Neil Diamond - Home Before Dark - Cover
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Neil Diamond Home Before Dark


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 72 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Auf den Spuren eines Johnny Cash bewegt sich Neil Diamond weiter an der Seite von Meisterproduzent Rick Rubin. Nachdem die Fans, wie es zu erwarten war, vom ersten Album unter Rubins Mithilfe schon restlos begeistert waren, gibt es wieder einen neuen Grund auf die altmodische Art und in aller Gemütlichkeit abzufeiern. Die neue Platte heißt „Home Before Dark“ und tatsächlich hat ein in die Jahre gekommener Diamond etwas von einem Folk-Großvater, der abends zu Hause auf einen wartet und Geschichten erzählt, Verzeihung, Lieder vorsingt.

Das neue Album klingt, wie es heute nur noch wenige Alben tun: sehr minimalistisch. Der Fixpunkt ist Neils raue, markante Stimme und die Akustikgitarren. Ab und an schleicht sich ein fast schon zu passendes Piano ein, dass den sonst wirklich „folkigen“ Klang wieder poppig klingen lässt und auch die eigentlich perfekt eingesetzten Streicher bringen gemischte Gefühle hervor. Wird doch auf der einen Seiten für einen Sänger im Old School Sound skandiert, hören und fühlen sich die Arrangements plötzlich viel zu glatt an. Dies ist nicht bei allen Songs so, aber wenn man auf Wilcos „Sky Blue Sky“ (2007) schaut, wird einem gezeigt, wie die Instrumente klingen müssen, damit es stimmig ist. Hier war Rick Rubin mal wieder eine Spur zu perfektionistisch, anstatt wirklich authentisch wirken zu können. Aber auch hier handelt es sich nur um Nuancen, wobei diese Nuancen verhindern, dass das wunderschöne Duett „Another Day (That Time Forgot)“ ein wirklicher Klassiker ist, sondern ‚nur’ ein wirklich schönes Lied bleibt.

Überhaupt weiß das Album von vornherein zu zünden. Mit „If I Don’t See You Again“ und dem Vorab-Song „Pretty Amazing Grace“ werden eingefleischte Fans sogleich zum Lechzen gebracht. Ein Diamond zum dahin schmelzen, der dank seiner „alten“ Stimme eine gemütliche Atmosphäre aufbaut und mit Emotion besticht. Allerdings wissen beide Stücke nicht so recht, wann sie aufhören sollen und so ziehen sich die Songs bei mehrmaligem Hören doch ein wenig. „Don’t Go There“ ist dann eine ganz undankbare Aufgabe. Der Song ist irgendwo zwischen Klischee und alles richtig gemacht und einer Johnny-Cash-Nachahme. Ja, das ist weit aus dem Fenster gelehnt, aber bei der extrem tief gestellten Stimme und dem Sprechen während des Stücks in dieser Tonlage drängen sich Vergleiche auf. Nur, dass die Instrumentalisierung typisch Neil Diamond ist, damit aber auch nicht der authentische Druck eines Cash aufgebaut wird.

Ist das Niveau aber immer noch auf einer starken Stufe, lässt der Mittelteil zu wünschen übrig. Lagerfeuersongqualitäten, voller Erholung und guter Gefühle, lassen sich nicht absprechen, machen aber noch keinen richtig starken Track aus. Und irgendwie will es lange kein Song schaffen, wirklich hervorragend zu klingen. Ein „Act Like A Man“ hat etwas Klassisches und auch „Whose Hands Are These“ ist sicherlich nicht schlecht, aber es fehlt dieser letzte Funke. Erst „Slow It Down“ und der wirklich überragende Titeltrack geben einem wieder das Gefühl, es hier mit der Platte eines wirklich großen zu tun zu haben. Die beiden abschließenden Bonustracks sind dann eher wieder auf jenem Niveau, welches wie ein Damoklesschwert über der Arbeit Diamonds schwebt: gut. Letzten Endes muss man sich einfach eingestehen, dass ein Album entstanden ist, dass man ohne Probleme auch nur nebenbei hören kann, auch wenn sich dann einige Facetten nicht ganz offenbaren. Keinesfalls aber ist tatsächlich eine Platte entstanden, die es schafft, den Hörer die doch recht langen 72 Minuten zu fesseln.

Anspieltipps:

  • Pretty Amazing Grace
  • Another Day (That Time Forgot)
  • Home Before Dark

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