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Weezer Weezer


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Am Ende hat man eine Platte für sich gewonnen, die qualitativ zwischen „Pinkerton“ und dem „Grünen Album“ eingeordnet werden kann.

In der weezerschen Farbenlehre gibt es nach dem blauen (1994) und dem grünen Album (2001) nun mit dem roten Album Nachschub und damit bereits das dritte unbetitelte Studiowerk (von insgesamt sechs) in der 15jährigen Bandgeschichte. Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht?!

Nach dem für Weezer-Verhältnisse recht schwachen „Red Album“-Vorgänger „Make Believe“ (05/2005) legte die Band eine ihrer üblichen längeren Pausen ein, die zwischenzeitlich als Bandsplit gedeutet wurde. Solche Gerüchte kamen nicht zum ersten Mal auf, denn schon nach dem künstlerisch herausragenden, aber kommerziell gefloppten „Pinkerton“-Album (1996) gab es ähnlich lautende Vermutungen. Dabei ist Mastermind Rivers Cuomo (37) lediglich kein besonders schneller Arbeiter und ein Mensch, der auch noch anderen Interessen nachgeht. So schloss er z.B. vor zwei Jahren sein abgebrochenes Harvard-Studium erfolgreich ab und veröffentlichte ein Soloalbum mit Demos und Alternativversionen („Alone: The Home Recordings Of Rivers Cuomo“). Aus diesem Grund gelten längere Auszeiten zwischen den Weezer-Alben als normal und stellen keinen Grund zur Sorge dar.

Für ihre Rückkehr auf die Bühnen und in das Rockradio greifen Weezer wie schon beim vorherigen Album auf die Hilfe von Produzentengott Rick Rubin (Johnny Cash, System Of A Down, Slayer, Shakira, Tom Petty, The Cult) zurück. Daneben betreute auch Garret „Jacknife“ Lee (R.E.M., Snow Patrol, U2, Bloc Party) zwei Stücke, so dass auch ein paar aktuelle Einflüsse auf dem Album zu finden sind. In erster Linie bleibt Rivers Cuomo aber seinem Stil als Songwriter und dem gewohnten Weezer-Sound aus Beach-Boys-Melodien, die auf schnittige Rockriffs treffen, treu. Dass es dabei nicht immer leicht ist, Cuomos Inspirationsquellen als geliebt oder gehasst zu identifizieren, steigert die Spannung und das Hörvergnügen.

Dass der 37-Jährige z.B. ein Faible für 80er-Jahre-Hardrock besitzt, ist allgemein bekannt. Wenn diese Leidenschaft aber plötzlich mit HipHop-Beats, Rap-Parts (!) und Falsettgesang á la The Darkness sowie gregorianischen Chorgesängen zu einer verschachtelten Rock-Oper aufgeblasen wird („The greatest man that ever lived“), ist der Grad zwischen Genie und Wahnsinn sehr schnell ziemlich schmal. Ganz klar, für so eine Nummer braucht es viel Liebe zum Detail und Können. Beides stellen Weezer eindrucksvoll unter Beweis. Dagegen klingen locker-flockige Songs wie „Pork and beans“ (die erste Singleauskopplung), „Everybody get dangerous“ und „Dreamin’“ wie aus dem Ärmel geschüttelte Hits, die es freilich nicht mit den kongenialen Tunes des Debüts („Undone“, „Buddy Holly“, „Say it ain’t so“, etc.) aufnehmen können. Songs dieser Qualität bringen Weezer nur noch selten zustande.

Auch der Gesamteindruck vom „Roten Album“ ist anfänglich nicht der Beste, wenn man auf Anhieb mit rockigen Hitsingles zugeschmissen werden möchte. Doch hier muss man wissen, dass es Weezer genau darauf angelegt haben. Denn so vielschichtig wie auf ihrem sechsten Album klangen die Herren Cuomo/Shriner/Bell/Wilson noch nie! Die Band probiert unterschiedliche Sounds aus und verpackt in ihren Songs viele kleine Details, die beim ersten Hören gar nicht auffallen. Da gibt es z.B. die bedächtig-schöne Ballade „Heart songs“ mit dem wohl persönlichsten Text in Rivers Cumos Laufbahn, da ist das an die Red Hot Chili Peppers gemahnende „Everyboy get dangerous“, das feurig-wild aus den Boxen groovt, „Dreamin’“ lädt zum gepflegten Beach-Boys-Wellenreiten ein und dann ist da ja noch das bereits erwähnte grandiose Magnum Opus „The greatest man that ever lived“, mit dem Weezer den Vogel endgültig abschießen. Auf diese Weise steigert sich das Album von Durchgang zu Durchgang, ohne dass es sich der Hörer mühsam „schön hören“ muss; und am Ende hat man eine Platte für sich gewonnen, die qualitativ zwischen „Pinkerton“ und dem „Grünen Album“ eingeordnet werden kann.

Anspieltipps:

  • Dreamin’
  • Pork and beans
  • The angel and the one
  • Everybody get dangerous
  • The greatest man that ever lived
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