Cryptopsy - The Unspoken King - Cover
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Cryptopsy The Unspoken King


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 57 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Besetzungswechsel bei einer Band fast immer auch mit einem veränderten Musikstil einhergehen, ist nicht ungewöhnlich. Vor allem ein anderer Sänger sorgt da häufig für neue musikalische Wege. Dass man sich als Band aber dann um nahezu 180 Grad dreht, kann in der Fanszene verständlicherweise für einen Aufschrei sorgen. Nicht anders wird es vermutlich Cryptopsy mit ihrem neuesten Werk „The unspoken king“ gehen. Nachdem sich die Truppe im letzten Jahr zum zweiten Mal von Sänger „Lord Worm“ trennte und anschließend mit Hilfe der Stimme ihres langjährigen Saiten- und nun auch Mikrofonquälers „Alex Auborn“ begann, ein neues Album aufzunehmen, wird zwar sicherlich vielen Fans schon klar gewesen sein, dass es eine gewisse Weiterentwicklung und Veränderung in dem Musikgefüge der Kanadier geben muss, aber das was man hier zu hören bekommt hat wohl keiner erwartet.

Dabei beginnt zunächst alles fast so wie früher: Im Opener „Worship your demon“ wird das Schlagzeug durchgehämmert und feinster Death Metal lässt grüßen. Die Stimme ist natürlich ungewohnt und auffallend weniger tief als Lords Organ, harmoniert jedoch gut mit den Arrangements dieses Stückes. „The headsmen“ hält das Tempo weiter auf einem hohen Level und der „neue“ Sänger zeigt auch die tieferen Facetten seiner sehr abwechslungsreichen Stimme. Auch „Silence the tyrants“ lässt uns weiter in dem Glauben, dass man ein reinrassiges Death-Metal-Album in den Händen hält, wenn sich auch hier schon der eine oder andere Heavymetal-Rhythmus einschleicht. Doch dann steht „Bemoan the martyr“ auf dem Programm: Schon das eigenwillige leicht elektronisch angehauchte Intro lässt aufhorchen. Dann setzt die Stimme ein, eine clean, dabei allerdings geradezu erschreckend gut gesungene Stimme. Im weiteren Verlauf entwickelt sich das Lied zu einem unerwartet guten Metalcore-Stück mit vielen Rhythmuswechseln und heißen Riffs. Noch krasser wird der neue Einschlag in „The plagued“ deutlich. Die cleane, in Nuancen mit Bon Jovi (!) vergleichbare Stimme überschattet diesen modernen Metalcore-Song in ganzer Breite. Man findet natürlich auch hier schnelle Death-Metal-Passagen vor, die aber eher in den Hintergrund rücken.

Auffallend sind die im Vergleich zu den Vorgängeralben wesentlich seltener gewordenen Einsätze des Keyboards. In „Resurgence of an empire“ beispielsweise ist bis auf im Intro davon nichts mehr zu hören. Natürlich dürfen auch an dieser Stelle die cleanen Gesangspassagen nicht fehlen. Am weitesten aus dem Fenster lehnt sich die nun schon seit über zehn Jahren bestehende Band jedoch in „Contemplate regicide“, der zu 100% nicht in die Death-Metal-Sparte gehört, paradoxerweise aber einer der besten Titel des Albums ist. Diesen Konflikt hat man eigentlich ständig: Zum einen ist es äußerst gewöhnungsbedürftig, zum anderen gelingt es allerdings der Band wirklich glaubhaft und gut, den neuen Einschlag zu präsentieren. Hervorheben sollte man in dieser Hinsicht nochmals die herausragenden stimmlichen Facetten Auborns. Stellt sich die Frage, wieso er nicht schon auf früheren Alben Leadvocals eingebracht hat.

Ein Problem bleibt: Man weiß nicht so recht, wie man die Musikrichtung auf der neuesten Scheibe bezeichnen soll. Eins steht jedoch fest, der Death Metal, den man von früheren Werken kennt, existiert so auf „The unspoken king“ nicht mehr. Denn die Metalcore-Einflüsse sind einfach zu dominant dafür. Dabei kann man rein objektiv betrachtet die eingeschlagene Richtung durchaus für gut befinden. Und auch „klassische“ Einflüsse sind noch gegeben. Die Zukunft wird zeigen, wie sich die Community mit dem neuen Weg arrangiert. Fern ab von all dem findet sich für alle Freunde gut gemachten Metalcores mit Death-Metal-Einschlägen hier ein sehr gutes Album wieder. Darf eine Band von jetzt auf gleich einen so krassen Wechsel der Musikrichtung vornehmen? Sie darf, nur muss sie dann auch mit den daraus entstehenden Konsequenzen klarkommen.

Anspieltipps:

  • The headsmen
  • Bemoan the martyr
  • Resurgence o fan empire

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