Rainer Von Vielen - Kauz - Cover
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Rainer Von Vielen Kauz


  • Label: Motor Entertainment
  • Laufzeit: 62 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ohne Frage inszeniert Rainer Von Vielen einen wahren Rummel an genreübergreifenden Klängen und Sounds.

Seltsamer Kauz! Rainer Von Vielen macht seinem Namen alle Ehre und präsentiert eine Crossover-Platte die von vielen Instrumenten, von vielen Stilrichtungen, von vielen musikalischen Experimenten, aber auch von vielen Fragezeichen beseelt ist. Elektro-Punk-Hop nennt er seine Musik, untertreibt damit aber enorm. Denn alle verwendeten Einflüsse aufzuzählen, würde wahrscheinlich hier den uns zustehenden Rezensionsplatztechnischen Rahmen sprengen. Diese Platte belegt auf jeden Fall schon einmal, dass im Allgäu neben Zwetschgendatschi und Kässpatzen auch die Musik eine Rolle spielt.

Von hier kommt nämlich der Rainer, der sich nach Berlin aufmachte, um dort mit diversen Musikerkollegen sein Album „Kauz“ auf den Weg zu bringen. In Österreich hat er bereits auf sich aufmerksam machen können. Hier gewann er nämlich den vom Radio-Sender FM4 ausgeschriebenen Protestsong-Contest und ließ immerhin 350 künstlerische Mitstreiter hinter sich. Nun will Herr Von Vielen auch anderswo für Furore sorgen. Mit seinem nunmehr dritten Studioalbum präsentiert der Kemptener eine waghalsige Mixtur aus Sprechgesang, HipHop, Rock, Pop, Hardrock und Mönchsgesang. Wobei bei man wie in dieser Aufzählung, auch beim Hören der Platte durchaus mal den Überblick verlieren kann. Dies beginnt bereits beim ersten Track- „Neu Definieren“. Zunächst von lockeren Reggae-Beats in Sommerlaune versetzt, wird dieses angenehme Rastaman-Feeling kurz darauf durch einen Speed-Trash-Metall artiges Zwischenspiel abrupt an die Wand gefahren, bevor dann auch noch ein schreiender Kinderchor sich einmischt und einen zunächst einmal ratlos zurücklässt. Wahnsinnig aber gut. Und nach jedem weiteren Durchlauf auch immer besser.

Das folgende „Plan X“ in Zusammenarbeit mit dem stummen Stamm-Soundtüftler der Fantastischen Vier And.Ypsilon, ist ebenfalls als äußerst gelungen zu bezeichnen. Obwohl der Song mit seinen Beats und Sprechgesangpassagen immens an ein Fanta4-Medley ihrer letzten zehn Schaffensjahre erinnert, kann Rainer hier erneut positiv punkten. Aber was dann folgt ist in etwa als eine Mischung aus „souverän“, „ganz nett“, „was soll das denn?“ und „unverträglich“ zu beschreiben. „Tanz Deine Revolution“ tanzt sehr unscheinbar zu einem nervigen Elektronik Beat vor sich hin, „Der Abstand“ und „Beutelschneider“ driften in eine unsichere Hardrockecke, aber sorgen trotz ihrer Rammstein- und Omph!-Attitüde wenigstens für kurzweilige Unterhaltung. „Lass Los“ hingegen nervt tierisch und könnte durchaus als kleiner unscheinbarer Bruder von „Wolfsheim“ durchgehen.

Ohne Frage inszeniert Rainer Von Vielen einen wahren Rummel an genreübergreifenden Klängen und Sounds. Aber so neu und innovativ wie von der Plattenfirma propagiert wirkt das dann letztlich bei weitem nicht. Bei „Augen Offen“ schwirrt einem Morcheeba vorm geistigen Ohre und „Der Gedanke An Dich“ erinnert sehr stark an die Matrosenromantik von „Modest Mouse“. Aber eine eigene, im Gehörgang sich einnistende Note (ausser seiner zwischenzeitlich äußerst anstrengenden Stimme) kann Rainer leider nicht herbeimusizieren. Das klingt alles zu sehr nach der Kopie der Originale. Eines muss man ihm jedoch lassen. Noch nie klang bayrische Heimatmusik so sympathisch wie auf dem Volksmusik-Harakiri-Track „Guat“. Inklusive bavarischer Jodelpassage kommt dieser Humptata-Remix ins Kauz-Tal gestürmt und verdient anerkennende Zustimmung.

Rainer Von Vielen will viel. Wahrscheinlich zu viel. Musikalische Genregrenzen verschwinden zu lassen ist das eine. Alle denkbaren Stilrichtungen auf eine einzige Platte zu pressen, das andere. Und das ist das größte Manko der vergangenen knappen Stunde. Denn obwohl Von Vielen mit der ein oder anderen Nummer zu überraschen und teilweise auch zu überzeugen weiss, gehen die meisten seiner Lieder im großen Teich des musikalischen Kuddelmuddels schlicht baden und ziehen „Kauz“ mit sich ins musikalische Mittelmaß.

Anspieltipps:

  • Neu Definieren
  • Plan X
  • Guat

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