Disturbed - Indestructible - Cover
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Disturbed Indestructible


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Verdammt! Wie sehr hatte man gehofft, dass Disturbed mit dem Nachfolger zum grandiosen „Ten thousand fists” (09/2005) nicht denselben Fehler machen, der schon mit „Believe“ (09/2002) begangen wurde – nämlich einen lauwarmen Abklatsch des Vorgängers abzuliefern. Doch leider. „Indestructible“ ist in vielerlei Hinsicht nur eine Kopie der 2 ½ Jahre zurückliegenden „10.000 Fäuste“ und bietet für den Hardcore-Fan anfänglich wenig bis kaum Neues aus dem Lager der Chicagoer. Dabei bereitete die erste Singleauskoppelung eigentlich Grund zum Jubeln. Zwar gibt es auch bei „Inside the fire“ einige Querverweise zum restlichen Werk von David Draiman (Gesang), Dan Donegan (Gitarre), John Moyer (Bass) und Mike Wengren (Schlagzeug), doch in der Art und Weise wie Draiman zu Beginn cool und lässig ins Mikro lacht, dem Hörer anschließend den Text um die Ohren schmettert, während im Hintergrund die Rhythmusabteilung von Disturbed für einen herrlichen Groove sorgt, ließ zumindest hoffen, dass Album Nummer 4 weniger ein Aufguss von Altbekanntem wird statt einer Besinnung auf die Stärken der Band.

In diesem Sinne ist der Opener „Indestructible“ für Fans der ersten Stunde sicher eine große Enttäuschung, werden natürlich sofort Erinnerungen an das grottige „Believe“ wach, das neben einer dünnen Produktion nicht nur äußerst schwach auf der Brust war, sondern auch im Songwriting erhebliche Mängel aufzuweisen hatte. Doch zum Glück gibt es einige Lichtblicke, die ein zweites Missgeschick dieser Art abwenden, was nicht nur an der kompakten Abmischung durch Neal Avron (Fall Out Boy, New Found Glory, Everclear) oder am unvergleichlichen Organ von Draiman liegt, sondern ebenso am spät einsetzenden Veränderungswillen der Amerikaner. Denn obwohl mit „Deceiver“, „The night“, „Perfect insanity“ (mit genialem Schlussteil), „Haunted“ und „Enough“ (erinnert stark an „Violence fetish“ vom Debüt) die Ideen des Vorgängers aufgegriffen und lediglich halbherzig abgeänderte Songs präsentiert werden, so schütteln die Gestörten ab „The curse“ wider Erwarten eine Granate nach der anderen aus dem Ärmel.

Mit Tribal Drumming und einer gut aufgelegten Darbietung von Gitarrist Donegan versetzen Disturbed dem Hörer nicht nur einen saftigen Tritt in den Arsch, sondern belehren ihn nebenbei noch eines Besseren, denn sowohl der geradezu düstere Beitrag „Torn“, als auch das anfangs bekannt klingende „Criminal“ mausern sich zu eigenständigen Stücken im Kosmos des Vierers. Im Anschluss erschlägt einen erst einmal die Doublebass von Wengren, der sich in „Divide“ perfekt in Szene setzt. Eine dermaßen harte Vorstellung ist man von Disturbed gar nicht gewöhnt! Abgerundet wird der Song durch ein klassisches Gitarrensolo und den schmetternden Vocals Draimans, wodurch der Track neben „Inside the fire“ zu einem großen Favoriten auf der Scheibe wird. Das abschließende „Facade“ lässt in der ersten Minute erneut einige bekannte Melodien aufblitzen, schlägt danach kurz in eine elektronische Richtung aus, kehrt wieder zur Grundidee zurück, fährt in weiterer Folge mit einem fabelhaften Solo aus den Boxen und fügt diese einzelnen Komponenten zu einem sinnvollen Ganzen, wodurch ein unerwartetes Schmunzeln im Gesicht zurückbleibt.

Also doch alles in Butter bei den vier Amis? Nun ja, nicht ganz. Schließlich täuscht die unglaublich starke zweite Hälfte über die sechs verschenkten Möglichkeiten (Titeltrack mit eingerechnet), die wie im Halbschlaf nach „Inside the fire“ runtergespielt werden, natürlich nicht zur Gänze darüber hinweg, dass bei „Indestructible“ wesentlich mehr drin gewesen wäre. Allein „Divide“ (unerwartet hart) oder „Facade“ (mit elektronischen Einsprengseln) zeigen, was herauszuholen gewesen wäre. Vielleicht dürfen wir diese neuen Seiten ja auf der nächsten Scheibe statt einem weiteren Aufguss bewundern. Wünschenswert wäre es für die Band und die Fans allemal.

Anspieltipps:

  • Torn
  • Divide
  • Facade
  • The Curse
  • Inside The Fire

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