Isobel Campbell & Mark Lanegan - Sunday At Devil Dirt - Cover
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Isobel Campbell & Mark Lanegan Sunday At Devil Dirt


  • Label: Cooperative/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Egal ob einem „Ballad of the broken seas“ (01/2006) jetzt gefallen hat oder nicht. Die Mischung aus zärtlicher Frauenstimme und grantigem Raspelorgan ist faszinierend gewesen. Was der Vorgänger jedoch nicht immer in ganz stimmige Songs einlösen konnte, ist auf „Sunday at devil dirt“ jetzt einer geradezu gespenstischen Atmosphäre gewichen, die sich vor allem in der ersten Hälfte das Attribut „meisterhaft“ gefallen lassen muss. Bei der Rollenverteilung ist jedenfalls alles beim Alten geblieben: Isobel Campbell (Ex-Belle And Sebastian, The Gentle Waves) schreibt die Songs und leistet gelegentlich ebenfalls singend ihren Beitrag, während Mark Lanegan (Ex-Screaming Trees, Ex-Queens Of The Stone Age, The Gutter Twins) Isobels Material mit seinem raumerfüllenden, tiefschwarzen Organ veredelt.

Das führt dann zuallererst zu den drei grandiosen Opening Tracks „Seafaring song“, „The raven“ und „Salvation“, die ihre komplette Faszination aus spärlicher Instrumentierung (Gitarre, bisschen Schlagzeug) und dem unweigerlich an Johnny Cash erinnernden Stimmduktus in Lanegans Stimme beziehen, bis mit „Who built the road“ Miss Campbell dem kauzigen Organ des Amerikaners mit ihrer Feenstimme entgegentreten darf und so ein magischer Moment voll sexueller Spannung, ganz wie bei „Where the wild roses grow“ mit Nick Cave und Kylie Minogue, heraufbeschworen wird. Das anschließende „Come on over (Turn me on)“ baut dann auf dem vorangegangenen Track auf und klingt durch das Wechselspiel aus Lanegan & Campbell, sowie den langgezogenen Streichern im Hintergrund wie die feuchten Träume eines James Bond.

In „Back burner“ regiert wieder verstärkt die schwarze Lunge Marks, der neben gospelähnlicher Begleitformel so klingt, als würde er einem gerade die Beichte abnehmen. Durch die gleichbleibende Melodieführung und der nach und nach hypnotisierenden Darbietung Lanegans wäre es nicht verwunderlich, wenn der eine oder andere beim Anhören dieses Songs aufgrund seiner kathartischen Wirkung in Trance verfällt. Ab „The flame that burns“ gibt es dann verstärkt leichtere Kost, die zwar keineswegs schlecht ist, aber mit der umwerfenden Performance der ersten Hälfte nicht mehr viel gemeinsam hat. So gibt es mit „Shotgun blues“ zum Beispiel einen rein von Campbell vorgetragenen Song, der nach den hinter einem liegenden Großtaten durch die gehauchten Vocals der Schottin nicht mehr als ein schlechter Witz abgetan werden kann.

Die nachfolgenden Tracks „Keep me in mind, sweetheart“, „Something to believe“, das etwas behäbig wirkende, aber dennoch wirkungsvolle „Trouble” und das unaffektierte, in sich ruhende „Sally, don´t you cry“ lassen die Qualität zwar wieder ansteigen, den Effekt, den Lied 1 bis 6 auf einen hinterlassen haben, können sie aber nicht das Wasser reichen. Trotzdem: Würden Johnny & June Carter Cash noch leben, sie hätten mit Sicherheit „Sunday at devil dirt“ im Schrank stehen, denn abgesehen von den bereits erwähnten kleineren Mängeln gibt es eine großartige Vereinigung zweier gegensätzlicher und sich doch so wundervoll ergänzender Stimmen bzw. Menschen wie diese einfach zu selten.

Anspieltipps:

  • Trouble
  • The Raven
  • Back Burner
  • Come On Over (Turn Me On)

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