Cartridge - Fractures - Cover
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Cartridge Fractures


  • Label: Revolver Distribution
  • Laufzeit: 40 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Im Winter 2002 fassten vier Dänen den Entschluss, dem grauen Provinzalltag und dem stürmischen Wetter zu entfliehen. Das Fortbewegungsmittel in eine sonnigere Zukunft wurde „Cartridge“ getauft und sogleich gestartet. Unter dem Einfluss der aufkommenden Indie-Szene suchte die Band nach ihrer Identität und fand sie in einer Mischung aus vielerlei Musikstilen. Auch über die textliche Richtung waren sich die Fahrer des nordeuropäischen Vehikels sehr bald im Klaren, störten sie sich doch ungemein an der zentralistischen Struktur ihres Heimatlandes. Ende 2003 nahmen Mathias Wullum Nielsen (Vocals/Gitarre/Synthesizer), Alex Phumoon Thomsen (Gitarre), Thomas Vesterbaek (Bass und Sythesizer) und Niels Fibaek Bertel (Drums/Percussion) ihr erstes Demo auf und begaben sich anschließend für 2 Monate mit ihrem Wohnmobil „Moby Dick“ auf eine Reise quer durch Europa. Wieder Zuhause angekommen, begannen sie mit der Produktion ihrer ersten EP. 2006 erschien das Debütalbum „Enfant Terrible“, welches zwar auf positive Kritik stieß, allerdings viel zu viele Musikstile vereinte und dadurch etwas ziellos wirkte. Nun erscheint das zweite Werk der Band und es kommt natürlich sofort die Frage auf: Konnten sie sich diesmal auf eine Richtung einigen, oder hören wir wieder, wenn es auch nicht schlecht gemacht war, das Beste der 80er und 90er geballt auf einer CD?

Nun glücklicherweise wurde es Ersteres, Musikstile wie Grunge ala Nirvana und andere zu deutliche Hommagen wurden diesmal bei Seite gelassen und sich um die Entwicklung eines eigenen Stils bemüht. Dieser lässt sich wohl am Besten mit einer Mischung aus (Indie-)Rock und (Elektro-)Pop beschreiben. Der Opener „Brain Cloud“ beginnt verspielt und erinnert stimmlich und auch instrumentell stark an Bands wie „Bloc-Party“. „Chimneys stood like monuments“ startet mit einem wunderschönen Gitarren-Percussion-Intro und weist Ähnlichkeiten mit Songs aus der Feder von „Jack Johnson“ auf. Dabei bekommt man beim Zuhören sofort Glücksgefühle in der Magengegend. Augen zu und plötzlich sieht man es: Das Meer in Dänemark und die Einsamkeit am Strand, wie gern wäre man jetzt am Wasser. Augen wieder auf und weiter geht die Fahrt des „Cartridge“-Mobiles. Der nächste Stopp nennt sich „1925“ und sorgt mit Karabik-Flair und Reaggae-Klängen für gute Laune. Ein absolutes Highlight ist „The woods“. Der Song strahlt so viel positive Energie aus, dass es unmöglich scheint, keine freundlich gesinnte Grundstimmung zu entwickeln. Dabei wartet der Titel mit einer Mischung aus gekonnt eingesetzten elektronischen Beats und konventionellen Schlagzeugklängen auf, bietet eine mit lediglich Bongos und Bass versehene Bridge und es scheint nicht verwunderlich, dass gerade dieser Track als erste Single ausgewählt wurde.

Bei den Arrangements kann man der Band kaum Vorwürfe machen. Das Schlagzeug weist teilweise ungewöhnliche, allerdings interessante Rhythmen auf („I met her aka the flesh“), die Gitarre wird sehr gut integriert, lediglich Solos wie beispielsweise in „Rough diamonds“ sollten vielleicht in Zukunft noch einmal genauer überdacht werden. Der Bass ist jederzeit klar und deutlich zu hören und trägt viel zur Melodiefindung bei. Auch der Gesang fügt sich in das Gesamtbild der unbeschwerten Songs ein. Aufpassen müssen die Dänen allerdings, dass ihre Unbeschwertheit beim Arrangieren nicht in eine Art Belanglosigkeit abdriftet. Die Melodielinie in „Restless ship“ zieht sich den kompletten Song und lässt den Titel aus diesem Grund sehr trist wirken. Glücklicherweise bekommt die Band bei den meisten anderen Stücken immer noch die Kurve.

Musik aus Dänemark? Wer bislang nicht geglaubt hat, dass es so etwas gibt, bzw. dass es auch noch richtig gut klingen kann, der sollte sich mal „Fractures“ anhören. Denn was die vier Männer hier gezaubert haben, ist wirklich großartig! In ihrem Heimatland sind sie schon eine angesehene Größe und es sollte nur eine Frage der Zeit sein, bis auch in Deutschland der Bekanntheitsgrad wächst. Man darf gespannt sein, wo sich das „Cartridge“-Vehikel in den nächsten Jahren noch hinbewegen wird.

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