Bap - Radio Pandora (Plugged) - Cover
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Bap Radio Pandora (Plugged)


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 73 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Bap verblüffen mit Songs, die nicht in die Davies/Dylan/Springsteen-Ecke gehören.

Zwei getrennte Studioalben an ein und demselben Tag herauszubringen ist eine nette, wenn auch keine neue Idee. Vorgemacht haben es u.a. die US-Kollegen Bruce Springsteen, Guns ’N Roses und Nelly. Die Kölner Rockband Bap tritt nun, im vierten Jahrzehnt ihres Bestehens, ebenfalls in die Fußstapfen dieser Idee, indem sie von ihrem neuen Werk „Radio Pandora“ eine elektrische („Plugged“) und eine akustische („Unplugged“) Version mit leicht unterschiedlicher Tracklisten (insgesamt acht Songs tauchen jeweils auf beiden CDs auf) auf den Markt bringt. Dass der Spaß ganz nebenbei auch noch dazu führt, dass „Radio Pandora“ bei der Ermittlung der Chartplatzierung gleich doppelt gezählt wird – denn jeder Bap-Fan kauft zweifelsfrei beide CDs – ist mehr als ein schöner Nebeneffekt.

Solche kleinen Tricks scheinen Bap mittlerweile wirklich nötig zu haben, denn die erste Singleauskopplung „Morje fröh doheim“ ist nicht nur musikalisch etwas enttäuschend – auch das Abschneiden in den Charts spricht Bände. Und schon hört man wieder die Kritiker, die den Kölnern unterstellen, dass sie seit dem Ausstieg von Klaus „Major“ Heuser nicht mehr zwingend zu Werke gehen und Wolfgang Niedecken viel zu oft den deutschen Bruce Springsteen bzw. Bob Dylan heraushängen lässt. Und der Rezensent möchte diesen Stimmen recht geben, wenn er den schwerfälligen Einstieg von „Radio Pandora“ mit den Stücken „Prädestiniert“, „Hühr zo, Pandora“ und „Et ess, wie’t ess“ verdauen muss. Warum nicht wie sonst üblich einen Gassenhauer wie „Musik, die nit stührt“ (mit einem herrlich ironischen Text) an den Anfang stellen – und alles ist gut?!

Doch die Songauswahl ist groß und mit dem epischen „Diego Paz wohr nüngzehn“ fangen sich Niedecken und Co. letztendlich und kehren zum erwarteten Niveau zurück. Dabei verblüffen sie mit Songs, die nicht in die Davies/Dylan/Springsteen-Ecke gehören, sondern eher dem Einfluss eines Neil Young zuzuschreiben sind („Wolf un Skorpion“). Damit einhergehend werden die Texter ernster und die Gitarren härter. Und das steht Bap eindeutig besser als Schunkel- und Schubidu-Lieder wie „Morje fröh doheim“ oder „Et ess, wie’t ess“. Aber der Hörer soll ja auch etwas zu entdecken haben. Und die Kölner Büchse der Pandora enthält so einiges an Überraschungen. Da wäre z.B. das eindringliche „Noh Gulu“ über das bürgerkriegsgeplagte Gulu in Nord-Uganda, Songs im R&B- und Blue-Grass-Stil sowie extra-coole Nummern, die sowohl textlich als auch musikalisch an die frühen 80er Jahre anknüpfen können („Frankie un er“, „Songs sinn Dräume“). Und mehr wollen wir doch eigentlich gar nicht.

Anspieltipps:

  • Noh Gulu
  • Frankie un er
  • Wolf un Skorpion
  • Songs sinn Dräume
  • Diego Paz wohr nüngzehn
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