Melvins - Nude With Boots - Cover
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Melvins Nude With Boots


  • Label: Ipecac/SOULFOOD
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Frei nach Stefan Kozalla: the Geklöppel continues. Nach den Kollaborationsjahren mit Jello Biafra und anderen, dem Comeback-Album als wieder richtige Band 2006, nun Nachgelegtes des ewig auf die Kacke hauenden Kollektivs aus Aberdeen, Washington. Ein Vierteljahrhundert ist diese Band bald alt, an die dreißig Veröffentlichungen reich und spielen ihren Weirdo-Stoner-Doom, als entstünde ihre gesellschaftliche Wut für ihren Heavy-Alternative-Rock erst aus der jetzigen US-Präsidentschaft.

Buzz Osborne und Dale Crover sind ja seit „A Senile Animal“ (2006) mit der Sludge-Band Big Business verschmolzen, ergo gibt es auch diesmal doppelte Schlagzeuguntermalung für Buzz’ kranke Oden an die Unvernunft, die diesmal wieder etwas schräger daherstampfen. Denn die Schuhe bleiben bei aller brutalen Schonungslosigkeit an! Wer zur aktuell laufenden US-Tour im Übrigen tatsächlich nackt, bis auf die Schuhe kommt, darf mit kostenlosem Eintritt und „special VIP-treatment“ rechnen, was auch immer das bei einer Melvins-Show bedeuten mag, ob das im Herbst auch für Europa gilt wurde noch nicht bekannt.

Die Wucht ihres Spiels schlägt auf „Nude With Boots“ wieder schnell Wellen der Angst und des Unbehagens für das, den Melvins-Sound ungewohnte, Höhrerohr. Dabei ist ihr polyphones Geklöppel wesentlich weniger Wall Of Sound lastig als in früheren Jahren – trotz zweier Schlagzeuge. Den Grund weiß Buzz Osborne zielsicher zu benennen: nach so vielen Jahren wird es immer schwieriger Wiederholungen auszuweichen, daher versuche er mittlerweile vor allem prägnante Riffs zu schreiben und diese müssen dann nicht immer zwangsläufig in einem kakophonischen Doom-Soundteppich untergehen.

Immer wieder erstaunlich hierbei, wie sehr sie Jams und Zufälle verabscheuen. Bei den Melvins ist kein einziger ihrer hässlichen Töne improvisiert und so jagen auf „Nude With Boots“ vertrackte Rock-Rhythmen und verwirrend choreographierte Drumduette einander abwechselnd. Eher rockige Songs wie „Suicide In Progress“ und „The Kicking Machine“ stellen noch Erholung dar, im Vergleich zu Gehirnwäschen wie „The Savage Hippy“. „The Smiling Cobra“ überzeugt besonders unappetitlich: Drums die Kugeln verschießen und Heavy-Riff-Rock ohne Gnade. Und „The Stupid Creep“ ist ein herrlich zusammenfassendes Melvins-Konzentrat, wer noch nie Buzz Osbornes Ergüssen lauschte, schenke diesen neunzig Sekunden Gehör, mag, er sie nicht, brauch er den Rest gar nicht erst versuchen.

Das Phänomen Melvins lebt, zynischer und desaströser denn je. Zu kompliziert für Punk, zu hastig für Metal, zu eklig für Rock. Bange machen gilt nicht.

Anspieltipps:

  • Suicide In Progress
  • The Kicking Machine
  • The Smiling Cobra
  • The Stupid Creep

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