Scott Kelly - The Wake - Cover
Große Ansicht

Scott Kelly The Wake


  • Label: Neurot Records/CARGO
  • Laufzeit: 35 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Die von Neurosis bekannten, befreienden Ausbrüche fehlen hier doch arg.

Scott Kelly, Gitarrist und Sänger der Noise-Heroen von Neurosis, steht nach seinem Solo-Debüt „Spirit Bound Flesh“ (2001) nun mit seinem zweiten Streich als Singer/Songwriter im Akustikgewand vor der Tür, die einen in die Dunkelheit führt, doch genau dort so wunderbar fesselt. „The Wake“ heißt das Album, wird als „Folk Noir“ tituliert und bestätigt die Aussage von Scott Kelly: „The weather never changes in my world.“ Es lebt vom mal mehr, mal weniger schlichten Einsatz der Gitarre und der dunklen, rauen Stimme Kellys und klingt niedergeschlagen, um dennoch eine gewisse Tendenz zur Hoffnung zu wecken und in all der zurückgezogenen Traurigkeit eine Kraft zu finden, die aus tiefer Sehnsucht entsteht.

So zum Beispiel beim Opener „The Ladder In My Blood“, das von einer dringlichen Schlag-Technik an der Gitarre und gepresstem Gesang lebt. Zwischendurch werden die Saiten gezupft und erzeugen so eine beschwingte Momentaufnahme, welche vom durchdringenden Organ Scott Kellys auf den Boden der niederschmetternden Tatsachen zurückgebracht wird. Von einer intensiven Instrumentierung kann auf „The Wake“ in keiner Weise gesprochen werden, doch manchmal ist es auch einfach die Reduktion, die in Verbindung mit der pechschwarzen Ausstrahlung einiges ausgleicht und eine Eigendynamik entwickelt. So ist es zumindest im Falle des zweiten Solo-Albums vom Neurosis-Aushängeschild.

Ausladende Gitarren-Effekte setzen bei „Saturn´s Eye“ ihre Ausrufezeichen und lösen das akustische Gewand durch einschneidende E-Gitarren-Dominanz ab, ohne den angenehm kargen Pfad zu verlassen. Das ist dann aber auch fast die einzige Regung, die sich um Abwechslung bemüht und so stagniert das Werk im weiteren Verlauf in der mittlerweile wohl bekannten Form aus reduziertem Gitarren-Einsatz und der prägnanten Stimme. Für sich genommen sind diese Elemente stimmungsvoll und bestechen auch mit einer dichten Atmosphäre, doch die von Neurosis bekannten, befreienden Ausbrüche fehlen hier doch arg und so macht man es sich gemütlich in diesem Singer/Songwriter-Kontext, der auf Dauer einfach zu wenig ist, um einen Suchtfaktor zu erzeugen.

Anspieltipps:

  • The Ladder In My Blood
  • Saturn´s Eye
  • Remember Me

Neue Kritiken im Genre „Singer/Songwriter“
Diskutiere über „Scott Kelly“
comments powered by Disqus