Camille - Music Hole - Cover
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Camille Music Hole


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 61 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Sensation! Sensation! Eine 29jähjrige Pariserin räumt auf dem heimischen Musikmarkt ab wie keine Zweite. Sie verkauft von einem Album mehr als eine halbe Million Einheiten, ohne dass das Publikum merkt, ob es nun mit E- oder U-Musik zu tun hat. Denn die werte Dame, namentlich Camille Dalmais, braucht keine Instrumente für ihre Musik. Oha...

Dieser, im weitesten Sinne, Avantgarde-Pop, soll jetzt auch über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt gemacht werden, geht es nach dem Willen der Major-Plattenfirma, die ihre Promoter schon ein Vierteljahr im voraus heiß auf das Thema machte, die wiederum in den Musik-Redaktionen dieses Landes Briefkästen, Telefone und Email-Postfächer zum Glühen brachten. Doch warum die ganze Aufregung? So sensationell ist das Ganze doch gar nicht. Okay, Camilles einziges Instrument ist ihre Stimme. Diese ist schön, kraftvoll und vielseitig. Damit erzeugt die Französin die kuriosesten Klänge und Geräusche. „Body-Percussion“ nennt man diese Kunst, bei der Stimmbänder, Kehlkopf und Rachenraum Schlagzeug, Bass und andere Instrumente ersetzen, ohne dass es der Hörer merkt, wenn er nicht ganz genau hinhört.

Auf dem neuen Camille-Album „Music Hole“ wird der stimmliche Budenzauber auf die Spitze getrieben. Zusammen mit den brasilianischen Körperperkussionisten von den Barbatuques, Sly Johnson von der Saian Supa Crew, dem Soundtrack-Spezialisten Vincent Milner sowie James Cullum, der dafür sorgt, dass sich aus der physischen Welt wenigstens ein Piano in den Strudel aus elf radikal-innovativen Songs in (erstmalig) englischer Sprache verirrt, türmt Camille eine Stimmschicht auf die andere, bis am Ende einigermaßen komplette Songs im Stilmix aus a cappella, Musical, Chanson, R&B und abgefahrener Popmusik á la Björk herauskommen.

Und in der Tat, bis zu einem gewissen Grad ist dieses Schauspiel hochinteressant und spannend zu beobachten. Es ist aber auch nicht verwunderlich, wenn sich der Hörer nach einiger Zeit wieder nach „echten“ Songs ohne Vokalakrobatik aus Zischen, Brummen, Grunzen, Hauchen, Schnalzen, Jauchzen, Gurren und Trällern sehnt. Denn für diese Art von Musik braucht es eben ein äußerst aufgeschlossenes Publikum, das bereit ist, über den normalen Pop-Tellerrand zu schauen und auf herkömmliche Song-Strukturen verzichten kann.

Anspieltipps:

  • Kfir
  • Money note
  • Sanges sweet
  • Gospel with no lord
  • Home is where it hurts

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