Terror - The Damned, The Shamed - Cover
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Terror The Damned, The Shamed


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 31 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn sich eine Band den Namen „Terror“ zulegt, sollten sich die Mitglieder darüber im Klaren sein, was die Zuhörer vermutlich davon erwarten: Gewaltige Riffs, eine einschlagende Stimme, durchaus auch den einen oder anderen sozialkritischen Text und außergewöhnliche Rhythmen. Die US-Amerikaner, die sich genau jenen Namen zu Eigen gemacht haben, erfüllen diese Anforderungen auf ihrem 3. Studioalbum nur bedingt. Nachdem sie sich im Jahr 2000 gründeten, machte sich die damals vierköpfige Formation schnell einen Namen in der Hardcore-Szene. 2004 erschien dann der erste bei einem amerikanischen Label veröffentlichte Longplayer, von dem gleich einmal 40.000 Stück über den Ladentisch gingen. Nur zwei Jahre später erschien der Zweitling, welcher in den Billboard-Charts bis auf Platz 10 nach oben schoss. Auf der neuesten Scheibe ist von der Urbesetzung lediglich noch Sänger Scott Vogel übrig geblieben. Aus dem Quartett wurde eine fünf Mann starke Truppe, da ein weiterer Gitarrist hinzukam. All das sollte aus Sicht des Sängers für eine größere musikalische Bandbreite sorgen, nur hat diese Überlegung wirklich gefruchtet?

Der Opener „Voice of the damned“ jedenfalls ist Hardcore durch und durch. Das Schlagzeug fliegt einen nach kurzem Intro sprichwörtlich um die Ohren, die Gitarren spielen dabei für diese Musikrichtung durchaus anspruchsvolle Riffs und das aggressive Organ Vogels tut sein übriges zum Gesamtbild des anspruchsvollen Hardcores mit Metaleinflüssen. Jedoch fällt einem schon beim dritten Song „Betrayer“ das Hauptproblems des Albums auf: Blendet man die Stimme aus, hört man wunderbar inszenierten Thrash-Metal, hier sogar mit einer cleanen Passage, was ja durchaus positiv ist. Jedoch passt Scotts Stimme nur sehr bedingt zu den langsameren, differenzierten Klängen, denn dafür ist sie einfach zu einseitig. Man wünscht sich, dass er es probieren würde, die Ebene des durchgebrüllten Gesangsstils zu verlassen und andere Dinge auszutesten. Doch da die Band ja auf vielerlei Anfragen weiterhin stramm und fest behauptet, sie würde reinrassigen Hardcore machen, wird es wohl noch etwas dauern, bis sie zu dieser Einsicht gelangen. Auch in „Never alone“ lauscht man im Hintergrund anspruchsvollen Songstrukturen, während sich Vogel im Vordergrund abmüht, seine unpassenden Shout-Vocals zum Besten zu geben. Viele weitere Beispiele der Platte, bei denen man diese Problematik spürt, würden sich noch anführen lassen, aber das soll an dieser Stelle genügen.

Natürlich findet man fernab all dieser Thrash-Metal-Anleihen auch klassisches Material. Bei „What I despise“ etwa werden einem zu einem schnellen, durchhämmernden Schlagzeugrhythmus die Wörter nur so um die Ohren geschmissen. Genauso muss guter Hardcore sein, kurz schnell und prägnant. Dabei sollte erwähnt sein, dass keiner der Titel die 3-Minutengrenze erreicht, was für diese Musikrichtung ja auch nicht ungewöhnlich ist. Jedoch hätte es sich vor allem vom instrumentellen Kontext her durchaus angeboten, die Songs hier und da etwas auszudehnen. „Crush what’s week“ beispielsweise vermittelt das Gefühl, das der Producer nicht den kompletten Song kopiert hat. Man findet am Ende lediglich einen abrupten Cut und aus ist das Stück. Ein Song, wo die angesprochene ausgefeilte, langsamere musikalische Begleitung wirklich gut mit der Stimme harmoniert, ist „March of redemption“.

Leider findet man derartiges zu selten auf dem neuesten Werk der Amerikaner. Würde Sänger Scott Vogel sich irgendwann zum neuen Musikstil bekennen und sich mit seinem Gesang anpassen, könnte man sicherlich noch einige richtig gute Scheiben erwarten. Auf „The damned, the shamed“ jedoch bekommt man eine Band präsentiert, bei der man das Gefühl hat, dass sie nicht so recht weiß, wo sie mit ihrem Stil hin will und mit ihrer gewachsenen musikalischen Bandbreite einfach überfordert ist

Anspieltipps:

  • Voice of the damned
  • March of redemption

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