The Fratellis - Here We Stand - Cover
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The Fratellis Here We Stand


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Die an sich fragwürdige Kunst der Eingängigkeit praktizieren The Fratellis nun zum zweiten Mal mit zielsicherer Perfektion. Die Ambivalenz an diesem Negativum: sie betreiben diese Kunst derart gekonnt, dass man gleichzeitig Mitgrölen und zutiefst den Kopf schütteln möchte.

Da steht „Here We Stand“ dem Erstling „Costello Music“ grundsätzlich in nichts nach, obwohl sie tanztaugliche Keyboards dazugefügt haben und die Platte insgesamt variantenreicher erscheint. Doch liegt die Betonung auf erscheint, The Fratellis spielen, wird man nun gewahr, immer den gleichen catchy Riff-Rock für die junge, sehr junge Indie-Disco. Die Smashhits vom ersten Album, allen voran „Chelsea Dagger“, werden sie sehr wahrscheinlich nicht mehr haben. Die berühmten Abnutzungseffekte von Modebands: man macht nichts falsch, aber irgendwie gehen die Leute beim Festival nicht mehr so ab, „ach die! Haben wir doch letztes Jahr schon gesehen.“

Dabei darf man dem flotten schottischen Trio wenigstens zugute halten, dass sie clevere Kerle sind. Sie ziehen alle nötigen Register, mimen die Landeier, die eine Band gründen, weil keine Frauen sich für sie interessieren – sogar ihre Klischees sind catchy – und legen diese offensichtliche Doppelironie in ihren Songtexten nieder. „Where do we go when the thrills are gone?” („Milk And Money”) Gute, ehrliche und berechtigte Frage, Jungs. So lange Indie-Mädchen im Club genau nach dieser Art von Endorphinausschüttung dürsten, erst mal nirgendwo hin, doch wehe der Modewind ändert sich – The Fratellis immerhin wissen, dass sie dann nicht mehr viel zu bestellen haben. Also warum nicht bei vollem Bewusstsein das Pferd namens Party-Indie-Rock reiten, bis es sich ausgelatscht hat. Und das, wie gesagt, machen sie im Prinzip tadellos.

„My Friend John“ kracht sich sofort cool ins Ohr, „Mistress Mabel“ tanzt eng umschlungen mit dem Feel-Good-Pop und „Tell Me A Lie“ ist Zappel-Rock mit – natürlich – Mitgrölrefrain. The Fratellis machen guten Moderock. Das reicht, um sie angetrunken ganz nett zu finden, beschäftigt man sich ein wenig mit ihnen, lernt man sie aufgrund ihrer Gerissenheit sympathisch zu finden, aber: wirklich besser macht das ihre Musik nicht.

Anspieltipps:

  • My Friend John
  • Mistress Mabel
  • Tell Me A Lie
  • Acid Jazz Singer

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