Aimee Mann - @#%&! Smilers - Cover
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Aimee Mann @#%&! Smilers


  • Label: Superego Records
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Von einer neuen Aimee Mann-Platte erwartet der jahrelange Fan keine Innovationen. Das war womöglich auch der Grund wieso „The forgotten arm“ (05/2005) beim treuen Stammpublikum der mittlerweile 47jährigen Sänger/Songschreiberin aufgrund der flotteren Herangehensweise, spärlich gesetzten Hoffnungsschimmern und vielen unterschiedlichen Facetten nicht so gut wegkam wie „Lost in space“ (09/2002), der düstere und melancholische Vorgänger. Nach dem Weihnachtsalbum „One more drifter in the snow“ (10/2006) beruft sie sich mit „@#%&! Smilers“ wieder verstärkt auf ihre pessimistische Ader und erzählt von mehreren Einzelschicksalen aus ihrem Umfeld in Los Angeles und „düsteren, exzentrischen Persönlichkeiten“, von denen sie stets angezogen wird, wie sie selber sagt.

Dennoch eröffnet ihr sechstes Solo-Studioalbum (sieht man vom Magnolia-Soundtrack aus 1999 und der Weihnachtsplatte einmal ab) mit „Freeway“, einem aufgeweckten Gitarren-Popsong, der gut und gerne nachmittags neben den üblichen Verdächtigen im regionalen Radio laufen könnte. „Stranger into starman“ schlägt dafür sofort in die entgegengesetzte Richtung und konzentriert sich völlig auf Manns Stimme, behutsamen, fast nicht wahrnehmbaren Streichern im Hintergrund und einer schlichten, von einem Klavier getragenen Melodie, während Aimee in „Looking for nothing“ die Moll-Akkorde auspackt und zu einer weiteren Geschichte in ihrer Liedersammlung, wie sie „@#%&! Smilers“ nennt, ausholt. Spätestens jetzt sind die größten Überraschungen und der schwierigste Teil, der bei einem Werk der Ex-Young Snakes-Sängerin darin besteht überhaupt hineinzufinden, an Album Nummer 6 überwunden, denn ab „Phoenix“ liefert Mann hochwertiges, aber teilweise leider vorhersehbares Singer/Songwritergut ab, das vor allem im Rückblick auf die restliche Diskographie der Dame etwas blass bleibt.

Sicherlich benötigt der Hörer ein Faible für den unaffektierten Erzählstil, die tiefe Stimme und die meist spärlich instrumentierten Songs um eine Platte von Aimee Mann überhaupt attraktiv zu finden, was an sich schon für jeden Kenner der Songschreiberin ein Qualitätssiegel ist, aber trotz einem hervorragenden Gespür für Melodie und Text, sowie den gewohnt sarkastischen Untertönen gibt es hier nicht viel zu entdecken, was nicht schon auf einem der Vorgänger aufgefallen wäre. Dennoch bleiben Nummern wie „Little tornado“, in denen die Songs auf Manns unvergleichliche Stimme vertrauen und eine knisternde Atmosphäre generieren, die von einem ganzen Orchester nicht in dieser Pracht, Wehmut und Aussichtslosigkeit dargestellt werden könnten, die am längsten benötigen bis sie zünden und letzten Endes die größte Halbwertszeit aufweisen. Dort blitzt die Genialität der Amerikanerin am meisten durch. Der Rest ist ambitionierter Singer/Songwriter Folk-Pop, wie er in dieser Pracht schon sehr selten geworden ist, aber mit „@#%&! Smilers“ lediglich einen Feinschliff bekommen hat.

Anspieltipps:

  • Little Tornado
  • Borrowing Time
  • Looking For Nothing

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