Steve Winwood - Nine Lives - Cover
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Steve Winwood Nine Lives


  • Label: Epic/SonyBMG
  • Laufzeit: 58 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Anstatt sich auf den durch den „Valerie“-Remix „Call On Me“ von Eric Prydz verdienten Tantiemen auszuruhen, macht Steve Winwood weiter das, was er am besten kann: Musik. Gut fünf Jahre nach seiner Rückkehr zum Blues mit dem Output „About Time“, legt Blues-Legende Steve Winwood das Album „Nine Lives“ nach. Die poppigen Synthesizer-Klänge der Achtziger sind spätestens durch diesen aktuellen Longplayer vergessen. Gekonnt vermischt Winwood Elemente aus Jazz, Blues, Salsa, Funk und Rock’n’Roll zu dem ihm ureigenen Stil.

Stilsicher gelingt der Einstieg „I’m Not Drowning“ mit minimalistischem, aber enorm fesselnden Akustikgitarreneinsatz und Schlagzeug. Einerseits eignet sich der Song durch dieses betont minimalistisch gewählte Arrangement perfekt als eine Art Intro, andererseits beeindruckt er durch die unglaubliche Kraft und Spannung, die trotz der zurückhaltenden Instrumentierung erzeugt wird. Stimmlich klingt Winwood fast genauso jung wie immer, das Niveau seiner quasi Cream-Nachfolgeband Blind Faith und von Traffic wird spielerisch erreicht. „Fly“ zelebriert den Moment und scheint im Jetzt zu verharren und diese ruhigen Stücke klingen durch ihre Abgeklärt- und Unaufgeregtheit unglaublich kraftvoll, auch wenn das Niveau des vergleichbaren „Can’t Find My Way Home“ aus Blind-Faith-Zeiten ausnahmsweise mal nicht ganz erreicht wird. Die Zeiten der verfrickelten Gitarrensoli sind längst vorbei, sie haben Platz gemacht für eine reichere Instrumentierung, wodurch der Sound voller, wärmer und erdiger klingt.

„Raging Sea“ präsentiert sich funkig-bluesig mit nervösem Percussion-Einsatz und gerät durch das perfekte Zusammenspiel von Bass, Gitarre und Schlagzeug aüßerst zwingend und mitreißend. Ein absolutes Highlight des Albums folgt dann mit „Dirty City“ auf dem der langjährige Weggefährte Eric Clapton, wie schon auf der letzten Tour, mitwirkt. Die warme Klangfarbe, die sich durch das gesamte Album zieht erreicht auf diesem Roots-Rock-Stück ihren Höhepunkt, Vergleiche mit den legendären Tex-Mex-Rockern Los Lobos werden unvermeidlich. Mit „Dirty City“ schaffen es Winwood und Clapton die scheinbar perfekte Schnittstelle zwischen Blues und Rock zu definieren. Spätestens der Jam im Mittelteil mit nervösen Orgelklängen, treibendem Schlagzeugeinsatz und minimalistisch-funkigen Gitarrenriffs dürfte jeden überzeugen: So einfach und doch genial auf den Punkt gejammt hat man Winwood und Clapton selten gehört.

„We’re All Looking“ weist durch den wabernden Orgeleinsatz einen starken Einschlag in Richtung Gospel auf. „Hungry Man“ wiederum begeistert durch seine spanischen, folkloristischen Klänge und der bereits erwähnte Los-Lobos-Vergleich dürfte dem Hörer auch bei diesem Stück im Kopf herumspuken, was neben dem vergleichbaren Schlagzeugspiel auch an der stimmlichen Ähnlichkeit Winwoods und Hidalgos, Frontmann der Los Lobos, liegen mag. Das Arrangement des Songs ist dabei auf einen hintergründigen, treibenden Orgelrhythmus gebettet, der konträr zum entspannten Gitarrenspiel Winwoods steht.

„Secrets“ erinnert durch seinen perfekten Aufbau ein wenig an Steely Dan und „At Times We Do Not Forget“ überzeugt durch seine perfekte Symbiose aus Orgelklängen, Bläsereinsatz und dem, mal wieder, unglaublichem Gitarrenspiel. Das abschließende „Other Shore“ wiederum gerät mehr balladesk und bündelt die gesamte ruhige Kraft des Albums in einem Song. Steve Winwood tut sich selbst einen Gefallen nicht erzwungen jung oder modern klingen zu wollen. Souverän und nur selten zu routiniert legt er mit „Nine Lives“ ein Blues-Album auf extrem hohem Niveau vor, die Zeiten der fulminanten Gitarrensoli und der poppigen Synthesizerklänge sind vorbei, doch Winwood schaut nicht zurück, sondern erschafft sich einen neuen Sound in der Tradition von Traffic und Blind Faith, jedoch ohne diese zu kopieren. Denn Winwood weiß, in der Ruhe liegt die Kraft. Mit „Nine Lives“ macht all seinen Fans kurz vor seinem 60. Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk.

Anspieltipps:

  • I’m Not Drowning
  • Raging Sea
  • Dirty City
  • At Times We Do Not Forget

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