Mustasch - Lowlife Highlights - Cover
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Mustasch Lowlife Highlights


  • Label: Regain Records
  • Laufzeit: 74 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Für sogenannte Best Of-Zusammenstellungen gibt es die unterschiedlichsten Herangehensweisen. Meistens setzen sich die Künstler oder die Plattenfirma ein bestimmtes Zeitfenster (z.B. „The early years: 1960-1970“), kompilieren die CD nach bestimmten Kriterien (die besten Lovesongs, alle Singles, etc.) oder suchen sich schlicht und ergreifend die ihrer Meinung nach herausstechendsten Songs der bestehenden Diskographie. Was für Fans oft nur bedingt durch die Hinzufügung unveröffentlichter Tracks, vergriffener B-Seiten oder überhaupt gänzlich neues Material interessant und schmackhaft gemacht wird, kann für den einen oder anderen unbedarften Hörer für wenig Geld schnell zu einer guten Investition werden.

Die besten Stücke der swedischen Hardrocker Mustasch, bestehend aus Ralf Gyllenhammar (Gesang, Gitarre), Hannes Hansson (Gitarre), Mats Johansson (Bass) und Mats Hansson (Schlagzeug), hat nun versucht „Lowlife highlights“ unter einen Hut zu bringen und liegt damit gar nicht mal so falsch. Berücksichtigt wurden dabei allerdings nur die Alben und EP´s, die während ihrer Zeit beim Major EMI auf den Markt kamen. Das schließt ihre erste Kurzplatte „The true sound of the new west“ aus dem Jahre 2001, sowie die Longplayer „Above all“ (2002), „Ratsafari“ (2003) und „Powerhouse“ (2005) mit ein. Das bislang letzte, im Mai des vorigen Jahres erschienene „The latest version of the truth“ und ihre zweite EP „Parasite“ aus 2006 werden dahingehend ausgeschlossen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Best Of-Platten gehen Mustasch jedoch noch einen Schritt weiter und verzichten auf ein chronologisches Herunterbeten der einzelnen Stücke und setzen vielmehr auf einen zusammenhängenden, in sich geschlossenen Höreindruck. In diesem Sinne beginnt „Lowlife highlights“ mit „Unsafe at any speed“ vom zweiten Album “Ratsafari”, macht daraufhin einen Sprung zurück zu Album Nummer 1 und „Down in black“, während es mit „Accident blackspot“ wieder zwei Platten nach vorn („Powerhouse“) geht. Diese Inkonsequenz mag Hardcore-Anhänger möglicherweise abschrecken und irritieren oder sie gar anspornen die Zugehörigkeit der Songs zu den jeweiligen Platten herauszufinden. Wie dem auch sei, für den Rest erschließen sich die 18 Hardrock-Granaten aus Schweden jedenfalls ohne Qualitätseinbußen oder bösen Überraschungen.

Musikalisch erwarten einen nämlich klassische Sounds aus den 70ern, wobei die Haupteinflüsse beim Stoner Rock (a la Queens Of The Stone Age, Monster Magnet) und den griffigen Doom-Riffs einer Band wie Black Sabbath (in etwa „Vol.4“ bis „Technical ecstasy“) stets allgegenwärtig sind. Entweder rammen einen dann tiefergestimmte Riffsalven zu Boden („The deadringer“, „Ratsafari“, „Homophobic/Alcoholic“, „6:36“) oder die vier Schweden knallen mit einem Groove aus den Boxen, dass es einen vom Stuhl kippt („Haunted by myself“, „Fredrika“, „Dogwash“). So oder so, „Lowlife highlights“ macht Spaß, geht ordentlich ab und liefert mit Gyllenhammar einen Sänger, der nicht nur stilsicher den Text wiedergeben kann, sondern auch mit einer kratzigen Röhre gesegnet ist, die in gepresster Stimmlage richtig viel Rotz auf der Lunge hat.

Zwar werden einige Veteranen die Nähe zur legendären Truppe rund um Ozzy Osbourne vielleicht als Wehrmutstropfen ansehen (manche Riffs und Passagen klingen wirklich verdächtig – man höre sich nur einmal „Ocean song“ und dann im Anschluss „Sabbath bloody sabbath“ an), bei einer derartig ehrfurchtsvollen Darbietung und in jeder Minute spürbaren Hingabe wie sie Mustasch vorführen, kann dieses Manko jedoch guten Gewissens ad acta gelegt werden. Alles in allem hinterlässt das erste Best Of der Schweden also nicht nur einen äußerst vielversprechenden Eindruck, sondern vollbringt gleichermaßen das Kunststück sich auch mit dem restlichen Schaffen der Truppe zu befassen und neben „Lowlife highlights“ vielleicht bald den einen oder anderen regulären Longplayer im Schrank stehen zu haben.

Anspieltipps:

  • 6:36
  • Ratsafari
  • Dogwash
  • The Wave
  • The Deadringer

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