Leserkritiken zu
Communic - Payment Of Existence

  • Progressive Metal
7.5/10 Unsere Wertung
6.2/10 Leser Stimme ab!

06.06.2008 - 20:25 Bugi Mit dem modernen Klassiker "Conspiracy in Mind" zeigten die drei Norweger unter der Leitung von Mastermind Oddleif Stensland wie progressiver Power/Thrash Metal der Marke Nevermore sich anzuhören hatte. Vergleiche mit Nevermore waren berechtigt, aber mit dem zweiten Release "Waves Of Visual Decay", das die Vorrangstellung der Norweger unterstrich. Innerhalb eines Jahres gleich zwei Alben zu veröffentlichen, bewieß die hohe Ideenrate, die Leadsänger Oddleif hat. Für das neue Album ließ die Band sich zwei Jahre Zeit. Zwei Jahre, in denen sich viel getan hat: Oddleif ist mittlerweile Vater und sein Großvater verstarb. Daher stellte er sich die Frage: Was ist der Preis für unsere Existenz? Quasi unsere "Payment Of Existence"...

Der Opener "On Ancient Ground" prescht stark los und zeigt die Norweger in nie da gewesener Härte. Sehr einprägsam gestaltet, mausert sich der Song zu einem der besten des ganze Albums und muss sich vor "Under A Luminous Sky" und "Conspiracy in Mind" nicht verstecken. Was der Opener andeutet, wird im zweiten Track weitergeführt. Härte trifft auf Progressivität. Hier fällt zum ersten Mal wirklich auf, dass Oddleif sein Stimmvolumen deutlich vergrößtert hat. Rauer und ungeschliffener kommt seine Stimme durch die Boxen. "The Abandoned One" bleibt aber deutlich hinter seinem Vorgängersong zurück. Der Titeltrack mit seinem heavy Intro wird sehr baladesk weitergeführt und verschafft Gänsehaut durch Oddleifs grandios gesunge Passage "...and payment for your soul". Ein wirklich schöner Moment, die auf "Payment of Existence" leider ein wenig rar gesät sind. Insgesamt setzt das Trio auf mehr Keyboardeinsätze (meist in Form einer Geige), mehr Chöre und Doublebass. Dadurch kommt die Verspieltheit doch ein wenig zu kurz (Vergleich: Dream Theater - Train Of Thought). Die Atmosphäre ist schön düster gehalten, allerdings ist man von einer Endzeitatmosphäre á la Symphony X oder Moonspell ein Stück entfernt. "Through the Labyrinth Of Years", der bisher kürzeste Song der Bandkarriere, besticht durch seine Eingänigkeit und seine Keyboardeinsätze. Der Song strahlt eine starke Dynamik aus, wie der gleichnamige Track auf "Waves of Visual Decay". Und mit Song 6 kommt auch schon die so lang ersehnte Ballade zum Einsatz. Die hört auf den Namen "Raven's Cry" und enthält sehr viele von den oben angesprochenen "Magic Moments". DAS Highlight der ganzen Platte. Der letzte Song "Stone Carved Eyes" ist der härteste auf "Payment of Existence". Allerdings vermisst man hier das epische Schlusslied, das die zwei Vorgängeralben enthielt. "Silence Surrounds" war das abschließende Highlight des Debüts inklusive düstere Endzeitstimmung. So auch "At Dewy Prime" vom Zweitling, der durch seine großartige Dynamik die Spannung innerhalb des Songs aufrechterhielt und von der Besiedlung eines neuen Landes erzählt.

