Opeth - Watershed - Cover
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Opeth Watershed


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 55 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Sobald sich der Hörer auf das Werk einlässt, wird er seine helle Freude damit haben.

Jeder, der progressiven Metal kennt und mag, kommt an Opeth, der Vorzeigeband dieser Musikrichtung, nicht vorbei. Seit nunmehr 21 Jahren sorgt die Formation um Sänger, Songwriter, Gitarrist und mittlerweile einzig verbliebenes Gründungsmitglied Mikael Akerfeld immer wieder für neue Überraschungen. Es ist nie langweilig um die schwedischen Progressive-Rocker geworden. Zum einen sicherlich, weil Akerfeldt als kreativer Kopf immer dafür gesorgt hat, dass eine kontinuierliche Weiterentwicklung stattgefunden hat, zum anderen dadurch, dass es etliche Wechsel in der Bandkonstellation gegeben hat. So auch beim neuesten Werk „Watershed“ für das gleich zwei Neuzugänge zu Buche schlagen: Drummer Martin Axenrot und Gitarrist Fredrik Akesson, welcher von Arch Enemy dazu gestoßen ist. Auf dem nunmehr neunten Studioalbum lässt sich gleichsam eine Menge Altbewährtes und darüber hinaus auch viel Neues finden. So wird der Anteil von Death Metal zu Gunsten filigraner Gitarrenparts weiter reduziert und die Psychedelic-Momente rücken so stark wie noch nie in den Fokus der Band.

„Ich habe viel Musik aus den 1960ern gehört, zum Beispiel „Oddessey & Oracle“ von den „Zombies“. Der Psychedelic der Sechziger mit seinen irren Soundeffekten reizt mich sehr…“ begründet Akerfeld den Einschlag auf dem aktuellen Album. Auch ist die starke Veränderung im Vergleich zum letzten Album sicher auch dem stärkeren Einfluss der anderen Bandmitglieder geschuldet, die diesmal in die Pre-Produktion involviert waren und auch beim eigentlichen Aufnehmen mehr Freiräume bekamen. „Wir haben in zwei Studios aufgenommen und ich konnte nicht an beiden Orten gleichzeitig sein“ beschreibt Akerfeldt die neue Aufnahmesituation. Dadurch konnten, wir er weiter erklärt, die anderen Mitglieder einen stärkeren Einfluss nehmen, außerdem wurde so viel Zeit gespart. Natürlich ließ er es sich trotzdem nicht nehmen, jeden Abend die aufgenommenen Parts anzuhören und zu kritisieren. Denn Mikael Akerfeldt, wäre nicht Mikael Akerfeldt, wenn er Ideen einfach so hinnehmen und abhaken würde.

Das Album beginnt ungewöhnlich ruhig für die Band: Der erste Titel „Coil“, welcher eher ein Intro für das darauf folgende „Heir apparent“ darstellt, ist trotz allem eine echte Ohrenweide. Ganz ohne Schlagzeug auskommend, mit ruhiger cleaner Gitarre versehen zeigt Akerfeldt, wie gut er mit seiner Stimme umzugehen weiß. Auch hört man in dem Stück Natalie, die Freudin des Drummers Axenrot, singen, was wirklich gut mit dem Arrangement harmoniert. Das darauffolgende „Heir apparent“ ist Opeth pur. Harte Riffs, ein hervorragend gespieltes Schlagzeug und Akerfeldts düstere Stimme lassen zunächst keine Zeit zum Luft holen. Nach einem kurzen cleanen Part geben die Jungs dann wieder Vollgas, bevor sie erneut das Tempo heraus nehmen. Am Ende driftet der Song leicht in die Schönheit des Chaos ab.

Die stark integrierten Psychedelic-Elemente treten im anschließenden Song „The lotus eater“ weit in den Vordergrund. Zunächst sehr aggressiv startend, rutscht das Stück dann in ruhigere Gefilden ab, bevor ein aus dem Nichts auftauchender Keyboard-Part den Hörer in seinen Bann nimmt. Dieser Teil hat es in sich, erinnert er doch irgendwie an The Cure und die frühen Led Zeppelin und wenn er auch nur 30 Sekunden dauert, so ist es doch einer der faszinierendsten Momente des ganzen Albums. Das anschließende „Burden“ ist eine für Opeth schon fast ungewöhnlich schnell eingängige Ballade. Lediglich das Outro will nicht so Recht zu der Schönheit des Songs passen. Auf „Porcelain heart“ begeistert Axenrot mit Drumparts der Extraklasse und fährt so ziemlich alles auf, was man sich wünschen kann. Das sich anschließende „Hessian Peel“ weist so viele Ecken und Kanten auf, das man es nach stundenlang hintereinander hören kann, ohne dabei Langeweile zu verspüren. „Hex omega“ schließt das Album wunderbar ab und lässt den Hörer fasziniert ins Leben zurückgleiten.

Abgesehen von dem kleinen Kritikpunkt in „Burden“ bekommt man auf „Watershed“ ein wirklich großartiges Prog-Psychedelic-Metal-Album zu hören, bei dem es auch nach dem zwanzigsten Durchlauf noch etwas Neues zu entdecken gibt. Ein wenig traurig wird der eine oder andere sicherlich von den reduzierten Death-Metal-Anteilen sein, sobald man sich jedoch auf das Werk einlässt, wird man seine helle Freude damit haben. Die Altmeister des Progessive werden mit diesem Album nicht nur auf dem Olymp bleiben, sondern sind eine weitere Stufe nach oben geklettert.

Anspieltipps:

  • Heir apparent
  • The lotus eater
  • Hessian peel

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