Sandhy Sondoro - Why Don´t We - Cover
Große Ansicht

Sandhy Sondoro Why Don´t We


  • Label: Revolver Distribution/SOULFOOD
  • Laufzeit: 49 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie viele Indonesier kennen sie? Vermutlich nicht viele. Und wie viele in Deutschland vorhandene indonesische Rockmusiker sind bekannter als die kleine Schülerband um die Ecke? Höchstwahrscheinlich bewegt sich die Zahl nahe bei Null. Sandhy Sondoro’s Album „Why don’t we“ könnte diesen Situation unter Umständen ändern. Denn vor allem stimmlich ist der 34-Jährige ein Ausnahmetalent. Irgendwo zwischen dem frühen Joe Cocker und Justine Timberlake angesiedelt, weist der kleine Asiate ein Organ auf, das einem den Mund offen stehen lässt. Nachdem er mit seinem Leben in Jakarta aufgrund zunehmender Brutalisierung und Amerikanisierung nicht mehr glücklich war, beschließt Sondoro mit 19 Jahren nach Deutschland zu ziehen. 1996 beginnt er, als Straßenmusiker sein Glück zu suchen. Zwei Jahre später gründet er mit seinem Kumpel Arie das Projekt „Sondoro“. Dabei spielt er sowohl allein, als auch mit einigen guten Freunden zusammen. Von manchen als der indonesische Ben Harper bezeichnet, schaffte er den Aufstieg vom Straßenmusiker zum anerkannten Rocker. Denn seine weiche, raue Stimme gepaart mit den ruhigen Klängen strahlt viel der indonesischen Leichtlebigkeit aus. Seine Botschaft ist, wie er selbst sagt eindeutig: „Musik ist Liebe. Wenn sich Menschen, egal welchen Glaubens sie sind und welcher Religion sie angehören, gegenseitig respektieren, dann wird es keine Kriege mehr geben.“

„Why don’t we“ schlägt gleich zu Beginn ein wie eine Bombe. Die tiefen Vocals klingen Joe Cocker in seinen besten Zeiten zum Verwechseln ähnlich. Nie hätte man es für möglich gehalten, noch einmal ein solches Organ zu hören zu bekommen. In den hohen mit Kopfstimme gesungenen Passagen findet man dann überraschende Ähnlichkeit zu der Stimme von Timberlake. Eine wirklich unglaubliche Kombination! Musikalisch ist der Opener irgendwo zwischen Country und dem Rock der 60er angesiedelt. Vor allem langsame Soulpassagen finden Verwendung in vielen der Songs. „You and I“ beispielsweise erinnert sowohl in Aufbau und Struktur als auch stimmlich an ruhigere „Tina Turner“-Songs. Textlich setzt sich Sondoro unter anderem mit Problemen seines Glaubens als Moslem auseinander. In „Suicide bomb“ beispielsweise beschäftigt er sich mit der Problematik von Selbstmordattentätern. Aber auch die Außenpolitik der USA bekommt in „In the name of peace“ einen kritischen Blick zugeworfen. Ein weiterer Höhepunkt ist „Last dance with you“, in welchem er perfekt raue Gesangspassagen mit hohen klaren Vocals verbindet und den Hörer mit Jazzklängen mehr als nur fesselt.

Stimmlich kann man Sandhy sowieso kaum etwas Negatives abgewinnen, allerdings sind die Arrangements einiger Songs, wie beispielsweise bei „I don’t know where“, einfach zu belanglos und leider wenig nachhaltig geworden. Hier sollte der grandiose Sänger in Zukunft vielleicht etwas nachbessern. Davon abgesehen bekommt man auf „Why don’t we“ stimmlich sowie und auch musikalisch wunderbaren Soul-Rock geboten, dem alle Freunde der Musikrichtung auf alle Fälle sein Gehör leihen sollten!

Anspieltipps:

  • Why don’t we
  • Down on the streets
  • People (Shall we live for money)
  • Last dance with you

Neue Kritiken im Genre „Rock“
6.5/10

Mental Jewelry (25th Anniversary Edition)
  • 2017    
Diskutiere über „Sandhy Sondoro“
comments powered by Disqus