Blues Blend - When Daylight Comes - Cover
Große Ansicht

Blues Blend When Daylight Comes


  • Label: ZYX/Pepper
  • Laufzeit: 52 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Blues ist eines der aussterbenden Musikgenres. Heutzutage können nur noch wenige etwas mit dem Begriff Blues anfangen. Und wenn doch, erzeugt die Allgemeinheit ein eher tristes Bild eines Afroamerikaners, der mit einer alten Gitarre auf der Veranda, traurige Takte über Sklaverei und gesellschaftliche Klassengesellschaft zupft. Das Blues aber eigentlich ganz anders sein kann, zeigen auch heute absolute Größen wie B.B. King. Wenn auch die großen Zeiten des Blues und Jazz vorbei sind, gibt es dennoch auch heute noch Nachahmer, die der großen Musik von damals Tribut leisten.

Reinhard Bassenge (Gitarren, Gesang), Henning Eichler (Bluesharp/Mundharmonika), André Huthmann (Piano), Jörn Bösel (Bass) und Thomas Frömming (Schlagzeug, Gesang) ist eine dieser Bands, die bis heute, dem Kommerz, Pop und der Moderne zum trotz, an dieser alten Liebe fest halten. Gott sei dank müsste man sagen. Was wäre die heutige Musik denn ohne Vorläufer wie der Blues und Jazz? Gerade was Feinheiten, Spieltechniken und den ominösen „Soul“ angeht, kann sich die moderne Rock- und Pop-Jugend von heute einiges von der damaligen Zeit abgucken. Nicht nur die coolen Anzüge.

„When Daylight Comes“ eröffnet die Zeitreise in eine musikalische Renaissance mit „I Get The Bone“, ein ruhiger smoother Song, der genau das ist, was man sich unter Blues vorstellt. Sanftes Schlagzeug, ruhiger kontrollierter Bass, eine wunderbare Blues-Gitarre und ein virtuoses Klavier. Alles vermischt zu einem schönen Gericht, welches wir leider etwas verlernt haben, uns im Munde zergehen zu lassen. So auch in den darauf folgenden Songs. Speziell „Barefoot Boogie“ hat so eine Magie an sich, die einen zum Mitwippen einfach zwingt. Auch die größten Musikbanausen müssen hier zugeben, dass man bei so einem Song, in dem wirklich Perfektion steckt, kaum etwas auszusetzen haben kann.

Das Highlight von „When Daylight Comes“ folgt mit „Dark Night“ auch schon direkt im Anschluss. Man spürt förmlich die Zeitreise, schließt die Augen und findet sich in einem verrauchten Club in Chicago wieder. Man sieht die Rauchschwaden, sitzt an einem Tisch auf dem eine kleine Schale Nüsse steht, neben dran ein rotes Windlicht. Auf der Bühne steht ein großartiger Blues-Gitarrist, zusammen mit einem sanften Schlagzeuger und einem dezenten Bassisten. Spätestens bei „… and I ask myself how big can one heart be.” setzt eine Gänsehaut ein. Das ist große Musik. Auch „Tenderly” und „It Ain’t The Meat” wissen durchaus zu überzeugen. „Tenderly“ überrascht mit einer Ska-Gitarre, eine schöne Mischung die gut funktioniert. „It Ain’t The Meat“ driftet teilweise vielleicht etwas in den Swing, was ebenfalls zu einer schöne Mischung führt. Auch sie funktioniert.

Als Kritikpunkt muss man leider sagen, das Blues Blend zwar schöne Songs schreibt, ihre Instrumente wirklich nahezu perfekt beherrschen und so gut wie nichts falsch machen, allerdings in manchen Songs die letzte Frische und Kreativität vermissen lassen. Man wünscht sich einfach an manchen Stellen etwas Frisches. Etwas, das den Staub der auf manchen Melodien liegt, einfach wegpustet und den Motor noch einmal auf Hochtouren laufen lässt. Das mag schwer sein zu erklären. Beim hören sollte man aber in Songs wie „Sad Eyes“ oder „Blues Cruise“, nachvollziehen können wovon man spricht.

Anspieltipps:

  • Barefoot Boogie
  • Dark Night
  • It Ain’t The Meat

Neue Kritiken im Genre „Blues“
6/10

Live At Carnegie Hall: An Acoustic Evening
  • 2017    
Diskutiere über „Blues Blend“
comments powered by Disqus