Brant Bjork - Punk Rock Guilt - Cover
Große Ansicht

Brant Bjork Punk Rock Guilt


  • Label: Low Desert/CARGO
  • Laufzeit: 47 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Jedem sein Stoner-Rock-Held. Josh Homme gleichermaßen für die Festivalmassen, wie für die nach bleibenden Rockgehalt forschenden Musikjournalisten, Brant Bjork für den Underground und die nichtkommerzialisierbare „Musik darf nichts mit Geld verdienen zu tun haben“-Fraktion. Die Weggabelung beider Teenagerfreunde: das Ende ihrer Stil prägenden Erstformation Kyuss, die beide wie ein Gespenst verfolgt und stoner rockend zu ettiketieren und kategorisieren sucht. Nur will jenes Schubladendenken längst nicht mehr greifen, bei Herrn Bjork, wie bei Herrn Homme, es sei denn man interpretiert den Genrebegriff wesentlich flexibler. Allein schwerfällige Hypnoseriffs im Kopfnickertakt bekommt man von den QOTSA-Vorreitern, als auch Mr. Cool himself schon lange nicht mehr serviert.

Und wieder wabern wir mit „Punk Rock Guilt“ in den Sphären des 70er Jahre Roots Rock; melodiös, locker, eben jener Sound, der vor Black Sabbath und ihrer Stoner Rock Einführung einige Jahre herumspukte und der Brants Platten seit geraumer Zeit wie aus dem Jahre 1971 erscheinen lässt. Ein Tick weniger bluesy diesmal, dafür zart punkiesker. Brants Style ist schon seltsam einmalig seit einigen Jahren: selbst wenn er punkrockt ist er smoove wie die coolste Sau aus Los Angeles. Viel passiert ist bei der Genre-Ikone im letzten Jahr: seine jahrelange Band, wie wir sie kennen, The Brothers, ist nicht mehr, Drums und Leadguitar müssen sich neu einjamen, ein neues, wiederum eigenes, Label aus der Taufe gehoben, Brant selbst zieht nach Barcelona und wieder zurück nach Kalifornien innerhalb eines Jahres.

Der Zeitpunkt also günstig, die von ihm so bezeichneten New Jersey Sessions aus dem Jahre 2005 vorzuholen, ein Studioaufenthalt, in dem er sämtliche Instrumente selbst eingespielt hat und Dave Raphael, wie schon bei „Keep Your Cool“, produzierend zur Seite stand. Mit Rockjams eröffnet und schließt diese solid starke Platte. „Dr. Special“, ach eigentlich fast alle Bjork-Songs, propagieren die Simplizität des Rock’n’Roll: ein Riff, raus damit, die Hookline frisch, pur, offen servieren, und dann wird diese Coolness, dieses Gefühl dreieinhalb Minuten leicht variiert durchgeritten und mit zurückgelehnter Lässigkeit langsam und unaufgeregt „Yeah“ in Richtung Abendsonne gedacht. Die Platte ist mit nichten hart oder gar punk, aber ihr wohnt mehr druck inne als vor allem der letzte Release mit den Brothers. „Shocked By The Static“ holt den längst vergangenen Pop-Appeal der „The Operators“-Scheibe hervor. „Born To Rock”, wie auch „Lion One”, sind in anderen Versionen vorher veröffentlicht und in den thematischen Albumrahmen gesteckt. „Locked And Loaded“ entlarvt ihn als unverbesserlichen Rockoptimisten.

Die Wege die Homme und Bjork eingeschlagen haben könnten kaum unterschiedlicher sein. Der Eine wollte und macht Geld mit seiner Musik, weil Gutes wert ist, sich unabhängig von Knebelverträgen durchzusetzen. Der Andere verabschiedete sich, weil zu viele Musiker heutzutage genau diese Absicht zu verbittert verfolgen, immer wieder aus Bands, wie von Freunden, liebt das Musik machen aber zu sehr und findet ergo doch Wege sie unabhängig und frei zu veröffentlichen. Wie auf „Saved By Magic“ lässig dahingenuschelt: „I got no money ’cause i’m playin’ in a rock’n’roll band“ – exakt DAS ist Brant Bjork, auf „Punk Rock Guilt”, wie auf all seinen anderen Alben. Josh Homme ist das Gegenteil. Der Ausgangspunkt - Liebe zur Musik, way of life – identisch.

Anspieltipps:

  • Dr. Special
  • Shocked By The Static
  • Locked And Loaded
  • Punk Rock Guilt

Neue Kritiken im Genre „Stoner-Rock“
Diskutiere über „Brant Bjork“
comments powered by Disqus