Elvis Costello - Momofuku - Cover
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Elvis Costello Momofuku


  • Label: Lost Highway/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Momofuku“ ist einen Tick zu pedantisch produziert und auf den gewohnten Spuren des Songwriters unterwegs.

Die CD ist tot! Ganz klar! Das haben Radiohead und Trent Reznor (Nine Inch Nails) mit ihren Internet-Only-Releases ganz klar bewiesen – und wenig später genauso eindrucksvoll widerlegt. Denn noch immer wird über 80% aller Musik als CD unter das Volk gebracht. Noch lebt der physische Markt und kein großer Act kann es sich leisten, diesen Vertriebsweg zu ignorieren. Deshalb ist es logisch, dass „In Rainbows“, „Ghosts I-IV“ und demnächst „The Slip“ ganz normal als Silberling zu bekommen sind.

Warum das hier erzählt wird? Nun, auch der gute Elvis Costello war in Bezug auf sein neues Studiowerk „Momofuku“ ähnlich auf Krawall gebürstet. Eigentlich wollte der Engländer nie wieder Musik in Albumform veröffentlichen. Doch dann kamen während der Sessions zu Jenny Lewis’ (Rilo Kiley) kommenden Soloalbum, das Elvis Costello co-produzierte, diverse neue Songs zustande, aus denen am Ende ein eigenständiges Werk geformt wurde. Dieses sollte es ausschließlich auf Vinyl geben, versehen mit einem Code auf der Plattenhülle, über den der geneigte Vinyl-Käufer die 12 Songs zusätzlich digital über das Internet runterladen kann. Tja, und jetzt steht „Momofuku“ doch wie immer in den Regalen der CD-Händler.

Wieder mal viel Wirbel um nichts und irgendwie ganz schön peinlich. So sehr, dass man sich gar nicht mehr so richtig mit der Musik auseinandersetzen mag. Diese wurde nämlich in der Tat komplett analog aufgenommen, um den für Vinyl besten Sound zu erzeugen. Und wenn man sich dazu die Gästeliste anschaut, möchte man überhaupt nicht mehr glauben, dass diese Veröffentlichung nur für Minderheiten gedacht war. Denn die von Jason Lader (Bassist von The Mars Volta) produzierten Songs wurden u.a. mit Jenny Lewis, Jonathan Rice, David Hidalgo (Los Lobos) und Tennessee Thomas (The Like) eingespielt. Das schreit regelrecht nach Publicity und nicht nach Indie-Kleinmeierei.

So klingt „Momofuku“ auch nicht. Ein Perfektionist wie Elvis Costello kann eben nicht aus seiner Haut. Und deshalb serviert er mit seiner Backingband The Imposters (Steve Nieve, Pete Thomas, Davey Faragher) eine Mischung aus kantig rockenden Tracks („No hiding place“, „American ganster time“, „Turpentine“), feinen Beatles-Hommagen („Mr. Feathers“) und souligen Balladen („Flutter & Wow“). Das ist gemessen an dem extrem schnellen Entstehungsprozess durchaus solide, wenn auch nicht meisterlich. Vielmehr gibt dies einen kleinen Ausblick auf das was passiert könnte, wenn es einmal keine Plattenfirmen und keine CD-Veröffentlichungen mehr geben sollte. Dann wirft jeder Künstler seine Songs ungefiltert nach Lust und Laune auf den Markt und kommt je nach dem schon mal mit der Qualität und der Relevanz ins Schleudern.

So weit ist es bei Herrn Costello noch nicht. Dazu ist „Momofuku“ dann doch einen Tick zu pedantisch produziert und auf den gewohnten Spuren des Songwriters unterwegs. Und wer jetzt noch wissen möchte, was zum Teufel „Momofuku“ bedeutet, dem kann ebenfalls geholfen werden. Der Unternehmer Momofuku Ando (geboren in Taiwan) ist der Erfinder der Instantnudeln. Er verstarb Anfang 2007.

Anspieltipps:

  • Turpentine
  • Stella hurt
  • Flutter & Wow
  • No hiding place
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