Communic - Payment Of Existence - Cover
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Communic Payment Of Existence


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Rezension des letzten Albums warf die Frage auf, ob Communic ihr Pulver bereits verschossen haben. „Payment of existence“ gibt darauf keine eindeutige Antwort. Auf das sensationelle Debütalbum folgte ein bemüht klingender Nachfolger, der den Eindruck erweckte, die Norweger wollten, aber konnten qualitativ nicht an „Conspiracy in mind“ (2005) anknüpfen. Vielleicht lag es auch daran, dass „Waves of visual decay“ (2006) viel zu schnell erschien. Ein kurzes Jahr ist im Allgemeinen nicht ausreichend, um ein gehaltvolles Album zu schreiben. Insofern durfte man berechtiger Hoffnung sein, dass Communic, die sich mit „Payment of existence“ zwei Jahr Zeit ließen, wieder zu alter Stärke zurückfinden.

Leider zerschlägt bereits der Opener „On ancient ground“ jedwede Hoffnung. Man muss sich wohl damit abfinden, dass Communic nicht mehr zu der melodischen Verspieltheit und Frische des Debüts zurückkehren. Stattdessen findet der Härtegrad des Vorgängers in ungleich größerer Präsenz seine Fortsetzung. Insofern hängt der Eindruck, den man von „Payment of existence“ gewinnt, sehr stark von der individuellen Fähigkeit ab, Vorurteile zu überdenken und Erwartungen anzupassen. Ist man dazu in der Lage, kann man nämlich großen Gefallen daran finden, denn unbestreitbar liefern die Norweger hier ein technisch ausgefeiltes Werk ab, das in seine Machart sehr reif und streckenweise überaus stark klingt. Nun ist Reife aber auch gleichbedeutend mit dem Ende einer Entwicklung. Wer erwachsen ist, kann nicht noch erwachsener werden. Er altert, bekommt Falten und langweilt oder nervt seine Umgebung. „Payment of existence“ ist wie Bruce Willis. An der Schwelle zum Rentenalter, immer noch fit und gutaussehend, aber Überraschungen sollte man keine mehr erwarten.

Der letzte „Stirb langsam“-Film war eine sehenswerte Fortsetzung, aber hält ihn irgendjemand für einen Maßstäbe setzenden Actionfilm? Wer die Frage mit Ja beantworten kann, wird wohl auch „Payment of existence“ für eine Offenbarung halten, alle anderen erkennen lediglich nickend die Klasse des Albums an um gleich den nächsten Actionfilm bzw. das nächste Thrash-Metal-Album einzulegen. Bleiben wir noch ein wenig im Bild. „Live free or die hard“ hatte ein paar schicke Sequenzen zu bieten. Wie Bruce Willis mit einem Auto einen Helikopter vom Himmel holt, war schon sehenswert. Die musikalische Gegenstücke dazu finden sich beispielsweise in „Becoming of man“, das nach den beiden nahezu identisch klingenden ersten Tracks tatsächlich einen gewissen Wiedererkennungswert aufweist. Auch mit dem Titelsong zeigt sich das Album von seiner besseren Seite. Vor Allem die Gesangslinien stechen hevor. Schade nur, dass das nicht durchgehend gilt. Die meisten anderen Songs könnte man in einen Topf schmeißen, umrühren und hätte am Ende genau dasselbe. Ein wenig mehr Ideenreichtum wie im peitschenden „Unpredictables of life“ (das Break nach etwa 4 Minuten und der daran anschließende Schlussteil verdient die Bezeichnung göttlich) wäre wünschenswert gewesen.

Fazit: das dritte Album gilt gemeinhin als entscheidend für die zukünftige Bedeutung einer Band. „Payment of existence“ entzieht sich aber eines eindeutigen Urteils, so dass Prophezeihungen schwer fallen. „Waves of visual decay“ ist es eine Nasenlänge voraus, zieht aber im Vergleich mit „Conspiracy in mind“ klar den Kürzeren. Einzelne Momente treiben Freudentränen in die Augen, aber einzelne Momente reichen weder in Filmen noch auf Alben aus, um rundum glücklich zu machen. Communic sind schon technisch viel zu gut, um im Mittelmaß zu versinken, um aber zur Elite zu gehören, braucht es mehr als ein paar gute Ideen. Man darf gespannt sein, ob der vierte Teil eindeutigere Antworten gibt.

Anspieltipps:

  • Becoming of man
  • Payment of existence
  • Unpredictables of life

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