My Morning Jacket - Evil Urges - Cover
Große Ansicht

My Morning Jacket Evil Urges


  • Label: ATO Records
  • Laufzeit: 56 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach vier durchweg guten Studioalben veröffentlichten My Morning Jacket mit dem Doppel-Live-Album „Okonokos“ so etwas wie die absolute Offenbarung des gesamten Genres. Allerorten wurde das Album abgefeiert und das zu Recht. Die teils etwas zu ziellosen und wenig dramatischen Studiosongs, die sich zwar allesamt auf hohem Niveau präsentierten, jedoch oftmals den zwingenden „Vom Hocker Hau“-Faktor vermissen ließen, wurden live mit so viel Energie gefüllt, dass es den Hörern reihenweise die Münder offen stehen ließ oder sie eben vom Hocker hieb. Diese perfekte Produktion galt es nun erstmals auch auf ein Studioalbum zu übertragen.

Eingespielt wurde das Album in der Stammformation aus Jim James (Gesang, Gitarre), „Two Tone“ Tommy (Bass), Patrick Hallahan (Schlagzeug), Carl Broemel (Gitarre, Saxophon, Gesang) und Bo Koster (Keyboard). Dass sich die Truppe um Jim James auf dem neuen Output treu bleiben würde, war zu erwarten und das bestätigt der Opener und Titeltrack „Evil Urges“ auch sofort. Nervöse, wabernde Keyboardlines, bilden die Grundlage für ein betörend entspanntes Gitarrenspiel und Jim James tut das was er am besten kann: Singen in einer Stimmlage, die selbst Mariah Carry nach ausgiebigen Helium-Experimenten so nicht hinbekäme.

Sicherlich nach wie vor nicht jedermanns Sache, aber ein bisschen Eunuchengesang hat schließlich noch keinem geschadet. Gegen Ende des Songs wird die Geschwindigkeit angezogen und Keyboard und Gitarre ziehen den Song in ungeahnte Höhen bevor er wieder in sich zusammensackt und in „Touch Me I'm Going To Scream Part I“ übergleitet, das eines der absoluten Highlights des Albums darstellt. Nervöses Drumming und verträumter Gesang bilden ein perfektes Pärchen, wie es sonst nur The National zustande bringen. Die fordernden, irgendwie nicht kitschigen Lyrics tun ein Übriges diesen Song in höchste Sphären zu hieven. So viel ernsthaftes Songwriting ist My Morning Jacket aber irgendwie peinlich, denn Musik soll ja in erster Linie Spaß machen.

Und den hört man beim folgenden „Highly Suspicious“ in jeder Sekunde. Zu einem dreckigen Riff parodiert James seinen eigenen hohen Gesang, zusätzlich wird dieser von den übrigen Bandmitgliedern mit einem dunklen Refrain kontrastiert. Perfekt! Und weil Lobhuldigungen im übertriebenen Maße irgendwie unprofessionell wirken, machen wir doch gleich weiter damit, denn auch die beiden Balladen „I'm Amazed“ und „Thank You Too!“ hätten nicht besser gelingen können. Gerade noch rechtzeitig reißt dann „Sec Walking“ das Ruder rum, noch eine Ballade wäre auch zuviel des guten. Hintergründig lässt „Sec Walking“ Johnny Cash wieder auferstehen.

Im weiteren Verlauf gelingt My Morning Jacket die Abstimmung leider nicht mehr ganz so traumwandlerisch sicher. „Two Halves“ geht im Albumfluss ein wenig unter, das psychedelische Akustikgitarren-geschwängerte „Librarian“ lässt aber wieder aufhorchen, vor allem die Lyrics sind einfach nur zum Träumen. „When God Gave Us Mirrors, He Had No Idea“. Nach diesem Song bleibt leider erstmal keine Konzentration und „Look At You“ ergeht es nicht viel besser als „Two Halves“. Die Gitarren aus „Aluminum Park“ wecken den Hörer dann wieder, wobei der Song an sich auch nicht wirklich hätte sein müssen.

Mit „Remnants“ hält dann wieder die für My Morning Jacket typische nervöse Instrumentierung Einzug, irgendwie will es ein straightes Rockbrett sein, doch dafür sind die Jungs zu verspielt und das ist auch gut so, denn so erhält der Song mehr Tiefe und endlich gehen auch die Gitarren mal so richtig durch. Das treibende „Touch Me I'm Going To Scream Part II“ bildet dann den grandiosen Abschluss für das bisher beste aller My Morning Jacket Studioalben. Das unfassbare „Okonokos“ erreicht zwar auch „Evil Urges“ nicht, da sich auch in dieses Album die eine oder andere Unkonzentriertheit einschleicht, doch die Zeit ist reif für diese Band!

Anspieltipps:

  • Touch Me I’m Going To Scream
  • Highly Suspicious
  • Thank You Too!
  • Librarian
  • Remnants

Neue Kritiken im Genre „Rock“
9.5/10

Our Love To Admire (10th Anniversary Edition)
  • 2017    
6.5/10

Mental Jewelry (25th Anniversary Edition)
  • 2017    
Diskutiere über „My Morning Jacket“
comments powered by Disqus