Erik And Me - Hundertsechzig Zeichen - Cover
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Erik And Me Hundertsechzig Zeichen


  • Label: Revolver Distribution
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Ist es möglich, emotionale weiche Popmusik in deutscher Sprache zu schreiben? Die meisten Menschen würden aufgrund unserer im Vergleich zum Englischen doch wesentlich härteren Sprache, dies vermutlich verneinen. Erik & Me haben sich genau dies zum Ziel gesetzt. Hatten sie auf ihrem 2004er Debüt noch auf Englisch gesungen, handelt es sich diesmal um ein komplett in deutscher Sprache produziertes Werk. Nach einer Arbeitszeit von rund einem Jahr erscheint nun der Zweitling von Sänger/Songwriter/Gitarrist Erik Lautenschläger, Gitarrist Dave Bennett, Bassist/Pianist Matze Peng und Schlagzeugerin Merle Bennett. Dabei findet man auf der Hülle nur 12 Songs vermerkt, tatsächlich enthält die CD allerdings 13 Stücke. Der Bonussong „Selbstgespräch“ bekam gleich eine eigene Titelnummer, eine sehr interessante neue Art, Songs zu „verstecken“.

Der Opener „Seltsam“ beginnt ruhig und Verhalten lediglich mit Streichern. Auch stimmlich scheint sich Lautenschläger absichtlich zur Wahrung des melancholischen Charakters zurückzuhalten. Allerdings öffnet sich der Song im weiteren Verlauf immer mehr und gewährt dabei Einblicke in die musikalische Seele der Berliner. Bei „Vielleicht“ bekommt man eine ganz andere Stimme geboten, kraftvoller, intensiver und auch das Tempo wird hier etwas angezogen. Faszinierend sind vor allem die hohen, klaren und trotzdem kraftvollen Kopfstimmenpassagen. Dabei ist der Song von so viel positiver Melancholie befallen, dass man das Lied mit Glücksgefühlen verlässt. Irgendwie schafft es die Band bei nahezu jedem Track an dieser Grundstimmung festzuhalten, ohne dabei heuchlerisch zu wirken.

Travis-ähnliche Emotionen kommen einem in den Sinn, wenn man bei „Niemand“ der besungenen Einsamkeit mit einem Lächeln im Gesicht begegnen muss. „Nur das Gras“ setzt dieser positiven Energie der Auseinandersetzung mit Lebensproblemen noch eine Krone auf, erinnert es doch stark an The Cure, auch wenn man diesen Vergleich aufgrund der Genialität dieser Combo eigentlich gar nicht anbringen mag. Negatives an dem Album gibt es glücklicherweise kaum etwas zu verbuchen. Lediglich einige Titel wirken aufgrund ihrer Niedlichkeit schon fast kitschig und kratzen dadurch leider etwas an der Grenze zur Ungläubigkeit. Ein Beispiel dafür ist „Wal“, das eher nach einem Lied auf einer CD für Kinder klingt, anstelle eines erwachsenen Popsongs. Hier sollten die Berliner in Zukunft aufpassen, dass die Unbeschwertheit nicht zu stark auf eine unglaubwürdige Schiene abrutscht. Glücklicherweise bildet dies die Ausnahme und die Band bekommt in den meisten Songs immer noch die Kurve.

War beim ersten Album noch wenig Klarheit zu erkennen, wo die musikalische Reise hingehen soll, hat man jetzt das Gefühl, dass die Band wirklich angekommen zu sein scheint. Durch die Bank wurden die Songs interessant arrangiert und gemischt, die 12 Monate Produktionszeit scheinen sich also vollends auszuzahlen. Für die Zukunft wünscht man sich vor allem mehr Songs wie „Fr. Tagesschau“, der vor allem aufgrund der Zunahme von Dynamik und Fülle einen von den Socken haut und weniger des angesprochenen Kindergartenpops!

Anspieltipps:

  • Vielleicht
  • Nur das Gras
  • Halt

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