P:lot - Mein Name Ist - Cover
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P:lot Mein Name Ist


  • Label: Artist Station/SOULFOOD
  • Laufzeit: 40 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn bei einer Newcomerband zwischen Debüt und Zweitwerk mal eben vier Jahre vergehen, dann läuft entweder irgendwas mächtig schief oder die Band hat ihre ganz spezielle Ansicht von den Dingen des Musikgeschäfts, die ganz offenbar nicht in die Welt von Plattenfirmen, Marketingplänen und Managements passt.

Im Falle des Kölner Deutsch-Rock-Trios P:lot ist letzteres der Fall. 2004 startete die Band auf dem „Goldene Zeiten“-Label von Ex-Tote-Hosen-Drummer Wolfgang „Wölli“ Rhode und legte ein Album vor, das mit (Zitat) „deutschsprachigem Alternative Rock zwischen Selig (Musik) und Rio Reiser (Texte)“ zu überzeugen wusste. Doch Alexander Freund (Gesang, Gitarre, Synthesizer), Andreas Kaufmann (Bass, Gesang, Synthesizer) und Benjamin Argandona (Schlagzeug) passten nicht so recht in die Strukturen und Abläufe eines Labels unter fremder Führung. Und so machten sich die Drei mit eigener Firma und einem amtlichen Berg Schulden bei der Bank selbstständig, um aus den Gefügen der Industrie auszubrechen und mit aller Zeit der Welt das zweite Album „Mein Name ist“ anzuschieben.

Auch eine dermaßen lange Zeit nach ihrem vielversprechenden Debütalbum bleiben P:lot jenen Wurzeln treu, die ihnen die schreibende Presse in die Schuhe geschoben hat, sie selber aber gar nicht als solche ansehen. Zumindest will Sänger Alexander Freund kein einziges Selig-Album in seiner Sammlung haben. Trotzdem haben auch die neuen P:lot-Songs diesen unterschwelligen Spät-Sechziger-Psychedelic-Touch aus wabernden Synthie/Keyboard/Orgel-Klängen, gepaart mit einem Jan-Plewka-artigen Gesangsstil und alles andere als platten Texten („Ihr Versuchungen“, „Die Gelegenheit“). Ob man damit heute, zehn Jahre nach dem Ende von Selig und dem Scheitern aller Nachfolgerbands, kommerziell etwas reißen kann, sei einmal dahingestellt. Fakt ist, dass P:lot ein Dutzend stimmige Songs geglückt sind, die es in fast allen Belangen mit der internationalen Konkurrenz aufnehmen können.

Da lugt kein verquaster Schlager-Pop mit Befindlichkeitstexten im „Ich+Ich“-Stil ums Eck, werden keine Zugeständnisse an heutige Radiogewohnheiten gemacht und trotzdem traumhafte Melodien gefunden („Besser als das Glück“). Das ist in der Tat bis auf ein, zwei Ausnahmen („So oder so“ und mit Einschränkungen auch „Steine & Gold“) alles ziemlich stark und im internationalen Wettstreit noch am ehesten mit Bands von der britischen Insel vergleichbar. So klingt z.B. „Bei all den Gewinnern“ wie großes Pop-Kino im alten Coldplay-Stil, während „Pacman“ mehr zu den Art-Rock-Klängen des aktuellen Coldplay-Albums passt. Es scheint als haben P:lot neben der Rock- nun auch die Popmusik entdeckt – und das steht ihnen richtig gut!

Anspieltipps:

  • Pacman
  • Zeit zu leben
  • Mein Name ist
  • Ihr Versuchungen
  • Besser als das Glück

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