Chicago - Stone Of Sisyphus: XXXII - Cover
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Chicago Stone Of Sisyphus: XXXII


  • Label: Rhino/WEA
  • Laufzeit: 70 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

„Wir schrieben für das Album einige Songs, mit denen wir musikalisch und stilistisch ein gewisses Wagnis eingingen“, sagte James Pankow zu jenem 15 Jahre „verschollenen“ Album „Stone Of Sisyphus“. Dass die großen Herren bei Warner sehr kritisch beäugten ist verständlich, da das Jahr 1993 geschrieben wurde und der Großteil der Musik sich passender für das Jahr 1983 (oder auch das Jahr 2003) anhört. Gehen wir gleich mit der Tür ins Haus, denn es erübrigt sich, die Band Chicago vorzustellen. Dieser nach Big Band klingende Softrock, der einen die letzten Jahrzehnte unabstreifbar begleitete, ja, verfolgte. Nun reiht sich auch diese mehr als nur erfolgreiche Band unter jenen ein, die ein altes Album, das nie den Weg in die Plattenläden fand, in den Umlauf bringen. Ein inzwischen sehr entspanntes Label weiß, dass auf genug Fans zurückgegriffen werden kann und nach Adam Riese kommt letzten Endes wieder eine Menge Zaster bei rum, ordinär gesprochen.

Von der ersten Sekunde an fühlt man sich in die Achtziger zurückversetzt, wenn ein nahezu unverschämt eingängiger Track mit passendem Gesang und den dezenten Gitarren, sowie den Chicago-charakteristischen Bläser erklingt und den perfekten Radiosong erlebt. Vielleicht nicht für das Radio von Heute, aber das war wohl auch nicht so geplant. „Bigger Than Elvis“ ist eine typische Ballade, die den damals so kritischen Managern bestimmt kein Kopfzerbrechen beibrachte. Erst mit „All The Years“ erhöhen sich die technischen Spielereien, die ein leicht unstimmiges Bild ergeben, und wenn dann Radisprecherstimmen zu einer beinahe bedrohlichen Mundharmonika ertönen, ist das einfach nur noch progressiv. Dem heutigen Hörer kann das durchaus Spaß machen und für diesen ist dies vielleicht sogar der Höhepunkt, da der Song von sich aus wenig bietet und einfach nicht den Zug entwickelt, wie es der Titeltrack zu Anfang tut. Auch „Mah-Jong“, eine bläserlastige Funknummer, tut sich schwer. Zwar wird sie von Fans als groovig angesehen, doch objektiv muss man gestehen, dass die Art des Gesangs und die Bläser einfach zu Chicago-typisch sind und zu entstelltem Softrock führen. Damals gab es die Red Hot Chili Peppers schon, die den Funk um Einiges besser zu verarbeiten wussten.

Doch es soll nicht alles schlecht geredet werden. Wenn die Band sich wirklich auf ihre Stärken besinnt oder sich den neuen Einflüssen ganz hingibt, kommt dabei immer noch Bewährtes heraus. Das im Endeffekt wirklich groovige „Sleeping In The Middle Of The Bed“ macht durch den härteren Gesang und dem klaren Rhythmus wirklich Spaß und die Bläser und der Refrain sorgen dafür, dass Chicago ihre Wurzeln nicht vergessen. Ein wirklich gutes Lied. „Let’s Take A Lifetime“ ist dann wieder eine Ballade, die diesmal aber ganz klar den Schritt zur Kitschigkeit überschritten hat. Aber wieder muss man sich bremsen, denn 1993 (und zehn Jahre zuvor sowieso) waren solche Melodien Gang und Gebe. „The Pull“ macht das aber gleich wieder vergessen, welches sich in Sachen Klasse mit „Stone Of Sisyphus“ und „Sleeping In The Middle Of The Bed“ ganz klar in einer Reihe sehen darf. Anschließend wird es halt wieder ein wenig kitschig, wobei „Plaid“ das Ruder herumreißt und eine gewisse Abgeklärtheit mit einer Lockerheit verbindet, die dem Track einen ganz eigenen Charme gibt.

„Cry For The Lost“ ist endlich wieder ein Song, der es wirklich schafft auf dem schmalen Grat zwischen Kitsch und „softer“ Schönheit zu wandeln. Zwar wird dieser Pfad immer mal wieder überschritten, aber das ist bei der wirklich stimmigen Atmosphäre des Liedes zu verschmerzen. Beim Abschiedslied „The Show Must Go On“ wird auch noch einmal alles ausgepackt, was sich bei einer Rock Big Band mit Softwurzeln wie Chicago herausholen lässt. Die kleinen Schönheitsfehler eines „Cry For The Lost“ sind hier vergessen und die pure Lebensfreude ersetzt den Kitsch mehr als ebenbürtig. Die Bonustracks sind bis auf „Love Is Forever“ nicht erwähnenswert, da nur Demoversionen von Liedern des Albums. Für Fans natürlich ein netter Schachzug. Eigentlich lässt sich aber auch zu besagtem Titel nichts sagen, denn wer den Titel hört und Chicago kennt, weiß, was er sich darunter vorstellen muss. Alles in Allem darf man sich aber freuen, dass Chicago ein recht abwechslungsreiches Album geschaffen haben und es sich wenigstens nicht NUR um eine Geldmaschine handelt, die hier auf dem Markt landet.

Anspieltipps:

  • Sleeping In The Middle Of The Bed
  • The Pull
  • The Show Must Go On

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