Friska Viljor - Tour De Hearts - Cover
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Friska Viljor Tour De Hearts


  • Label: Devilduck/INDIGO
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Kindermusik mit erwachsenen Texten“.

2007 überraschten die zwei Schweden Daniel Johansson und Joakim Sveningsson als Friska Viljor mit einem Debüt, das sie nicht nur die Trennung von ihren jeweiligen Freundinnen mit gehörig Alkoholkonsum verarbeiten ließ, sondern auch für ein breites Lächeln in Indie-Kreisen sorgte. So unbekümmert hat nur selten eine Band verschiedene Stile vermischt und ist dabei so ureigen geblieben, wie es nur geht. Man könnte die beiden kauzig nennen, aber äußerst liebenswert damit meinen. Die schrägen Vocals und überraschende Instrumentierungen ließen „Bravo!“, so der Name des Debüt-Albums, Indie-Pop/Rock zelebrieren, der auch mal in elektronischen Regionen vorbei schaut und vor allem viel Spaß macht. Dort anzuschließen, ist die schwierige Aufgabe, der sich das Duo 2008 stellt und dabei leider nur zeitweise die Qualität des Vorgängers erreicht.

„On And On” startet mit der bekannten, unverkennbar neben der Spur liegenden Stimme und leichten Gitarren-Untermalungen, während der Opener so langsam in Fahrt kommt und mit Glockenspiel sowie opulenten, gar theatralischen Schlagzeug-Einsätzen einen guten, aber nicht unbedingt faszinierenden Einstand offenbart. „Old Man“ ist dagegen ein echter Hit, der mit kernigen Bläsern und Up-Tempo zum Tanzen einlädt, während die Vocals so wunderbar schief zum Höhenflug ansetzen und der Refrain einfach jeden mitreißt. Dank einprägsamer Synthesizer-Melodien und dynamischer Percussions ist auch „The Cure“ ein großer Ohrwurm, der seine Kreise zieht und dabei besten Indie-Pop für die kommenden Sommertage präsentiert. Lieblich und poppig geht es auch weiter, weniger LoFi und Schrägheit als noch beim Debüt. Das ist auch genau der Punkt, wo es auf „Tour De Hearts“ mangelt: An Direktheit und der bedingungslosen Experimentierfreude, die nun vermehrt von abgeklärtem Pop mit Indie-Affinität abgelöst wurde. Zwar zaubern die straighten Bläser und leichtfüßigen Gitarren-Arrangements noch immer ein Lächeln auf das Gesicht des Hörers, aber die Faszination des Erstlings ist verflogen.

Mit klassischer Zupf-Technik und freudiger Glocken-Beigabe ist „Dear Old Dad“ eine ruhige Perle, die im Refrain an Theatralik zunimmt und von Streichern begleitet wird. Nicht nur die tanzbaren Songs sind es also, die Friska Viljor beherrschen, auch Schwermütiges wird authentisch gemeistert, wobei eine gewisse Ironie nicht zu verhehlen ist. „Kindermusik mit erwachsenen Texten“, wie es Sänger Joakim Sveningsson beschreibt und damit goldrichtig liegt, ohne die musikalische Qualität schmälern zu wollen. Trotz dieser individuellen Klasse ist „Tour De Hearts“ eine kleine Enttäuschung, die man aber mit einigen starken Songs zu meistern weiß.

Anspieltipps:

  • Old Man
  • The Cure
  • Taste Of Her Lips
  • Dear Old Dad

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