Communic besiedeln wahrlich neues Land. Sie verändern sich, wenn auch nur in Details, was den ganzen Stil der Band festigt. Spieltechnisch sind die Norweger sowieso schon in der Königsklasse und man hört die Spielfreude auch. Allerdings vermisse ich doch deutlich die Detailverliebtheit der beiden Vorgängeralben. "Payment Of Existence" gestalltet sich insgesamt härter und eingängiger als alle anderen Alben zuvor. Es ist aber auch gemein: von den Norwegern erwartet man kleine Wunderwerke, die teilweise auf dem Neuling (Raven's Cry, Payment Of Existence) enthalten sind. Jedoch kann die Erwartungshaltung nicht ganz befriedigt werden. Somit lässt mich "Payment Of Existence" auch nach dem x-ten Durchlauf auf mehr hoffen, was leider nicht kommt.
"Payment of Existence" ist gut, vielleicht sogar grandios, aber von Communic erwartet man sich einfach mehr. Ich bin aber schon gespannt, was die Norweger in weiterer Zukunft noch vorhaben und ob man den eingeschlagenen Weg (härter und eingäniger) beibehält. Bis dorthin reicht es aber noch für 8 Punkte.

8/10

03.06.2008 - 22:17 Leander Pokorny Schon seit erscheinen des Debüts „Conspiracy in Mind“ müssen sich die Prog-Metaller von Communic den Vorwurf, sich wie eine Kopie von Nevermore anzuhören, gefallen lassen. Mit Album Nummer drei hat sich nun jedoch noch eine weitere Rüge hinzugesellt, nämlich die, lediglich das Erstlingswerk zu kopieren, was dann quasi als „Stagnation auf hohem Niveau“ zu bezeichnen wäre.

Dieser Meinung kann ich mich nicht wirklich anschließen hat sich doch, nicht nur gesangstechnisch, eine Menge getan seit „Waves of Visual Decay“. Schon der Opener „On Ancient Ground“ macht klar dass Communic nicht nur an Härte zugelegt haben, sondern gleichzeitig auch melodiöser und eingängiger geworden sind. Auch, „The Abandoned One“, der zweite Track der Platte, bestätigt dieses neue Konzept. Durch einen, im Vergleich zu den Vorgängeralben untypisch linearen Aufbau, besitzt es sogar eine Art Refrain und bleibt so sofort im Kopf hängen. Mit „Becoming of Man“ folgt anschließend der wohl düsterste Song der Platte an dritter Stelle, der atmosphärisch stark an „Frozen Asaleep in the Park“ erinnert. Auch der titelgebende Track Nummer Vier besitz durch seinen komplexen Aufbau gewisse Parallelen zum älterern Material der Norweger, während der darauf folgende Song „Through the Labyrinth of Years“ mit seinen lediglich 5:46 Minuten Laufzeit der bislang kürzeste Titel in der Bandgeschichte ist. Ähnlich wie „The Abandoned One“ ist auch dieser Track sehr gradlinig und daher enorm einprägsam. Mit dem eher gemächlichen „Raven´s Cry“ folgt anschließen einer der stärksten Momente des Albums sowohl textlich als auch musikalisch. Wie schon bei „They Feed on our Fear“ versteht es der Bandchef und Gitarrist Oddleif Stensland typisch norwegischen Flair, in diesem Fall mit einer teils recht heftigen Doublebase unterlegt, zu verbreiten.
Als Track Nummer sechs gehört „Undpredictables of Life“ ebenfalls zu den eingängigen Stücken des Albums, welches anschließlich mit dem neun minütigen „Stoned Carved Eyes“ untypisch hart beendet wird. Besonders überraschend ist hier der durchaus positive Text der von Neuanfang und Aufbruch handelt.

Alles in allem ist Communic mit „Payment of Existence“ ein ausgezeichnetes Album gelungen, das sich jedoch stilistisch in einigen Bereichen von seinen Vorgängern entfernt. Im direkten Vergleich zum bockstarken Debut und dem nicht minder schwachen „Waves of Visual Decay“ liegt die dritte Scheibe der Norweger zwar um Haaresbreite zurück, macht aber gleichzeitig enorm gespannt auf die weitere Entwicklung dieser Ausnahmemusiker.

9/10