Alanis Morissette - Flavors Of Entanglement - Cover
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Alanis Morissette Flavors Of Entanglement


  • Label: Maverick/WEA
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Frei nach Dirk Matthies haben wir es also mit viel Licht und etwas Schatten zu tun.

Alanis Morissette (34), die Madame Merkwürden der Popmusik, wartet mit ihrem siebten Streich auf und außer ihren Fans scheint es niemanden mehr so wirklich zu interessieren. Denn in der Form der vergangenen Jahre ist die Kanadierin die nächste Kandidatin, die bei einem Majorlabel wegen Erfolglosigkeit den Hut nehmen darf, um sich entweder einem kleineren Label anzuvertrauen oder um ihre Musik in Eigenregie über das Internet zu verticken. Was ist da schiefgelaufen?

Nachdem noch heute der Mantel des Schweigens über die ersten, Anfang der 90er Jahre erschienenen Alben ausgebreitet wird („Alanis“ und „Now Is The Time“ waren billigster Teen-Dance-Pop), ging Morissettes Karriere mit „Jagged Little Pill“ (1995) raketenartig durch die Decke. Über 30 Millionen verkaufte Alben sicherten der damals 20-Jährigen frühzeitig die Rente und etablierten sie als wütende, energiegeladene Musikerin. Doch schon der Nachfolger „Supposed Former Infatuation Junkie“ (1998) räumte mit diesem Image auf. Alanis Morissette präsentierte sich gereift und von spirituellen Erfahrungen eines Indien-Aufenthalts geprägt.

Danach klang Morissettes Musik entsprechend verwandelt und ihr Auftreten wirkte immer etwas schrullig. Auch spätere Alben wie „Under Rug Swept“ (2002) oder „So-Called Chaos“ (2004) hatten bis auf die sehr direkten Texte weitgehend an Biss verloren. Die nochmalige Veröffentlichung von „Jagged Little Pill“ als Unplugged/Akustikversion (2005) kann im nachhinein betrachtet fast schon als hilflose Aktion gewertet werden. Denn für mehr als harmlosen Radiopop stand der Name Alanis Morissette zehn Jahre nach ihrem Durchbruch nicht mehr. Selten wirkte ein Popstar in so kurzer Zeit dermaßen gealtert und völlig aus der Mode wie die Kanadierin. Deshalb sollte jetzt so langsam etwas geschehen, wenn das Kapitel Alanis Morissette aus künstlerischer Sicht nicht geschlossen werden soll.

Mit der Verpflichtung eines Produzenten, der neue Einflüsse in das Songwriting der 34-Jährigen bringt, wurde zumindest ein erster Schritt gemacht. Guy Sigisworth, der schon Britney Spears, Madonna, Björk und den Sugababes auf die Sprünge half, stattete die Songs auf „Flavors Of Entanglement“ mit einer deutlichen Orientierung in Richtung elektronischer Musik aus. Die wie immer sehr offenherzigen Texte treffen auf düstere Synthie-Töne und atmosphärische Drum-Loops („Versions of violence“), fernöstliche Klänge flirten mit tiefergestimmten Nu-Metal-Gitarren („Citizen of the planet“), fette Beats aus der Sugababes-Ecke zerren den Hörer auf die Tanzfläche („Straightjacket“) und eine moderne TripHop-Variante („Moratorium“) wetteifert mit „Giggling again for no reason“ (könnte ebenfalls ein Sugababes-Track sein) um den Titel der größten Überraschung dieses Albums. Solche Neuerungen muss der Fan erst mal verdauen. Zum Beispiel mit klassischem Morissette-Stuff, der quasi als Ausgleich zwischen den Innovationen gereicht wird. Dazu zählen die erste Singleauskopplung „Underneath“ wie auch die nette Pianoballade „Not as we“. Musikalisch als auch inhaltlich peinlich wird es dagegen in Songs wie „In praise of the vulnerable man“ und „Torch“, die als biederer Hausfrauen-Pop daherkommen und Texte haben, die Frau Morissette besser für sich behalten hätte.

Frei nach Dirk Matthies haben wir es also mit viel Licht und etwas Schatten zu tun, hier im Großstadtrevier der Alanis Morissette. Dennoch überwiegt die Freude über ihren Mut, etwas Neues zu wagen, der Entscheidung, sich von einem stilfremden Produzenten wie Guy Sigisworth mitreißen zu lassen und alte Zöpfe abzuschneiden. Das gelingt zwar nicht auf ganzer Linie, aber ein vielversprechender Neuanfang ist mit „Flavors Of Entanglement“ definitiv geglückt!

Anspieltipps:

  • Tapes
  • Not as we
  • Underneath
  • Versions of violence
  • Giggling again for no reason
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