Chakuza - Unter Der Sonne - Cover
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Chakuza Unter Der Sonne


  • Label: Ersguterjunge/SonyBMG
  • Laufzeit: 56 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn das Ersguterjunge-Label von Platinrapper Bushido ein neues Album eines seiner Stallmitglieder auf den Markt bringt, ist der erfolgsverwöhnte Boss fast schon traditionell für die erste Singleauskopplung als Duettpartner zur Stelle. Anders lässt sich wohl auch nicht die erforderliche Aufmerksamkeit für einen hohen Chartentry erzielen. Denn der deutsche HipHop steckt in der Krise.

Bis auf wenige Ausnahmen erzielen die Alben der selbsternannten Ghetto-Kings nur noch erschreckend geringe Absatzzahlen, was natürlich auch daran liegt, dass die Kids den Shit viel lieber zocken als zu bezahlen. Es ist aber auch kein Geheimnis, dass sich Langeweile in die Szene eingeschlichen hat, die nicht von ungefähr kommt. Auch hier liegen die Gründe auf der Hand. Immer mehr Veröffentlichungen enttäuschen mit Endlosschleifen aus langweiligen Beats und klischeebeladener Möchtegern-Gangsta-Lyrik. Selbst die Provo- und Diss-Schiene hat sich inzwischen totgelaufen. Quo Vadis, deutscher Rap? Noch ist es nicht zu spät! Denn würden die Herren Rapper und Beat-Bastler auch nur hin und wieder über den Tellerrand schauen und genrefremde Einflüsse aufsaugen, der deutsche Rap wäre schlagartig wieder interessant und die Kids evtl. bereit, dafür wieder (mehr) Geld auszugeben.

Peter Pangerl alias Chakuza aus Linz in Österreich versucht dieses Spagat auf seinem zweiten Soloalbum „Unter der Sonne“ zumindest ansatzweise. Zusammen mit Bushido, sowie u.a. Evelyn, Nyze, Raf Camora, Tarééc, Bizzy Montana, Lenny Wolf, Summer Cem, Sprachtot, Kay One, D-Bo, DJ Stickle, Brisk Fingaz, Martelli, STI, Steadybeats und – na klar – Beatlefield hat der 27-Jährige neben den üblichen Gangsta-Geschichten diesmal ein paar Highlights mehr als auf dem Vorgänger „City Cobra“ (03/2007) dabei. Denn auch Chakuza hat erkannt: „Was zählt ist meine Musik. Die Leute haben keinen Bock mehr auf Fake-Images, nach dem Motto: Seht alle her! Hier ist meine fette Uhr, meine fette Karre und meine hundert Weiber! Ich möchte lieber ehrliche Musik machen.“

Grundvoraussetzung für ein gutes Rap-Album sind abwechslungsreiche Beats. Doch das ist nicht das Allheilmittel. Um Spannung zu erzeugen, muss musikalisch eine ganze Ecke mehr passieren. Zum Beispiel, wenn in „Blind“ ein Mike-Oldfield-artiges Pianothema erklingt oder in „Geht nicht“ Beats im Stile von Alicia Keys’ „No one“ zu französischen Gast-Raps aus den Boxen drücken. In „Stahlstadtjunge“ gibt es ein kurzes E-Gitarren-Intermezzo, „Krieg im Kopf“ holt sich ein Streicher-Sample aus der Hollywood-Blockbuster-Abteilung und ab und zu gibt es auch interessante Texte zu bestaunen („Ich warte“). Lediglich der Titeltrack (featuring Bushido) ist 08/15-HipHop-Pop-Rap. Tausend Mal gehört – tausend Mal ist nichts passiert.

Auch wenn „Unter der Sonne“ keine absolute Sternstunde darstellt, ist eine Steigerung im Vergleich zum vorherigen Album-Output erkennbar. Bei einer noch konsequenteren Umsetzung wäre aber auch hier mehr drin gewesen.

Anspieltipps:

  • Blind
  • Ich warte
  • Geht nicht
  • Krieg im Kopf
  • Stahlstadtjunge
  • Wir marschieren
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