für Furore gesorgt. Gregor Meyle überzeugte mit gefühlvoller Stimme und Natürlichkeit die Zuschauer, sodass er ebenfalls wie Stefanie Heinzmann die Möglichkeit bekam, ein Album aufzunehmen. „So Soll Es Sein“ wurde am 4. April dank Universal auf den deutschen Plattenmarkt geworfen. Mit seinem Gefühl für gitarrenlastige Melodien, überzeugte Gregor Meyle vor allem Stefan Raab, der sich zu dem mutigen Statement „Du bist einer der begnadetsten Songwriter, die ich seit vielen vielen Jahren gehört und erlebt habe“ über den gebürtigen Stuttgarter (genauer Backnang) hat hinreißen lassen. Dass Raab ein Gefühl für Musik und den Erfolg dahinter hat, hat er bereits häufig bewiesen. Ob das bei Meyle auch der Fall sein wird, wird abzuwarten sein.

Meyles Werk überzeugt von Beginn an mit sehr eingängigen und gefühlvollen Melodien. Hervorzuheben ist von der ersten Sekunde an Meyle’s restlos warmer Gesang. Auch instrumental wirkt das Album relativ durchdacht, wodurch es durchläuft wie in einem Guss. Das war’s aber leider schon mit nennenswertem Lob. Was nun folgt ist kaum mehr als ein Repeat, vom Repeat, vom Repeat, vom Repeat. Meyle schafft es tatsächlich sowohl textlich, als auch instrumental so wie melodisch, nahezu jedes Lied gleich klingen zu lassen. Sofern man nicht darauf achtet, wovon Gregor Meyle gerade singt, mag das ja nicht besonders störend zu sein. Sollte man aber ein nur annähernd so guter Songwriter sein, wie Meyle nun mal beworben wird, ist das ein selten schwacher Auftritt.

„So Soll Es Sein“ bombardiert den Hörer mit lyrischer Kitschigkeit und unnatürlicher Schleimigkeit. Textlich wirkt dies nicht nur abgedroschen und überproduziert, sondern auch vereinzelt schwer daneben gegriffen. Beispiele gibt es wie in „Niemand“ („Jede Sekunde atmest du ein, du musst nicht dran denken, es läuft von allein“, „Und du lebst, du lebst bist du stirbst“), „So Bin Ich“ („Immer wenn der Regen kommt, denk ich übers Leben nach“), „Es Ist Zeit“ („Du bist zu klein, um drüber zu stehen!“ Pluspunkt für großartigen Humor) oder „Es Ist Zeit“ („Ich weiß noch genau als die Stunde des Lichts mir im Keller erschien“) desaströs viele. Fast allen Liedern fehlt es zudem teils maßlos an Eigendynamik. Instrumentale Abwechslung sucht man addierend ebenfalls vergebens. Schön, Meyle beherrscht seine Akustikgitarre bisweilen sehr gut. An die teils melodische Genialität eines Jack Johnson kommt Meyle allerdings, auch wenn stilistisch nicht unbedingt vergleichbar, zu keiner Zeit heran. Der Vergleich mag hinken, aber „So Soll Es Sein“ bleibt einfach zu sehr in seinem eintönigen Muster.

Keiner der 13 Songs ist ernsthaft schlecht. Die Tatsache, dass man aber bereits nach einem, maximal zwei Liedern bereits alle gehört hat, zerstört das Album nahezu restlos. „Niemand“ oder „Flieg Jetzt Los“ wären auf einer Platte, welche zumindest annähernd Abwechslung besitzt, als leicht melancholisch, poppige Earcatcher Top-Songs. Auf „So Soll Es Sein“ sind sie jedoch nur Anführer von namenlosen Klonen. Letztendlich retten Gefühl und Stimme, die instrumentale Sauberkeit und Präzision das Album vor einem Totalschaden. Mehr als enttäuschtes Kopfschütteln und das Besorgnis erregende Gefühl, wie man einen derartig hoch angepriesenen Songwriter wie Gregor Meyle so runterproduzieren kann, bleibt nicht übrig.

Anspieltipps:

  • Flieg Jetzt Los
  • Niemand

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