Herrenmagazin - Atzelgift - Cover
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Herrenmagazin Atzelgift


  • Label: Motor/EDEL
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Die druckvollen Gitarren rütteln ideal inszeniert wach.

Wer es bis jetzt nicht wusste, dürfte sich über folgende Information freuen: Der Titel des Debütalbums von Herrenmagazin, nämlich „Atzelgift“, ist doch tatsächlich ein staatlich anerkannter Erholungsort in Rheinland-Pfalz und kein wirres Fantasie-Konstrukt. Über den Bezug zum Ort schweigt Sänger Deniz Jaspersen und überhaupt lässt sich die Band nicht gern verorten und stattdessen den Inhalt ihrer Musik für sich sprechen. Neben Deniz Jaspersen sind da noch Philip Wildfang (Gitarre), Paul Konopacka (Bass) und der freie Autor Rasmus Engler am Schlagzeug (auch aktiv bei Gary sowie Das Bierbeben). Markus Wiebusch von Kettcar hat nur gute Worte für Herrenmagazin über und fasst es treffend zusammen: „Das Album hält jedes Versprechen. Die Punksozialisation der Bandmitglieder weht durch alle Songs. Spitzenproduktion, Spitzensongs.“ So supporteten Herrenmagazin die Jungs von Kettcar auf deren letzten Tour und werden nun nach ein paar Shows mit Bob Mould auch mit einer eigenen Tour ihr Album präsentieren.

Eine bildhafte Sprache, die man zeitweise als Kritik an den herrschenden Verhältnissen verstehen kann und andererseits auch sehr privat sowie persönlich in Bezug auf Einsamkeit, Beziehungsfrust und Alltag im Allgemeinen agiert. Mit den Worten kann man sich lange beschäftigen und immer wieder neue Schlüsse daraus ziehen, während die Musik direkt zum Ohrwurm mit jeder Menge großer Melodien und antreibenden Gitarren wird. Da sitzen die Riffs perfekt, bildet die Rhythmus-Abteilung ein kraftvolles Fundament und ist das Songwriting zwischen hymnisch sowie nachdenklich ein guter Grund für den Suchtfaktor dieses Debüts. Man fühlt sich gleich zuhause und saugt die warmen, aber beherzten Indie-Pop-Entwürfe mit Punk-Hintergrund in sich auf, wo man so schnell nicht mehr davon loskommt.

So ist es nur schlüssig, dass Herrenmagazin nun zum Angriff blasen und einige Shows im Sommer spielen werden. Die großen Festivals sind noch nicht dabei, soweit man das bisher sagen kann. Aber das wird sich ändern, wenn erst einmal die Club-Tour im Herbst für Furore sorgt. Auf Platte ist diese bereits zu spüren, wenn sich zum Beispiel bei „Sowiedubist“ die Gitarren-Wände erheben und der Refrain zum rücksichtsvollen Pogo einlädt. Überhaupt sind es die druckvollen Gitarren, die ideal inszeniert wachrütteln und dabei trotzdem so charmant Pop sind. Das ergibt zusammen mit den intelligenten Texten und der in der Tat sehr präzisen Produktion ein Debüt, welches sich nicht nur sehen lassen kann, sondern auch schon jetzt einiges mehr hermacht, als man erwarten kann.

Anspieltipps:

  • 1000 Städte
  • Alles (Aus,Alles) An
  • Geht Nicht Über Nacht
  • Sowiedubist

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