James Last - In Los Angeles: The Legendary 1975 Record Plant Studio Sessions - Cover
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James Last In Los Angeles: The Legendary 1975 Record Plant Studio Sessions


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 35 Minuten
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9.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Das wohl ungewöhnlichste Album des Norddeutschen bringt Universal nun auch auf Silberling gebrannt heraus.

Alle zwei bis drei Jahre bringen Bands heutzutage neue Alben heraus. Das Warten kommt einem manchmal unerträglich lange vor und das ist es ja meistens auch und wenn Gruppen wie Keane gescholten werden, dass zwei Jahre nicht genug gewesen seien um den riesigen Erfolg zu verarbeiten und wieder neue Musik zu machen, dann müsste ein Musiker der alten Schule wie James Last schon aufrecht im Bett stehen. Der gebürtige Bremer Hans „James“ Last brachte es fertig bis zu sechs (!) Alben im Jahr herauszubringen und bis heute sind viele seiner Arrangements mit seiner Big Band unvergessen und teilweise unerreicht. Last war noch ein richtiges Arbeitstier, das sich nicht auf Ruhm ausruhte, sondern stets neue Aufgaben suchte.

Das wohl ungewöhnlichste Album des Norddeutschen bringt Universal nun auch auf Silberling gebrannt heraus. Der Trend der alten Platten im neuen Format ist ja auch nicht neu und immer wieder eine gute Geldquelle, gerade wo das im Original betitelte „Well Kept Secret“ in eine Reihe von Wiederveröffentlichungen gepackt wird. Das Problem ist, dass man in solch einem Falle der Plattenfirma dankbar sein muss, denn es wäre schade, wenn die junge Generation nicht auch mal in den Genuss dieser einmaligen Platte käme (und das in wirklich überragender Tonqualität). Für all jene, die Funk/Jazz-Arrangements nur in Knatterqualität oder als Remakeversionen aus wiederum siebziger Jahre Remakes wie Shaft kennt ist das „Well Kept Secret“ mehr als interessant.

Lasts Idee, das Album auch in Amerika und nur mit amerikanischen Musikern einzuspielen macht sich bezahlt, denn Stücke wie „Summertime“, „Can’t Move No Mountains“ und „Love For Sale“ sind im positiven Sinne ein Klischee für das Disco/Funk/Jazz-Genre. Dass das Album des deutschen weder in den Staaten noch in seiner Heimat ein Erfolg wurde kündigte sich zwar im Voraus an, denn die Amerikaner waren skeptisch und die deutschen konnten mit den Synthiebeats und all dem Jazz nichts anfangen. Dass es sich letztendlich immer noch um ein echtes Last-Album handelt sticht aber oft genug ins Auge. „Jubilation“ ist schlichtweg James Last „The American Way“. Perfekt durchorganisiert und gerade Klavier und Streicher lassen die Handschrift des Bremers erkennen. „Slaughter On 10th Avenue“ und „Theme From Prisoner Of Second Avenue“ sind ebenfalls auch für den Big-Band-Last-Fan ganz klar Spitzenstücke.

Das Herz dieses „Minialbums“ ist aber selbstverständlich die Funkversion von Ravels Bolero der „Bolero ’75“. Unverkennbar am Original gehalten und doch frisch und für die Tanzfläche serviert. In so einer Form und überhaupt Ravels berühmtes Stück zu überarbeiten kann nur von einem Kreativkopf wie Last kommen. So ist man den Großteil dieser leider nur 35 Minuten völlig gebannt und möchte gar nicht wahrhaben, dass es schon vorbei ist. Aber wie das bei guter Instrumentalmusik so ist, hat man kein Problem damit das Album ein paar Mal am Stück laufen zu lassen. Die Devise, dass ein Last nicht so schnell langweilig wird, bleibt auch im Gefilde des Jazz bestehen. Ein beinahe komplettes Album für Liebhaber der Siebziger und des Sounds eben dieser Jahre. Rechtzeitig, kurz vor Hansis 79. Geburtstag, ein neuer alter Output einer der ideenreichsten Arbeitsmaschinen, die Deutschland je hatte.

Anspieltipps:

  • Jubilation
  • Love For Sale
  • Bolero ‘75

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