Melody Gardot - Worrisome Heart - Cover
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Melody Gardot Worrisome Heart


  • Label: Boutique/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 33 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Melody Gardot ist 22 Jahre jung, gehbehindert und muss wegen nervlich bedingter Lichtempfindlichkeit eine getönte Brille tragen. Was sich so tragisch liest, bedeutet für die Musikwelt einen Gewinn. Die amerikanische Songwriterin begann ihre Karriere tatsächlich letztendlich im Krankenhaus und schreibt bis heute ihre Songs selbst. Mit gerade einmal 19 Jahren erlitt Gardot einen Verkehrsunfall, der die erwähnten Folgen nach sich zog und eine schmerzhafte Erfahrung bedeutete, die ihr bisheriges Leben radikal änderte. Die verordnete damalige Musiktherapie zeigte Wirkung und Gardots musikalisches Talent wurde endgültig geweckt.

Die elf Songs ihres Debütalbums, welches schon 2006 in den USA erschien, beherrscht ein ziemlicher Schwermut, der sich in Blues, Jazz und einen Hauch Country äußert, und den man sicherlich aufgrund der Vorgeschichte nachvollziehen kann. Eine Band aus bekannten Musikern, die unter anderem schon mit Aretha Franklin musiziert haben, scharte die zarte Songwriterin um sich und begann ihre Werke mit den jazztypischen Instrumenten wie Trompeten, Piano, Cello und Bass einzuspielen. Melody steuerte neben dem Gesang auch das Piano und die Gitarre dazu.

Aus dem sanften Klängen dieses Longplayers ragt Melody Gardots dunkle ausdrucksstarke Stimme immer wieder hervor, die jeden Track zu einem besonderen Hörerlebnis macht. Sie transportiert mit ihrer Stimme einen solchen Blues, das berührt den Hörer nachhaltig. Das Titelstück „Worrisome Heart“ gehört zu den Höhepunkten der CD: Das Piano und die anderen Instrumente gleiten so dahin bis eben die Stimme erklingt, die ein bisschen an die warme Stimmfarbe einer Norah Jones erinnert. Ganz sachte schleicht sich die feine Melodie ins Ohr und findet einfach nicht mehr hinaus. Dieser jazzige und bluesgetränkte Song glänzt mit erstaunlicher Coolness, es scheint völlig egal, was die heutige Musikwelt so bietet, so gekonnt wird diesen oft vernachlässigten Genres gehuldigt und und in der musikalischen Vergangenheit geschwelgt. „All That I Need Is Love“ klingt beschwingt und macht sogar Spaß. Mit jedem Hördurchgang wachsen die Tracks immer mehr und offenbaren neue musikalische Hörerlebnisse, die man nicht missen möchte und die anfänglich sehr melancholischen wirkenden Songperlen entpuppen sich dann doch teilweise als Träger von sanften Hoffnungsschimmern. Die Songs besitzen viel Qualität und die etwas schnelleren darunter, die in der Unterzahl bleiben, bergen ein hohes Niveau und bewegen sich hauptsächlich in Jazz-Blues-Pop-Gefilden.

Einziges Manko sind die gerade einmal 33 Minuten Spielzeit, die das Album vom Longplayer eher zum Shortplayer degradieren. Wer das Genre mag und eine interessante neue Künstlerin mit berührender Stimme kennenlernen möchte, sollte sich das Vergnügen gönnen, diese CD zu erwerben.

Anspieltipps:

  • Worrisome Heart
  • All That I need is love
  • Quiet Fire
  • Goodnite

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