Leserkritiken zu
Blues Blend - When Daylight Comes

  • Blues
8/10 Unsere Wertung
6/10 Leser Stimme ab!

19.05.2008 - 10:47 Hendrik Eifner Die fünf Frankfurter Musiker sind alles andere als Puristen. Das Gros der 14 Titel auf der neuen CD sind Eigenkompositionen. Da bringen sich alle auf der Basis traditioneller Spielarten der 40er, 50er und frühen 60er ein, covern auch mal einen Willie Dixon, dann aber eher unbekanntere Titel. Den längst tot gespielten „Hoochie Coochie Man“ oder ein „Sweet Home Chicago“ wird man bei Blues Blend nicht zu hören bekommen. Denn ein Grund warum der Blues gern stigmatisiert wird und Nicht-Blues-Fans den Eindruck gewinnen müssen, von fast allen Bands immer das Selbe vorgesetzt zu bekommen, ist das immer gleiche Repertoire und die stilistischen Beschränkungen, die sich viele Musiker dabei auferlegen.
Zwar können auch Blues Blend das Rad nicht neu erfinden, aber sie drehen es weiter. Und da ist es für sie eine Herausforderung, das mit einem klassischen Instrumentarium zu machen – einer virtuosen Bluesharp, einem wunderbar klaren Gitarrenton, einem Boogie-nahen Klavier auf souveränem Bass-Schlagzeug-Backing. Wer sich mit „When Daylight Comes“ auf eine musikalische Reise begibt, findet neben Boogie, Slow Blues und Shuffle eine Menge an Zitaten aus der Pop(ulär)musik. Soul, Funk, Latin, R&B, Ska, Swing, Country Blues und Ballade. Sehr raue aber auch wirklich smoothe Sounds, mit Referenzen an Chicago wie New Orleans.
Dass man das Gefühl hat, mitten im Geschehen zu stehen, dafür sorgt schon das Cover. Rasmus Radke, ein lange mit der Band befreundeter und mit ihrer Musik bestens vertrauter Illustrator und Comiczeichner, hat das Motiv mit dem Retro-Charme kreiert.
Auch wenn Klischees wie „My baby left me“ bei Blues Blend fehlen, geht es doch um klassische Themen: Beziehungsstress, Einsamkeitsgefühle, die große Sinnkrise. Aber den Blues zu haben und zu leben, heißt nicht, gelegentliche Melancholie zur Depression werden zu lassen. Und so halten es auch Blues Blend, die nicht nur im Titelstück eine Aufbruchstimmung formulieren.
Wenn politisch vielleicht nicht ganz so korrekte Zeilen wie „You ain´t good looking and I can´t stand your cooking“ in Dixons „Too Late“ zitiert werden, muss das nicht gleich als frauenfeindlich ausgelegt werden, sondern ist Teil des Entertainments, zu dem sich Blues Blend vollends bekennen und weshalb sie nicht in Alltagsklamotten auf die Bühne gehen. Eines Tages kam die Idee, im Nadelstreifen und in schwarz-weißen Schuhen aufzutreten. Das kam bei einigen Medienvertretern so gut an, dass einer von ihnen sich dazu hinreißen ließ, von „Gangsta Blues“ und Mafia-Optik zu schreiben. Diesen Eindruck muss auch Blues Blend-Freund Rasmus Radke irgendwann einmal gewonnen haben. Hätte er sonst ein solches Cover entworfen?



8/10