The Zutons - You Can Do Anything - Cover
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The Zutons You Can Do Anything


  • Label: Deltasonic/SonyBMG
  • Laufzeit: 42 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Anlass zu tiefer Traurigkeit. The Zutons, unsere mit „Who killed the Zutons?“ so famos debütierten Liverpooler, die mit dem schwierigen Nachfolger „Tired Of Hanging Around“ zwar nicht an den Erstling heranreichten, aber auch nicht meilenweit davon entfernt waren, sind mit Album Nummer drei in erschreckende Belanglosigkeit abgestiegen. Ein wenig erinnert der (wortwörtliche) Fall an Hot Hot Heat, nur das die Liverpooler nie oberste Wellenreiter der jungen Retro-Rock-Lawine gewesen sind, die die Strokes mit Beginn des neuen Jahrtausends losgetreten hatten, sondern, und deshalb liebten wir sie ja so sehr, wunderschön gegen den Strich 70er-Rock der Liverpooler Schule mit eigentlich unvereinbar tiefschwarzen US-Soul zu kombinieren verstanden.

Und was für großartige Songautoren sie vor allem auf dem Debüt waren! Und diese spitzfindigen, pointierten Texte! „I can’t get this pressure point outta my head/ I feel it at work, you know, I feel it in bed/ Can’t get this pressure point outta my head”; oder die Mitsing-Ertappung “You will, you won’t/ You do, you don’t/ You’re saying you will but you know you won’t”.

Und jetzt? Das Herz blutet bei diesen 0815-Pop-Rock-Songs und den pathetischen, fürchterlichen Geschichtchen von trivialem Belang. Doch was ist eigentlich passiert? Die Zutons platzen in der kurz skizzierten Weise in die Welt, der Nachfolger muss natürlich neue Wege gehen - man ist Musiker und nicht Bedürfnisbefriediger – aber bleibt (nur wenig) unter den Erwartungen. Sattere Produktion, breitbeiniger die Rock-Hymnen, mehr Pop, weniger echter Soul, aber immer noch formidables Songwriting und Melodiegespür als wären sie aus Tennessee und die Hautfarbe um etliches dunkler. Doch nach ausgedehnter Tour zu „Tired Of Hanging Around“ steigt Leadgitarrist Boyan Chowdhury im letzten Jahr aus, im Frieden, um eigene musikalische Wege zu gehen, wie es heißt. Durchaus übliche biographische Entwicklungen einer hoffnungsvollen jungen Band, die eine derartige Niveaureduktion nicht erklären.

Vielleicht öffnete die Büchse der Pandora für die Zutons ja wirklich Miss Winehouse… Jedenfalls ist nichts mehr wie es war, seit irgendein DJ (Mark Ronson) und irgendeine Sängerin (Amy Winehouse) das verhältnismäßig unauffällige zutonsche „Valerie“ schlecht, weil uninspiriert, coverten und Englands Radiostationen ihre Hörer mit beachtlicher Kondition über ein Jahr lang (bis heute) damit penetrierten. Nun war klar, dass die Plattenfirma um einiges mehr fiskalische Risiken und Vorschüsse gewähren würde, um gewinnbringendes aus den Liverpooler Hoffnungsträgern herauszuholen. Lange genug liebten sie nur die Kritiker, nicht aber die Massen. Ab nach L.A., ergo. Dickeres Studio, dickerer Produzent. Das war doch abzusehen, David McCabe, Abi Harding und Co. Die Zutons biedern sich an beim großen Publikum; das Valerie-Pferd noch schnell ein wenig mitgeritten; der große, große Durchbruch in greifbarer Nähe.

Der beste Song des schwachen Albums ist der erste. „Harder And Harder“ steht noch in der Tradition der Rock-Kracher des Zweitwerks, anschließend kommt fast gar nichts mehr. Die triefend uneingängige Britpop-Ballade „Dirty Rat“ steht so unentschlossen unvereinbar neben dem Opener, wie all die anderen Stilmixe. Abi Hardings Saxophon, tragender Spaß- und Ideenbringer auf den Alben zuvor, wird zum untermalenden Begleitinstrument degradiert. Die beiden Singles, „Always Right Behind You“ und “What’s Your Problem” könnten nerviger nicht sein, großer Melodienspaß mit der Brechstange – aufdringlich unschön. Country-Gehversuche („Don’t Get Cought“), Prostituierten-Drama („Freak“; überlasst die dreckigen Geschichten den wirklich dreckigen, wie Tricky, möchte man ihnen zurufen) und immer wieder brave Rocknummern im klassischsten Credo. Selbst gute Ansätze („Family Of Leeches“, Give Me A Reason“) werden spätestens beim Refrain durch uninspirierte Radiotauglichkeit versaut.

Die Kritiker dürften die so talentierten Zutons mit „You Can Do Anything“ loswerden, nur gehört es zur ewigen Milchmädchenrechnung der Plattenfirmen, dass dadurch nicht automatisch die Massen kommen werden. Man wird sehen. Mit Anblick des leicht größenwahnsinnigen Plattencovers scheint nur noch ein einziger Hinweis, in Form eines alten Jack White Songtextes, angebracht: „Well, you’re in your little room/ And you’re working on something good/ But if it’s really good/ You’re gonna need a bigger room/ And when your in the bigger room/ You might not know what to do/ You might have to think of/ How you got started/ Sitting in your little room”.

Anspieltipps:

  • Harder And Harder
  • Family Of Leeches
  • Give Me A Reason
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