Soulfly - Conquer - Cover
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Soulfly Conquer


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 57 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Für die Haudrauf-Ästhetik und den erneuten Abbau von folkloristischen Elementen, sollten Soulfly nicht gescholten werden.

Es sind wieder rosigere Zeiten ins Cavalera-Land eingekehrt. Die Trauer über den Verlust von Panteras Gitarrist Dimebag Darrell und Max Cavaleras Enkelkind Moses, sowie die Versöhnung mit seinem Bruder Igor nach dem Ausstieg bei Sepultura 1996 lassen hoffen, dass die schwer schicksalsgebeutelten Brasilianer endlich zur Ruhe kommen können, denn unzählige Rückschläge und Tod mögen ja allgemein ein guter musikalischer Motor sein, aber auf Dauer ist das ohne Frage etwas deprimierend. Sicherlich war das düstere „Dark ages“ (09/2005) ein ausgezeichnetes Album, wirkte aber stellenweise so zerrissen, dass man gar nicht wusste, ob das jetzt Absicht war oder einfach daran lag, dass die Platte den aktuellen seelischen Zustand von Max in sich aufgesogen hatte.

Mit der Feier der neu geschmiedeten Brüder-Bande Cavalera Conspiracy, die den Hochgewindigkeits-Output „Inflikted“ (03/2008) zur Folge hatte, knallt jetzt auch „Conquer“ (wie der Name schon andeutet) wesentlich heftiger aus den Boxen und verliert dabei aber nicht den Song aus den Augen, wie es beim Vorgänger mitunter der Fall war. Zwar ist der dem Titel entsprechende Opener „Blood fire war hate“ oder das bezeichnende „Warmaggedon“ (natürlich mit politischem Statement) ein rücksichtloser Dampfhammer und „Unleash“ rauscht mit ungleich hohem Tempo, sowie längerem, zurückhaltendem Zwischenspiel durch den Blätterwald und erst „Paranoia“ ist aufgrund des schmetternden Refrains, einem knackigen Solo und der stetigen, unvorhersehbaren Rhythmuswechsel der erste Höhepunkt des Albums, aber im direkten Vergleich wirken die Songs eben deutlich aufgeräumter und kompakter.

Die zwei Dreiminüter „Enemy ghost“ und „Rough“ bilden dann zwischenzeitlich eine sowohl heftige als auch kurze Abreibung, bis in „Fall of the sycophants“ nach atmosphärischer Einleitung ein höllisch schnelles Riffduell losbricht, die Blastbeats ausgepackt werden und Max in altbewährter, aggressiver Brachialität „Destroy this fucking place“ erklärt, womit die einhergehende musikalische Apokalypse nicht treffender kommentieren werden könnte. Anschließend offerieren Soulfly dem Hörer nur dem Titel nach „Doom“, denn mit dem Genre hat die abermals deftige und abwechslungsreiche Nummer (1A Thrash zu Beginn, Heavy-Riffs im Zwischenteil, Reggae als Ausklang) nichts am Hut. „For those about to rot“ lässt danach ägyptisches Flair, dass der Brasilianer auf einer seiner Reisen während des Songwriting-Prozesses eingefangen hat, mit technischer Präzision verschmelzen und holt mit „Touching the void“ einen gut gemeinten, aber letztendlich kaum überzeugenden Doom-Track hervor.

Walzende Riffs und zähes Tempo dominieren den Song, der sich mühsam zu einem Midtempo-Thrashpart hin quält, jedoch bereits ab dem zweiten Durchgang wegen seiner uninspirierten Behäbigkeit langweilt. Außerdem steht das Stück der kompromisslosen Härte der restlichen Platte im Weg. Gegen Ende baut sich zwar noch eine unruhige Stimmung auf, entgegen der sonstigen Soulfly-Kompositionen wird diese aber nicht in ein unheilvolles Gitarren/Schlagzeug-Gewitter entladen, sondern legt sich schlicht und ergreifend mit einem Knall zur Ruhe, was die schleppenden, vorangegangenen sieben Minuten kaum entschädigt und daher unzufriedenstellend ist. Mit dem relaxten Instrumental „Soulfly VI“, das sich durch rockige Klänge und verträumte Gitarren auszeichnet, beschließen Max Cavalera (Gesang, Gitarre), Marc Rizzo (Gitarre), Bobby Burns (Bass) und Joe Nunez (Schlagzeug) „Conquer“. Rückblickend mag „Dark ages“ vielleicht das anspruchsvollere Album gewesen sein, für seine Haudrauf-Ästhetik und den erneuten Abbau von folkloristischen Elementen sollte Soulfly allerdings nicht gescholten werden, denn im Gegenzug dazu fackeln die Stücke nicht lange, legen alle Karten auf den Tisch und müssen sich nicht erst dem Hörer erschließen. Ob das jetzt ein Fortschritt oder eine Abkehr von alten Tugenden ist, darf jeder für sich selbst entscheiden.

Anspieltipps:

  • Doom
  • Paranoia
  • Fall Of The Sycophants
  • For Those About To Rot

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