Shout Out Louds - Howl Howl Gaff Gaff - Cover
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Shout Out Louds Howl Howl Gaff Gaff


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Musikgruppen aus Schweden haben seit einigen Jahren Hochkonjunktur, was meist an dem sehr klaren Englisch und den vielen Retromelodien liegt. Diese Akkorde, die einem so bekannt vorkommen, dass man sich auf die Zunge beißen möchte und man kommt am Ende doch nicht darauf. Genau nach diesem Prinzip arbeiten auch Adam Olenius (Gesang, Gitarre), Ted Malmros (Bass), Carl von Arbin (Gitarre), Eric Edman (Schlagzeug) und Bebban Stenborg (Keyboard, Gesang) alias Shout Out Louds. Die Fans bejubeln sie als fantastische Indieplatte und es gibt kaum Meinungen die davon abweichen wollen, doch was ist denn nun so besonders an den fünf Stockholmern?

Gleich die Eröffnung wird schlicht dem obigen Thema gerecht: Man kommt gute drei Minuten lang einfach nicht auf die Melodie, die zwar gut ins Ohr geht, aber keine Besonderheiten bietet und eher etwas vor sich dahinplätschert. Ein solider Song, aber zu langsam zum Tanzen und zu schnell um tiefe Gefühle aufbauen zu können. Was man sich allerdings vormerken kann, ist Olenius Gesang, welcher manchmal wie gesprochen und oft zum Ende hin abgebrochen klingt. Das Ganze ist beabsichtigt und bei einem Song eine nette Idee, aber auf die Dauer kann dies den Musikgenuss schmälern. Auch das mäßig laute „Very Loud“ passt sich dem Openerniveau an. Solide Songs mit Ohrwurmpotenzial ohne große Unebenheiten. Das einzige was sich nach Indie-Musik anhört, ist die etwas kantige Produktion.

So enttäuschend der Beginn im Verhältnis zu all den Belobigungen auch ist, so erfreulich ist es, dass die Formkurve jetzt aber nach oben schnellt. „Oh, Sweetheart“ ist irgendwo zwischen verquerter Ohrwurm und waschechten Indie-Rocker. Ein klasse Song, der endlich Spaß macht und dem Anspruch gerecht wird. Das ruhige „Track And A Train“ kann dieses Niveau beinahe halten, da, wie schon im Vorgänger, Adam endlich richtig singt. Der Song ist beinahe niedlich und weiß durch seine Ruhe zu gefallen. Eine Ruhe die auch „Go Sadness“ ausstrahlt, in welches „Track And A Train“ mündet. Allerdings plätschert das Lied ohne Entwicklung vor sich hin. Diese Interlude wird dann durch das fetzige „Please Please Please“ aber wieder wettgemacht. Der erste Song, auf den man wahrscheinlich tanzen könnte, legt ein gutes Tempo vor und zeigt endlich eine Spielfreude auf, die zum Anfang der CD gefehlt hat. Die abgeklärte Rocknummer steht den Jungs aus Schweden einfach nicht und so tun sie gut daran den Hörer weiter mit Liedern wie „Pöease Please Please“ oder „100°“ zu versorgen.

Fast wie eine Notbremse kommt nun „There’s Nothing“, welches sich als gute Hälfte von „Comeback“ zeigen kann. Ohne Tempo, aber trotzdem rockig und mit verspielten Keyboardtönen lässt sich eine durchweg gute Atmosphäre herstellen. Zwar bleibt die These bestehen, dass die schnelleren, bunteren Songs die Stärke der Shout Out Louds sind. In diesem Sinne lässt sich der Albumtitel „Howl Howl Gaff Gaff“ gut vertreten. Wirklich laut schreien sie aber wirklich nicht, doch das Tempo wissen sie aufzunehmen, was mit „Hurry Up Let’s Go“ noch mal unterstrichen wird. Abgesehen vom nicht ganz überzeugenden Gesang an den höheren, lauten Passagen ist dies der mit stärkste (und kürzeste) Song auf der LP. „Shut Your Eyes“ ist insgesamt ein kleiner Wehrmutstropfen, da er, direkt auf den Vorgänger folgend, wie eine weichgespülte Version des so starken Songs erscheint. Der wohl beste Track folgt mit dem letzten Song „Seagull“. Das Keyboard wird hier vielseitig eingesetzt, Flörtentöne unterstreichen den Indiecharakter, eine beschwingte, liebreizende Akustikgitarre trifft auf eine punktiert eingesetzte E-Gitarre und Olenius Gesang ist diesmal ohne Zweifel perfekt eingesetzt. Ein sehr schöner Ausklang für ein Album, das wirklich hoffen lässt, auch wenn es noch die ein oder andere Schwächen auszubügeln gilt.

Anspieltipps:

  • Oh, Sweetheart
  • Hurry Up Let’s Go
  • Seagull

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