Josh Groban - Awake Live - Cover
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Josh Groban Awake Live


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 105 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

25 Jahre ist Schwiegermamas Liebling erst alt und schon veröffentlicht er seine dritte Live-DVD.

25 Jahre ist Schwiegermamas Liebling erst alt und schon veröffentlicht er seine dritte Live-DVD. Der Amerikaner, der Klassik auf die große Popbühne bringt, hat scheinbar alles richtig gemacht. Oder sind auf dem neuesten Werk vielleicht erste Abnutzungserscheinungen zu erkennen? Wirkt er lustlos oder spult lediglich mit der Professionalität eines Jungstars sein Programm runter? Fehlanzeige. Die Show ist einfach gut und Josh Groban lebt von seiner beeindruckenden Bühnenpräsenz und macht damit eine übertriebene Video-Unterstützung überflüssig. Zudem ist er ständig in Bewegung. Läuft von einem Ende der Bühne zum anderen, sucht immer den Kontakt zu seinen – überwiegend weiblichen – Fans. Ein Rastloser, der versucht es allen Besuchern seiner Show recht zu machen.

Natürlich ist nicht alles spontan, was er sich im Laufe der Show „einfallen“ lässt. Der Gang ans Schlagzeug wird von seinen Fans mittlerweile erwartet und sein Bad in der Menge umringt von einer handvoll böse aussehender Bodyguards war sicherlich nicht einer plötzlichen Eingebung geschuldet. Die Show ist stark professionalisiert, doch ein Vorwurf ist Groban deshalb nicht zu machen. Eine Mammuttour wie sie Groban im vergangenen Jahr von den USA über Europa zurück in die USA und nach Australien absolviert hat, funktioniert nicht ohne ein festes Showkonzept, bei der sich verständlicherweise auch Routine einschleicht, die aber bei Groban dankenswerterweise erstaunlich kurz kommt.

Dass die Show so gut funktioniert, dazu trägt ein überraschend zurückhaltender Hamish Hamilton bei, der sich als Regisseur erstaunlich gut auf den Musiker und Menschen Groban eingestellt hat. Die Schnitte bleiben ruhig und der Musik angepasst. Sehr schön fängt Hamilton die Nähe zum Publikum ein, die Groban immer wieder sucht. Für den Ton ist erneut Humberto Gatica verantwortlich und meistert seine Aufgabe souverän. Stimme und Instrumente kommen immer klar rüber und auf eine übertriebene 5.1-Abmischung mit zu starker Betonung der hinteren Lautsprecher wurde verzichtet. Einzig der sowieso schon sehr dominante Bariton von Groban hätte etwas dezenter abgemischt werden können. Musik und Publikum werden so häufig etwas stark in den Hintergrund gedrängt.

Musikalisch wird Groban von den Kritikern häufig vorgeworfen nahe am Rande des Kitsches zu wandeln. Das ist Unfug – er steckt mittendrin: Seine Songs sind fast durchweg süßlich und sentimental – egal in welcher Sprache er sie darbietet. Da kann er noch so nachdrücklich davon singen, weder Held noch Engel zu sein – seine Fans sehen, wollen und verehren ihn so. Kein Grund also ihm den Kitsch vorzuwerfen, erst recht nicht, wenn er ihn so perfekt intoniert.

Gut und fehlerfrei singt Groban und seine Band steht ihm in Nichts nach. Platz für Improvisation bleibt nicht, die Qualität des hauptsächlich orchestralen Sounds kommt einer Studio-Aufnahme sehr nah.
Einen Schwerpunkt bildet verständlicherweise das Material seiner letzten Veröffentlichung „Awake“ – gleich die ersten sieben Songs stammen vom neuesten Werk. Sechs weitere legt er noch nach – bis auf einen Song spielt er damit das komplette Album. Für „alte“ Klassiker bleibt dabei weniger Platz, der Stimmung tut dies aber keinen Abbruch – für amerikanische Verhältnisse.

Gerockt wird auf dem Konzert übrigens auch, allerdings nicht von Josh Groban, sondern der extrovertierten Violinistin Lucia Micarelli, die den Led Zeppelin Klassiker „Kashmir“ covert. Die geniale Interpretation versucht Groban gleich anschließend zu toppen, wenn er sich seinen obligatorischen Gang durch die Menge bahnt. Gelungen, wenn man seine Fans fragt … und Fan wird man von Groban nur werden, wenn man sich dem schwülstigen Klassik-Pop öffnet. Wer dazu bereit ist, dem seien die 105 Minuten zum Dahinschmelzen wärmstens empfohlen.

Anspieltipps:

  • You Are Loved
  • Kashmir
  • In Her Eyes
  • Pearls

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