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Santogold Santogold


  • Label: Lizard King/Rough Trade
  • Laufzeit: 41 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

New Rave, Punk-Rock, Dancehall, Electro-Pop, Banghra, HipHop, Indie-Rock, Dub; genauso unvereinbar wie beim lesen, erscheint ein solcher Stil-Melting Pot akustisch, wenn er beliebig aneinandergereiht wird. Santogold, bürgerlich Santi White, ursprünglich aus Philadelphia, musikalisch geerdet und mittlerweile beheimatet in – wo sonst – New York, schafft aber das schier Unmögliche: ein heterogenes, gelungenes und Aufsehen erregendes Debütalbum daraus zu kredenzen.

Dass sich in Fachkreisen die Geburt einer neuen, „echten“ Queen of Pop anbahnte, ist einem Fingerzeig geschuldet, bei dem dieses Jahr scheinbar nichts schief gehen kann. Es ist das Jahr der in anderen Gewässern schwimmenden Hip Hop-Produzenten. Gnarls Barkleys Danger Mouse macht The Black Keys „Attack & Release“ zu einem der besten des Jahres und verhilft Beck auf „Modern Guilt“ zu einer ungeahnt kunstvollen Lethargie, die vielleicht eine Einleitung eines Spätwerks bedeutet. Spank Rocker Alex Epton tuned The Kills auf so sexy und zwingend wie nie zuvor, da kündigt sein MC Naeem Juwan großspurig an, an etwas ganz heißem mitzuwerkeln: Santogolds gleichnamigen Erstling.

Und heiß heißt hier einfach stark. Santogold gelingen spielerisch Unvereinbarkeiten. Wie viele Genres hier tatsächlich angetastet werden, ohne das sie wie schlechtes Chartplagiat klingen; völlig müßig festzustellen, wenn das Endergebnis so beeindruckend synthetisch zu Pop im besten Sinne des Wortes verschmilzt - ein typisch metropolitanes Können. Für Urgesteine der jeweiligen Sparte gewiss beängstigend, wie etwa „Lights Out“ leger losrockt, besser als es manche Mode-Garagenband je schaffen wird, nur um im nächsten Song einen befremdlichen Dancehall-Rausch zu feiern. Santi White hat den Finger am Puls der Zeit, soviel ist klar. Aber glücklicherweise hat sie eben auch das Talent daraus nicht nur Musik zu kreieren, die im Hier und Jetzt funktioniert und alsbald ihr Verfallsdatum erreichen wird. Sie legt ein Statement ab. Über 2008, über New York, über die schwierige und wundervolle, weite, weite Welt der Popmusik.

„L.E.S. Artistes“ gibt die Richtung vor: „What I’m searching for / To tell it straight, I'm trying to build a wall”. Und später: „Just leave me out you name dropper”. Denn das hier, ist ein ernsthafter Versuch einzufangen, wie es ist, dieses 2008, dieses New York, diese schwierige und wundervolle, weite, weite Welt der Popmusik. „You’ll Find A Way“ und „Say Aha“ schweben dabei über allem, „I’m A Lady” und „Unstoppable” dürfen auch nicht fehlen bei der Auflistung des Herausragenden. Einzig auf „Creator“ erinnert sie mal an jemandem: an ihre gute Freundin M.I.A. Und das ist nun wirklich kein Abstrich.

Anspieltipps:

  • L.E.S. Artistes
  • You’ll Find A Way
  • Say Aha
  • Lights Out
  • I’m A Lady

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