No-Man - Schoolyard Ghosts - Cover
Große Ansicht

No-Man Schoolyard Ghosts


  • Label: K Scope Records/SPV
  • Laufzeit: 53 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Noch bevor Porcupine Tree das Licht der Welt erblickte, schuf Steven Wilson zusammen mit Tim Bowness im Jahr 1987 die Formation „No man is an island“. Da Wilsons Fokus alsbald auf Porcupine Tree ruhte, brachte es das Duo bisher nur auf fünf Studioalben sowie eine Retrospektive („All the blue changes“). Während manche seiner Hauptband wegen der Veröffentlichungsflut und dem damit einhergehender etwaigen Qualitätsverlust zu einer längere Auszeit raten, kann man im Falle von No-Man nicht davon sprechen, dass es die beiden Musiker mit den Veröffentlichungen übertreiben. Allzu viele Alben würden aber auch gar nicht zum kontemplativen Charakter der Band passen. Die Musik, angesiedelt zwischen Ambient a la (späte) Talk Talk und Post-Rock, ist die Antwort und der Gegenentwurf zu den modernen Porcupine Tree. No-Man füllen die Lücke, die Steven Wilson mit der Hinwendung seiner Stammband zum Alternative-Rock und dem Verharren seines Blackfield-Projektes auf eingängigem Pop hinterlassen hat. No-Man machen Musik, die wie Nebelschwaden durch die Seelenlandschaft zieht. Dementsprechend bestimmen Traurigkeit, Düsternis und Insichgekehrtheit das musikalische Bild. Ein Blick aufs Cover-Artwork sagt im Grunde alles.

Mit „Schoolyard ghosts“ liegt nun also die sechste reguläre Studioscheibe vor. Auf der vorab eigens eingerichteten Internetseite zum Album konnte man sich mit „Truenorth“ bereits einen ersten Eindruck davon verschaffen, ob „Schoolyard ghosts“ No-Man eher von ihrer Ambient- oder Post-Rock-Seite zeigt. Im engen Korsett des Post-Rocks haben No-Man in der Vergangenheit eher selten ein glückliches Händchen bewiesen, aber auch der fast schon atonale Ambient-Sound stellte phasenweise selbst geduldige Naturen auf die Probe. So war das exzellente Vorgängeralbum „Together we're stranger“ immer dann am besten, wenn feine Melodien wie Glühwürmchen in der Nacht die Düsternis aufblitzen ließen. Stellvertretend hierfür kann der Song „Back when you were beautiful“ genannt werden, der es schändlicherweise nicht auf „All the blue changes“ (2006) geschafft hat.

An eben jenen Song fühlt man sich beim Hören von „Truenorth“ sodann auch gleich erinnert. Spätestens wenn nach fünf Minuten filigrane Gitarrenklänge und flirrendes Flötenspiel den Ton angeben, geht das Tief unter die Haut. Tim Bowness fragile Stimme legt sich wie eine Feder über die Noten und der Hörer schwelgt in Tagträumen. „Truenorth“ bildet mit fast 13 Minuten den Mittel- und Höhepunkt des Albums. Eingerahmt wird es von nicht weniger meditativen Stücken, die mit Ausnahme von „All sweet thing“ und „Streaming“ jedoch mehrerer Hördurchgänge bedürfen um halbwegs im Gedächtnis zu bleiben. Aber eine ohrwurmkompatible Platte ist das hier sowieso nicht. Wie zur Bestätigung hauen No-Man mit „Pigeon Drummer“ richtig auf die Kacke. So viel Aggressionspotenzial hätte man den Beiden gar nicht zugetraut. Auch Frohnaturen auf der Suche nach einem Frühlingsalbum sollten einen weiten Bogen um „Schoolyard ghosts“ machen. In „Streaming“ besingt Tim Bowness das Ende der Sommertage und klingt dabei nicht einmal wehmütig.

Fazit: „Schoolyard ghosts“ eignet sich für die Zweifelnden und Suchenden unter uns; für jene, die Geiseln ihrer düsteren Gedanken sind. Nur sie werden sich darauf einlassen können. „Schoolyard ghosts“ ist durchweg gelungen, allerdings stellt sich einmal mehr die Frage, warum solche Alben häufig immer dann erscheinen, wenn draußen die Sonne lacht und die Temperaturen an der 30-Grad-Marke kratzen.

Anspieltipps:

  • Truenorth
  • Streaming
  • All sweet things

Neue Kritiken im Genre „Prog-Rock“
6.5/10

The Mission
  • 2017    
Diskutiere über „No-Man“
comments powered by Disqus