Joan As Police Woman - To Survive - Cover
Große Ansicht

Joan As Police Woman To Survive


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 46 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Joan Wasser ist ausgebildete Violinistin und verzierte schon lange vor ihrem furiosen Debütalbum „Real Life“ einige Stücke aus der Feder von zum Beispiel Trail Of Dead, Sheryl Crow, Adam Green, Lou Reed und nicht zuletzt Antony & The Johnsons, denen sie fest angehörte. Durch Antony und ihre Teilnahme am Album „I Am A Bird Now“ kehrt Joan Wasser vom Rock zum sensiblen Chamber-Pop zurück und gründet 2002 das Trio Joan As Police Woman. Als Rufus Wainwright sie 2004 bittet, die Konzerte seiner Tour zur eröffnen, erobert Joan ein größeres Publikum und wird erstmalig auch verdientermaßen als Solo-Künstlerin mit einem enormen Gespür für filigrane Melodien und Gefühlskino wahrgenommen. Der Debüt-Longplayer ist da ein logisches Resultat, das vereinnahmt und mit einem Schlag die gesammelte Aufmerksamkeit auf Joan As Police Woman zieht. Antony beteiligte sich genau so daran, wie Rufus Wainwright und David Sylvian jetzt auf dem zweiten Werk „To Survive“, welches vor allem vom Piano-Spiel und der souligen Stimme Joan Wassers lebt.

Eine gut gefüllte Liste an Gastmusikern veredelt die herausragende, instrumentale Seite der Platte und bleibt dabei doch stets angenehm zurückhaltend und stets der fragilen Sache dienend. Während es beim Opener düster zugeht, schwingt bei „Magpies“ dank vielseitigen Bläsern und Streichern eine Leichtigkeit mit, die die größtenteils schwermütige Stimmung auflockert. Das Thema der Texte beherrscht vor allem der erfolglose Kampf Joans Mutter gegen den Krebs, wobei „To America“ eine Abrechnung mit dem Unsummen verschlingenden Militär- und Sicherheitswahn der USA ist und mit Rufus Wainwright einen tollen Duett-Partner bereithält, dessen Stimme sich nahtlos mit den warmen, eigenständigen Vocals der Sängerin und Multi-Instrumentalistin vereint.

Man hört neben den klassischen Singer/Songwriter-Strukturen auch Jazz-Parts heraus, die manchmal sogar einen Hauch von Weltmusik versprühen und erlebt ein atmosphärisches Album, das mit seiner tiefsinnigen Stimmung jede Menge Ruhe und Nachdenklichkeit ausdrückt, dabei aber musikalisch leidenschaftlich und somit zu jeder Zeit belebend ist. In all der Melancholie ist ein Zeichen des Aufbruchs, welches nicht nur in den beschwingteren Songs zu finden ist. sondern auch in ruhigen, manchmal unheilvoll modifizierten Klavier-, Glockenspiel- und Streicher-Passagen seine Heimat hat. Genau dieser Umstand macht „To Survive“ zu einem echten Statement, dem dazu noch stimmlich und musikalisch die Krone aufgesetzt wird. Joan As Police Woman machen also genau da weiter, wo „Real Life“ aufgehört hat und man darf überaus dankbar sein, dass Joan Wasser nun den klassischen Weg als schreibende Künstlerin geht, denn so ein Talent und Gespür für erhabene Momente muss gewürdigt werden.

Anspieltipps:

  • Honor Wishes
  • To Be Lonely
  • Start Of My Heart
  • To America

Neue Kritiken im Genre „Singer/Songwriter“
Diskutiere über „Joan As Police Woman“
comments powered by Disqus