The Pineapple Thief - Tightly Unwound - Cover
Große Ansicht

The Pineapple Thief Tightly Unwound


  • Label: K-Scope/SPV
  • Laufzeit: 60 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Weniger als ein Jahr hat es gedauert, bis The Pineapple Thief den Fans den Nachfolger von dem ohnehin nur als „Zwischenspiel“ geplanten „What We Have Sown“ spendieren. „Tightly Unwound“ heißt er, was sinngemäß so viel wie „verkrampft entspannt“ bedeutet. Erstmals wird ein Pineapple Thief-Album auch offiziell in Deutschland erhältlich sein und somit sind beste Voraussetzungen geschaffen, den schier unerreichbaren Thron der Progressive-Götter Porcupine Tree anzusägen. Schließlich war deren Mastermind Steve Wilson nicht unwesentlich daran beteiligt, dass Bruce Soord (Gesang, Gitarre, Keyboard), Steve Kitch (Keyboard), Jon Sykes (Bass) und Keith Harrison (Schlagzeug) von der Snapper-Tochter K-Scope gesignt wurden. Und da Großherzigkeit im Musik-Business nichts zu suchen hat, wird er schon sehen was er davon hat.

Der Einstieg des Albums dürfte keinen Pineapple Thief-Fan groß überraschen, schließlich ist ein eher ruhiger Auftakt fast schon Tradition. Nur mit einem fast beschwörendem Gesang und Akustikgitarre ausgestattet gelingt es, den Song als eine Art überlanges Intro erscheinen zu lassen, die karge, jedoch zielstrebige Instrumentierung lässt den Hörer jederzeit den großen Ausbruch erwarten, doch auf den wartet man im Opener vergeblich und das ist auch gut so. Denn nach wie vor versteht es Soord hervorragend, minimalistische Instrumentierungen und seinen alles Leid der Welt versprühenden Gesang mit einer schüchternen Melodie zu garnieren und so die schönsten und zerbrechlichsten aller Pineapple Thief-Songs zu spinnen. Das folgende „Shoot First“ greift das Thema des Openers in variierter Form auf, ein drückendes, treibendes Drumming gesellt sich hinzu, die Frequenz wird ein wenig erhöht und so gelingt der perfekte Übergang zum "richtigen" Album.

„Sinners“ wird von sphärischen hallenden Gitarren eröffnet, dann gemeinsam mit dem Drumming gebündelt und bevor es sich zu etwas Großem entwickeln kann an die Wand gefahren. Der Refrain wird plump auf das Thema aufgesetzt und so wirkt der ganze Song wie unfertiges Stückwerk. Anhand von „Sinners“ lässt sich mit einem Song das Problem der gesamten zweiten Albumhälfte erklären, das auch schon im Titel, zwar ungewollt, jedoch relativ treffend geschildert wird: Irgendwie ist vieles zu verkrampft und überambitioniert geworden. Wo sich Pineapple Thief früher gerne mal zehn Minuten und mehr nahmen um ihren Ideen den Raum, den sie benötigten zu geben, entwickeln sie die Melodien auf „Tightly Unwound“ nicht mehr, sondern stellen sie teilweise urplötzlich einfach in den Raum. Ein noch so mitreißender Refrain hilft eben nicht, wenn der Song dabei aus den Augen verloren wurde. Zu verkrampft versuchen Pineapple Tief stellenweise den grandiosen Sound von „Variations of a Dream“ wiederzubeleben.

Noch nicht zu spüren ist das bei dem genialen „Sorry State“, das durch einen ruhigen und flüssigen Aufbau überzeugt. Der Titeltrack setzt den Höhenflug fort, Soord mal mit ungewohntem Fast-Sprechgesang, und erneut einer nahezu perfekten Dramaturgie. Harte Gitarrenparts, ruhig plätschernde Erholungsphasen, ein orgiastischer Mittelteil und ein ruhiger Ausstand sorgen für ein letztes Highlight auf dem Album. „My Bleeding Hand“ ist zwar kein schlechter Song, doch so etwas gab es so, in leichten Variationen, schon unzählige Male auf den Vorgängeralben und wirkt dadurch irgendwie überflüssig und ideenlos. Das fast 10-minütige „Different World“ ist absolut nichtssagend und mit dem 15-minütigen „To Much to Lose“ wird einem Song endlich mal genug Raum gegeben, die Ideen, die dem Song zugrunde liegen, zu entwickeln, doch ausgerechnet bei diesem Song darf man bezweifeln, ob er überhaupt irgendwelche Ideen in sich birgt. Sinn- und zusammenhangloses Gitarrengeschrammel mag ja live akzeptabel und dem Ego der Musiker zuträglich sein, macht in dieser Form jedoch nicht allzu viel Sinn auf einem Studioalbum.

Insgesamt präsentieren Pineapple Thief zwar kein schlechtes Album, aber doch ein irgendwie unfertiges. Wurden früher alle Songs bis zur absoluten Perfektion durchkomponiert, wirkt „Tightly Unwound“ im Vergleich irgendwie unfertig und liefert zu keinem Zeitpunkt so überragende Momente wie viele der alten Alben. So liegt es vielleicht vor allem an den überragenden Vorgängeralben und dem Wissen über das wahre Können der Band, dass „Tightly Unwound“ trotz zahlreicher guter Momente insgesamt nicht wirklich überzeugen kann.

Anspieltipps:

  • My Debt To You
  • Shoot First
  • Sorry State
  • Tightly Wound

Neue Kritiken im Genre „Prog-Rock“
6.5/10

The Mission
  • 2017    
Diskutiere über „The Pineapple Thief“
comments powered by Disqus