Lützenkirchen - Pandora Electronica - Cover
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Lützenkirchen Pandora Electronica


  • Label: Great Stuff/Groove Attack
  • Laufzeit: 209 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

„Pille, Palle, alle Pralle / Druff, druff druff, druff, druff / Verpeilt und verschalert, alle verballert / Druff, druff, druff, druff, druff“ – Wer mit dieser Textzeile nichts anfangen kann, darf sich jetzt gerne nach einer anderen Beschäftigung umschauen. Allen anderen, der dieser köstliche Nonsenstext aus Tobias Lützenkirchens Electro-Hit schon seit Monaten nicht mehr aus dem Schädel geht, dürfen ihre Ohren jetzt für das Debüt des deutschen Dj´s aufsperren, der hinter dieser musikalischen, wie auch lyrischen Attacke steckt. Wer auf „Pandora electronica“ allerdings weitere Ableger im Stile des kontroversen „3 Tage wach“ erwartet, ist schief gewickelt, denn so unglaublich bzw. unerwartet massenkompatibel die Top 15-Single des Deutschen auch war, auf einen Hit wie diesen will er sich nicht beschränken lassen.

Diesem Umstand wirkt Lützenkirchen mit einer kratzenden und fiependen Melange aus Trance, Techno, House, Electro und Rave entgegen und zeigt, dass sich jahrelange Erfahrung doch bezahlt macht. Ruhig und ausgeglichen beginnt er dann mit „For a friend“, dass in das düstere, aber durchaus tanzbare „Smack my pony“ mündet, welches vom lautstarken „Super duper“ abgelöst wird, dass die allgegenwärtige Rave-Ästhetik im Werk des DJ´s durchblicken lässt. Mit piependen Synthies und Breakbeat-Samples schmeißt „The end of chords“ einen auf die Tanzfläche, während „Casa cadabra“ und „One night in Rio“ einen Abstecher in Trance-Gefilde machen, durch die etwas zu aufgesetzte, abendländische Sonnenuntergangs-Melodie in beiden Stücken aber eher langweilen als Interesse wecken.

Dafür rückt „Bahia melody“ mit subtileren Methoden in progressiveres Terrain vor und darf sich im Anschluss von „Panker“, das neben einem gnadenlos peinlichen Disco-Sample (positiv gemeint) wieder mehr dem Electro House frönt, ablösen lassen. Mit abgehackten Riffs geht Lützenkirchen in „Hypnotized“ ans Werk und erhöht das Tempo um das Rave durchflutete „Cairo on acid“ und „Leer aber Techno“ (mit bedrohlich wirkenden Beats) nicht in der Luft hängen zu lassen. Doch gerade mit dem eigensinnigen „3 Tage wach“ reißt der DJ den sorgsam aufgebauten Spannungsbogen auseinander und schiebt schnell das sich behutsam aufbauende Trance-Stück „A whisper in the wind“ nach, das die Kohlen aber nicht zur Gänze aus dem Feuer holen kann. Hier wäre wohl besser gewesen, den Überraschungshit des Deutschen einfach wegzulassen oder zumindest gleich an den Schluss des Albums zu stellen.

Wie dem auch sei, „Pandora electronica“ ist ein aufgeschlossenes Werk elektronischer Musikkultur und verwebt wie kaum ein anderes Album die unterschiedlichsten Stile konsequent und sinnvoll miteinander. Trotzdem hätte Lützenkirchen die ausgelutschten Samples bzw. Melodien in „Casa cadabra“ oder „One night in Rio“ nicht gebraucht um seinen Stücken einen Wiedererkennungswert zu geben, denn vor allem die eigenständig klingenden Tracks sind seine Stärksten. Glücklicherweise macht er nicht den Fehler, wie viele ambitionierte DJ´s vor ihm, sein Album in einem kompletten Mix durchlaufen zu lassen, was den Songs nicht nur durch viele unterschiedliche Bassläufe zugute kommt, sondern ebenfalls einen wesentlich geschlosseneren Eindruck macht. Wer auf so etwas aber trotzdem nicht verzichten möchte, für den ist die „kleine“ Draufgabe des Deutschen genau richtig. Auf einer zweiten CD bietet Lützenkirchen nicht nur 25 Stücke seiner bisherigen Tätigkeit als Produzent elektronischer Musik an, sondern bringt diese in einem 2-stündigen Mega-Mix unter. So etwas nennt man dann wohl „Value for money“.

Anspieltipps:

  • Hypnotized
  • Smack My Pony
  • Leer Aber Techno
  • The End Of Chords

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